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Kritik an Gunther von Hagens: Kirchen gegen Berliner „Körperwelten“-Museum

Präparat "Der Organpräsentator" aus der "Körperwelten"-Ausstellung von Gunter von Hagens.

Präparat "Der Organpräsentator" aus der "Körperwelten"-Ausstellung von Gunter von Hagens.

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dpa

Die beiden großen Kirchen lehnen das geplante „Körperwelten“-Museum im Berliner Fernsehturm ab. Es sei fatal, menschliche Leichen, auf groteske Weise in Szene gesetzt, dauerhaft auszustellen, teilte Generalsuperintendentin Heilgard Asmus im Namen der Leitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz mit. Die Schau befriedige die Sensationslust der Menschen, betonte Pater Georg Maria Roers, der Beauftragte für die Bereiche Kunst und Kultur im Erzbistum Berlin der katholischen Kirche. Der Leichen-Präparator Gunther von Hagens will 20 Körper sowie bis zu 200 Körperteile zeigen.

„Das Anliegen, den menschlichen Körper weiter zu erforschen, ist an sich begrüßenswert“, erklärte Asmus. Doch mit Blick auf die Ausstellung präparierter Leichen betonte sie: „Wir als evangelische Kirche bleiben dabei: Das ist ein würdeloser Umgang mit Verstorbenen. Der Mensch ist nach unserem Glauben nicht geschaffen worden, um als Plastinat zu enden.“ Die Toten sollten ruhen können, forderte sie. Wer den menschlichen Körper kennenlernen wollen, könne das Dresdner Hygienemuseum besuchen.

Eine Beerdigung der Schau stehe schon deshalb an, weil die „Körperwelten“ einfach in die Jahre gekommen seien, forderte Roers. Die Schau ist seit Jahren als Wanderausstellung unterwegs. „Der Bildungsanspruch ist so schal wie die Behauptung, dass die Menschen, die hier gezeigt werden, Kunstwerke seien. Kein Mensch ist ein Kunstwerk“, kritisierte Roers.

Frühestens im Herbst soll das Museum im Berliner Fernsehturm eröffnet werden. Der Mietvertrag für 1200 Quadratmeter Fläche in einem Sockelgeschoss des Turms sei bereits unterschrieben, gab Kuratorin Angelina Whalley am vergangenen Freitag bekannt. Darüber hinaus soll die „Körperwelten“-Ausstellung auch weiter touren. Insgesamt stünden dafür inzwischen rund 140 Ganzkörper-Plastinate zur Verfügung, sagte die Kuratorin. Das Labor im brandenburgischen Guben und das Institut in Heidelberg blieben bestehen.

Von Hagens hat die Plastinationstechnik in den 70er-Jahren in Heidelberg entwickelt. Er versteht „Körperwelten“ als Anatomie-Ausstellung. Kritiker werfen ihm vor, mit seinen Leichenpräparaten die Menschenwürde zu verletzen.
Nach Angaben von Whalley haben bisher rund 14 000 Menschen eingewilligt, sich nach ihrem Tod nach von Hagens Methode präparieren zu lassen. Einer Leiche wird dafür alles Wasser entzogen, zum Schluss kommt der präparierte Körper in ein Silikonbad. Danach sei er mindestens so lange haltbar wie ägyptische Mumien, sagte Whalley. (dpa)



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