26.01.2012

Kultur im Großformat: Oper live im Kinosaal

Von Stefan Strauss
Jetzt geht's los: 200 Zuschauer wollten vergangenen Sonnabend im Kino Cubix am Alex die  Live-Übertragung aus der Metropolitan Opera in New York sehen.
Jetzt geht's los: 200 Zuschauer wollten vergangenen Sonnabend im Kino Cubix am Alex die Live-Übertragung aus der Metropolitan Opera in New York sehen.
Foto: Markus Wächter
Berlin –  

Hochkultur auf der Leinwand: Freunde von Opern und Konzerten können bedeutende Aufführungen jetzt im Kino genießen. Am Freitag sind die Berliner Philharmoniker zu sehen.

Kinosaal 7 ist an diesem Abend für die Hochkultur reserviert. In den anderen Sälen des Hauses sind „Die Muppets“ zu sehen, „Verblendung“ und „Der Gestiefelte Kater“ in 3D – beste Unterhaltung, Spannung und Action also. Die Besucher kaufen Popcorn und Cola.

Solche Sachen gibt es nicht an den weiß gedeckten Tischen vor Kinosaal 7. Elegant gekleidete Kellnerinnen reichen den meist älteren Gästen Rot- und Weißwein. In Gläsern, nicht in Bechern. Das Licht im abgetrennten Besucherbereich strahlt dezent, nicht grell. Eine Garderobe haben die Mitarbeiter eingerichtet und Kerzen angezündet. Die Besucher vor Saal 7 reden leise. Für die Pause bestellen sie einen Tisch mit Wein, Sekt und Brezeln.

Nächste Aufführungen:

In den Kinos Cubix, Sony Center und Kulturbrauerei werden live übertragen:

27. Januar, 19.30 Uhr Berliner Philharmoniker;

aus der Met in New York:

11. Februar, 18 Uhr, „Götterdämmerung“;

7. April,18 Uhr, „Manon“;

14. April, 19 Uhr , „La Traviata“.

Live-Übertragung aus New York

Es ist Opernabend im Kino Cubix am Alex und in deutschlandweit 23 weiteren Häusern der Kinokette Cinestar. Auf dem Programm steht eine Live-Übertragung aus der Metropolitan Opera in New York, kurz MET. Für Opernfreunde ist das ein kultureller Höhepunkt. Die weltbesten Opernsänger treten in der MET auf, darunter Star-Tenor Placido Domingo, die Mezzosopranistin Joyce DiDonato und Countertenor David Daniels. In Berlin beteiligen sich an der ungewöhnlichen Kinoreihe neben dem Cubix auch das Kino im Sony Center am Potsdamer Platz und das Kino in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg.

Es ist ein Experiment, ein erfolgreiches, das da seit zwei Jahren läuft. Im September 2010 startete Cinestar mit dem Projekt, bedeutende Opern- und Konzertaufführungen im Kinosaal zu übertragen. „Es begann sehr zaghaft“, sagt Danny Czichy, Theaterleiterassistent im Cubix. Nur etwa 30 bis 70 Besucher kamen anfangs, jetzt sind es bis zu 270 Gäste, Kinosaal 7 ist am vergangenen Sonnabend zu zwei Dritteln gefüllt, die vorderen Reihen bleiben frei. „Zu den Übertragungen kommen keine Standard-Kinobesucher. Das sind spezielle Gäste“, sagt Danny Czichy.

Und deshalb begrüßt er sie auch kurz vor Beginn der Übertragung um 19 Uhr. Er sagt, die Satellitenübertragung aus New York stehe, seit 16 Uhr gebe es ein konstantes Signal in HD-Qualität. Auf der großen Leinwand sehen die Zuschauer jetzt den gut besuchten Konzertsaal in New York. In den roten Polsterstühlen sitzen Familien, viele Kinder sind dabei. In New York ist es jetzt 13 Uhr, Zeit für eine Oper zur Matinee. Die eigens für die MET komponierte Barockoper „The enchanted Island“ umfasst Motive aus „Ein Sommernachtstraum“ und „Der Sturm“ von William Shakespeare sowie Arien von Vivaldi, Händel und weiteren Komponisten. 27 Euro haben die knapp 200 Opernfreunde für ihre Kinokarte bezahlt.

Den Preis rechtfertigt Czichy mit hohen Kosten für die Übertragungsrechte. „Eine Kinokarte kostet aber auch nur einen Bruchteil einer regulären Konzertkarte.“ In New York zahlen die Besucher für diese Aufführung bis zu 320 Dollar. Das sind knapp 250 Euro. Die knapp vierstündige Oper aus New York wird gleichzeitig in 34 Länder übertragen. Die Bilder sind beeindruckend, das Bühnenbild märchenhaft, der Ton hat hohe Qualität. Man hört jeden Schritt der Sänger über die Bühne, die Kamera zeigt sie in Nahaufnahme, deutsche Untertitel erleichtern das Verständnis. In New York applaudieren die Zuschauer nach jeder Arie, in Berlin tun das nur wenige Besucher.

Begeistert von Inszenierung

Doch mit ihrer Begeisterung hat das nichts zu tun. In der Pause nach dem 1. Akt schwärmen die Zuschauer über die Inszenierung aus New York. Die Qualität der Übertragung sei beeindruckend, sagt eine ältere Frau, die Inszenierung sei „witzig und ironisch“. Und von den Stimmen der Sänger sei sie begeistert. „Man sieht die Mimik der Sänger viel besser als im Konzertsaal“, sagt sie. Niemanden scheint zu stören, so eine bedeutende Aufführung im Kino mitzuerleben. „Wenn sich der Vorhang hebt, ist der Ort egal“, sagt eine andere Besucherin. Dann eilt sie zurück auf ihren Logenplatz in Kinosaal 7.

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