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Kunst zum Valentinstag: Tulpen aus Friedrichshain

Galerist Tom Signier und Künstler Lukas Julius Keijser (v. l.) bereiten den Laden auf Zeit vor. Einige Blumen sind schon da, sie lehnen an der Fassade.

Galerist Tom Signier und Künstler Lukas Julius Keijser (v. l.) bereiten den Laden auf Zeit vor. Einige Blumen sind schon da, sie lehnen an der Fassade.

Foto:

Akud/Lars Reimann

Als Musik hat er zwei Kuschelrock-CDs ausgesucht, Ingwer-Törtchen liefert eine französische Konditorin aus der Nachbarschaft, und der Sekt ist auch schon kaltgestellt. Lukas Julius Keijser, ein Aktionskünstler aus Friedrichshain, hat Großes vor an diesem Wochenende. Gemeinsam mit seinem Kumpel, dem Galeristen Tom Signier, baut er dessen Galerie an der Dirschauer Straße um. Für zwei Tage wird der kleine Raum, in dem früher mal Hundefutter verkauft wurde, zum Blumenladen.

„Am Sonntag ist Valentinstag, und ich will für die dazu gehörende Romantik sorgen“, sagt Keijser mit treuherzigem Augenaufschlag. Doch dann muss er grinsen und sagt, was er mit der Aktion wirklich bezweckt: „Als Künstler muss ich auf solche Kommerzdinge reagieren.“

Kartons mit Fischgeruch

Genau das tut er mit dem Pop-up-Store. Blumen gibt es dort zwar das ganze Wochenende über. Doch es sind keine, die man am Valentinstag üblicherweise verschenkt. Die Blumen, die Lukas Julius Keijser verkauft, sind Siebdrucke. Er druckt Tulpen- und Rosensträuße, rote, pinkfarbene und neongelbe, auf alte Kartons.

Diese sind allesamt vom Müll. Er holt sie sich von einer Bäckerei oder vom Dong-Xuan-Center, der vietnamesischen Markthalle in Lichtenberg. „Am liebsten nehme ich Kartons, die nach Fisch riechen, das ist ein schöner Gegensatz“, sagt Keijser. Seine Siebdrucke nennt er Wegschmeiß-Kunst: „So wie echte Schnittblumen nach sieben Tagen gestorben sind, kann man die Kartons auch nach sieben Tagen wegwerfen.“ Man kann sie aber auch aufheben, sie verwelken ja nicht.

Der Niederländer, der 1973 in Amsterdam geboren wurde, dort Literatur studiert und als Journalist gearbeitet hat, kam 2006 nach Berlin. An der Universität der Künste (UdK) machte er 2011 seinen Master und arbeitet seither als Aktionskünstler, als Grenzgänger zwischen Kunst und Trash. „Ich muss austesten, was Kunst ist und was nicht“, sagt er. Mit seinen gedruckten Tulpensträußen hat er schon beim „Königinnentag“ die Gäste der niederländischen Botschaft in Berlin überrascht. In Kreuzberg hat er für einige Tage einen „Sexshop 2.0“ eröffnet. Dort verkaufte er unter anderem gedruckte Viagra-Pillen.

In mehreren Städten hat er Kurzzeit-Bars oder -Imbisse eröffnet, wo er gedruckte Pommes, Bratwürste, Zigaretten, Bier und Cocktails verkauft. Alles zu den handelsüblichen Preisen – die Pommes zu zwei Euro, das Bier zu drei und die Cocktails zu fünf Euro. Für Keijser ist Kunst Kommunikation pur. Er ist neugierig auf die Reaktion von anderen. Gern erzählt er von einer Aktion, bei der er sich vor dem Fernsehturm postierte, mit einem Schild, auf dem stand „Free bad Vibes“. „Viele Leute sind überrascht stehen geblieben und haben Fotos gemacht“, sagt er. Seine Aufforderung, die schlechte Laune einfach mal rauszulassen, habe für viel Heiterkeit gesorgt.

Erdbeeren und Zimt

Auch auf die Besucher-Reaktionen am Wochenende ist er gespannt. Gut 300 Pappen hat er zugeschnitten, die er vor Ort bedrucken will. Wenn die Leute dann erst mal verwirrt vor den Kartons stehen, wo sie echte Blumen erwartet haben, wird er lächeln und mit ihnen anstoßen.

Die Sträuße von Lukas Julius Keijser kosten normalerweise zehn Euro, wie in echten Blumenläden. Zum Valentins-Wochenende werden sie aber teurer sein. Am Samstagmorgen will der Künstler erst mal im Blumenladen um die Ecke gucken, welche „Mondpreise“ dort für den Valentinstag verlangt werden. Er wird seine Preise denen anpassen. Und für „echte Romantiker“ setzt er noch einen drauf: Die Farben für seine Siebdruck-Tulpen und -Rosen duften diesmal nach echten Erdbeeren, nach Vanille und Zimt.