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Kritiken zur Berliner Fashion Week: Die Fashion Week auf einen Blick

Dreiecksbeziehung: Bademode bei Dimitri.

Dreiecksbeziehung: Bademode bei Dimitri.

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afp/TOBIAS SCHWARZ

Der Donnerstag und der Freitag der Modewoche bot – man darf es sagen – kaum Überraschendes. Die Kritiken unserer Autoren.

Dimitri

Am Donnerstagnachmittag dominierte holde Weiblichkeit beim Berliner Label Dimitri. Die Hosen waren eng und körperbetont, die Absätze hoch. Matte und kräftige Farben wechselten einander ab. Der Designer, der mit vollem Namen Dimitrios Panagiotopoulos heißt, achtete auf die musikalische Auswahl, die mit den melancholischen Sounds von Interpol schön die knappe Bademode in Moll kontrastierte. Ein Key-Element der Kollektion waren die weit über die Hüften gezogenen Hosen, die Pailletten und der Schmuck. Accessoires wie dieser werten die Outfits auf, lenken aber nicht zu sehr von den klassischen Schnitten ab. Viele Ideen wirkten verträumt, enge Jeans wurden kombiniert mit luftigen Oberteilen, ein übergeworfenes Jackett oder eine Weste. Und immer wieder Tücher und Pailletten, egal, ob über den Schultern oder den Hüften. Der Sommer kann (wieder-)kommen. Fast hippiesk muteten die Ideen an.

Malaikaraiss

Rosa ist ja eine Farbe für sich, sie wirkt schnell zu süßlich oder zu tantig. Die Berliner Designerin Malaika Raiss will von dem im Umgang nicht leichten Ton trotzdem nicht lassen, auch in ihrer neuen Kollektion tritt er auf, diesmal soft wie Erdbeereis, aber versachlicht durch den Stoff mit semitransparentem Gittermuster. Über das Hemdkleid kommt dann noch ein Blouson in Rosa, sozusagen femininisierte Sportswear. Erdbeere und Vanille wechseln sich ab, etwa bei ausgestellten Minikleidern, die – das Layering ist allgegenwärtig bei dieser Fashion Week – über Culottes getragen werden. Raiss reduziert gern auf Klassiker-Schnitte wie seidene Lingerie-Kleider und Shorts-Anzüge, aber das ausladende, couturige Abendkleid in schwarz-weißem Organza darf dann doch nicht fehlen.

Impuls_03

Sechzehn Bachelorabsolventen der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft zeigten am Donnerstagabend in einer gemeinsam Show ihre Abschlusskollektionen. Insgesamt war der Stil meist skandinavisch minimalistisch. Interessant waren Dana Kanins Entwürfe, die versuchte, die Gedankenwelt ihrer Generation abzubilden. Ihre Prints waren bunt wie explodierende Kaleidoskope, die Schnitte dekonstruiert und übergroß. Sema Gedik schickte nicht gewöhnliche Models auf den Runway, sondern kleinwüchsige Menschen. Sie will nicht nur Mode für sie entwickeln, sondern auch Konfektionsgrößen für sie etablieren, die es bislang nicht gibt.

Perret Schaad

Der Wind blies ordentlich und ließ seidene Rocksäume wie choreografiert flattern, als Perret Schaad ihre Sommerkollektion am Donnerstagabend präsentierte. Auch das Designerduo gab seine Location erst kurz vorab per SMS bekannt, ein Trend, der sich mittlerweile durchgesetzt hat und zu anstrengenden, weil nicht planbaren Fahrten durch den abendlichen Verkehr führt. Die Show war dann die vielleicht schönste dieser Fashion Week, ein leeres Planschbecken mit leicht morbidem, urbanem Charme mitten in einem Wohngebiet unweit der Jannowitzbrücke. Sowieso scheinen Perret Schaad mit jeder Saison besser zu werden und immer noch ein wenig feinsinniger die Balance zwischen cleaner Modernität und intelligenter Sinnlichkeit auszuloten. Für 2016 wird ihr Stil romantischer, ohne jedoch darüber seine Coolness einzubüßen. Die Designerinnen setzen hierfür auf eine Palette an Grün- und Rosétönen, verspielte Streifenstoffe und sogar – das ist neu – auf bunte Drucke. Mit gewohnt präzisen Schnitten entstehen daraus sanft fließende Silhouetten für laue Sommerabende. Perret Schaad gelingt das Kunststück, Volants und Rüschen als Abschlüsse an den seidigen Röcken und an Ärmeln asymmetrischer Kurzarmblusen nicht trutschig, sondern ganz erwachsen wirken zu lassen.

Lala Berlin

Geradezu lieblich wurde es bei der Berliner Designerin Leyla Piedayesh, sie hatte Lochstickerei in blütenweißer Baumwolle zu Culottes, Hängerchen und Tops verarbeitet. Das Gleiche gab es dann in Schwarz gleich noch mal. Und auch noch mal, wie in jeder Kollektion des Hauses, das Flechtmuster von der Kufiya, vulgär: Pali-Tuch. Diesmal ist es nur in winzigen Stücken auf helle Seide gedruckt, wie verblassende Graffiti, kombiniert mit jenem giftigen Gelb und Leuchtblau, von dem die Designerin wohl nimmer lassen kann. Auch das atmet den Geist der Neunziger – wie die hüftknochenhoch geschlitzte Marlene-Hose mit Nadelstreifen. Sagen wir es mal so: Piedayesh ist sich insgesamt sehr treugeblieben.

Shai Shalom

Für seine Präsentation auf dem Runway brachte Shai Shalom seinen Fanclub mit, der jede der Kreationen des israelischen Designers johlend und klatschend begrüßte. Der Grund für diesen Jubel erschloss sich jedoch nicht. In der Kollektion, die sowohl Teile für Männer als auch für Frauen umfasste, dominierte ein ockergelber Farbton, der garantiert jeden Träger blass macht, erst recht in Kombination mit leuchtendem Petrol. Formal irritierten vor allem Männershorts mit einem Strickabschluss, der aussah, als würde die von der Oma handgearbeitete Unterhose hervorschauen. Außerdem gab es schmale Anzüge in Rosa oder Creme mit Strickdetails. Für die Damen hat Shalom Palazzo- und schmale Hosen mit glatten Metallic-Strickpullovern sowie Röcke und Kleider mit Falteneinsatz entworfen. Wie man indes knielange Plisseeröcke in zeitgemäßer Ästhetik interpretiert, hatte in dieser Woche etwa Hien Le in seiner Kollektion demonstriert. Bei Shalom wirkt das Ganze bestenfalls langweilig. Manchmal aber auch – und das nicht nur bei, Plissee – wie ein Abklatsch der Marke Desigual, etwa wenn der Designer dafür schokoladenbraunen Stoff mit türkisfarbenen aufgestickten Blumen verwendete. Schön ist das nicht.

Dorothee Schumacher

Mit meditativem Vogelgezwitscher, Pianogeklimper und einer Urwalddekoration zollte Schumacher ihrer Idee von Paradies Respekt, das sie auch zu ihrer Kollektion „Nature Spirit“ inspirierte. Blüten-Prints in gedeckten Farben und Naturstoffe wie Leinen und Raffia betonten Ursprünglichkeit und Ruhe. Kleider und Kurzblazer mit Schulter-Cutouts hatten etwas fast jungfräulich Verführerisches. Insgesamt war die Kollektion wie immer wohldurchdacht, sehr weiblich und elegant – und eine Abwechslung zum sonst so sehr propagierten Normcore, also dem lediglich auf simple Schnitte reduzierten Allerwelts-Stil.

Marina Hoermanseder

Die junge Wiener Designerin, die mit ihren an Orthopädie-Korsette erinnernden Kleidern, Röcken und Oberteilen international berühmt wurde, zeigte eine edle Kollektion mit perfekten Schnitten, hochwertigen Materialien und in Handarbeit ausgeführten Details. Neu waren kleine Lederblüten in Pastellrosé, Flieder, Blau und Mint, mit denen Hoermanseder Kleider und Haar schmückte.