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Kritik am Slogan: "365/24 Berlin - aber dann Jagd auf Spätis machen!"

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"365/24 Berlin" lautet das neue Motto der Hauptstadt, die niemals schläft.

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Um noch mehr Touristen anzulocken, setzt Berlin auf eine neue Kampagne: In anderen deutschen und europäischen Städten sollen künftig Plakate mit dem Werbeclaim „365/24“ zum Ausdruck bringen, dass die Stadt im gesamten Jahr rund um die Uhr Aktivitäten biete, sagte der Chef der Tourismusgesellschaft Visit Berlin, Burkhard Kieker.

Angelehnt an das Format „24/7“

Besucher könnten jederzeit nach Berlin kommen und müssten vorher nicht extra in den Veranstaltungskalender schauen. „Sie werden immer etwas finden. Berlin ist rund um die Uhr geöffnet“, erklärt Kieker die Zahlenkombination, sei es im Frühstückscafé, auf dem Badeschiff, im Museum, im Club oder im Morgengrauen vor dem Kreuzberger Imbiss Curry 36. Das gebe es sonst nirgendwo in Europa.

Die Kampagne startet auf der Internationalen Tourismusbörse Anfang März in Berlin. Später sind Deutschland, Europa- und weltweite Werbekampagnen geplant – „an Orten, die für Berlin wichtig sind“, sagt Kieker.

Gleichzeitig hat sich die Hauptstadt die Zahlenfolge 365/24 als Internetadresse gesichert, die zum Start der ITB freigeschaltet wird. Auf dem Online-Portal www.365-24.berlin sollen dann alle Veranstaltungen in der Stadt, etwa 1000 sind es an einem Tag, aufgelistet und auch buchbar sein – sei es ein Opernabend, ein Theaterstück oder, wie es Kieker formuliert, „das letzte Hinterhofschrummelkonzert“.

„Wie ein ramschiger Späti“

Bei der Aussprache plädiert der Visit-Berlin-Chef fürs Englische: „Three Sixty-Five Twenty-Four Berlin. Wir verstehen das Ganze aber eher als ein visuelles Element, das Berlin international verständlich auf den Punkt bringt.“ Entworfen haben es Kieker selbst und Moritz van Dülmen von der Agentur Kulturprojekte Berlin.

Kaum wurde ihre Idee öffentlich, gab es auch schon Kritik - auf Twitter verglich jemand den Titel mit einem "ramschigen Späti", ein Politiker der Piraten ärgerte sich, dass ausgerechnet diese Strafe zahlen müssten, wenn sie das Motto "365/24" lebten, und "Tagesspiegel"-Chefredakteur Lorenz Maroldt machte sich über die Staatlichen Museen lustig, die bis auf zwei Beispiele immer montags geschlossen seien. "Aber vielleicht geht ja im Berghain noch was", schrieb er, das sei ja inzwischen auch so eine Art staatliches Museum.

"365/24"-DasneueBerlin-MottoisteinweitererBeweisfürdieIdiotiederMarketing-Phrasendrescher.

—südkiez(@nordkiez)21.Februar2016 "365/24Berlin".AberdannJagdaufSpätismachen,dieSonntagsoffenhaben.Berlin,Dubistsopeinlich.pic.twitter.com/g7TphVe3Oq

—SimonKowalewski(@deBaer)19.Februar2016 365/24BERLIN:DasistderneueSloganunsererStadt-wieeinramschigerSpäti:https://t.co/4fA6CpU8Vv

—ThomasKeup(@thomaskeup)20.Februar2016 365/24-Montagsgeschlossen#ditisBerlinvia#Checkpoint@tagesspiegelpic.twitter.com/ap22i5UADU

—la_lioness(@la_lioness)22.Februar2016 365/24#Berlin-dieStadt,dieniemalsschläft(oderausnüchtert).@visitberlin#Sauftourismuspic.twitter.com/KllJSQpWoN

—MaikeSchultz(@klickbringer)22.Februar2016

Völlig über den Kopf der Bürger hinweg sollte ein Stadt-Slogan idealerweise nicht entwickelt werden, sagt auch Bernd Radtke, Autor des Buches "Stadtslogans zur Umsetzung der Markenidentität von Städten": "Die Einwohner machen die Stadt aus", sagt er. "Insofern müssen sie auch hinter dem Slogan stehen." Hoch im Kurs stehen laut Radtke Sprüche mit geografischen Angaben, die idealerweise auch noch den Reiz des Ortes ausmachen.

Schon „be Berlin“ war umstritten

Für Visit Berlin gestaltete sich schon die letzte Image-Kampagne im Jahr 2008 schwierig: Wie das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung ermittelte, hielten 60 Prozent der Berliner „be Berlin“ für schlecht. Nur bei den jüngeren Berlinern kam die Stadtwerbung mit dem englischen Slogan gut an, für die ebenfalls ein eigenes Online-Portal gestaltet wurde.

Das Motto „Sei Berlin“ und die englische Variante „be Berlin“ stammten von einer 17-jährigen Schülerin, die in einem Ideenwettbewerb gesiegt hatte. Die Strategie: Wer sich mit seiner Stadt identifiziert, strahlt das auch im Kontakt mit ihren Besuchern aus. „Seid mit ganzem Herzen Berliner. Ihr alle seid wichtig. Auf Euch kommt es an!“, appellierte der damals noch Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.

Einer der offiziellen Sprüche der Kampagne lautete: „Sei Stadt, sei Wandel, sei Berlin“. Eine der vielen bösen, nicht-offiziellen Abwandlungen hieß: „Sei Bildungsnot, sei Hundekot, sei Berlin.“ Drei Millionen Euro jährlich ließ sich der Berliner Senat die Kampagne kosten. Die meisten denken bei der Hauptstadt aber wohl eher an einen anderen Slogan, der von Wowereit geprägt wurde: „Arm, aber sexy.“ (mit dpa)

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