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Lärmschutz am BER: Den Planern läuft die Zeit davon

Ganz schön laut! Ab April 2015 sollen alle Flugzeuge in Schönefeld von der neuen Südbahn starten. Doch das muss die Luftfahrtbehörde noch genehmigen.

Ganz schön laut! Ab April 2015 sollen alle Flugzeuge in Schönefeld von der neuen Südbahn starten. Doch das muss die Luftfahrtbehörde noch genehmigen.

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picture alliance / dpa

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, und am Montag war ungewiss, ob die Flughafengesellschaft FBB ihr Ziel erreicht. Bis zum heutigen Dienstag wollte sie allen Hauseigentümern rund um die BER-Südbahn, die Lärmschutz beantragt haben, Briefe senden. Briefe, in denen sie mitteilt, welche Ein- und Umbauten sie ihnen bezahlt – damit die Eigentümer Baufirmen beauftragen können. „Mein Stand ist, dass die Flughafengesellschaft damit noch nicht fertig ist“, teilte Staatssekretärin Kathrin Schneider in Potsdam mit.

Die Zeit drängt. Die einzige Piste des Flughafens Schönefeld muss dringend saniert werden. Da sie in Zukunft als nördliche Start- und Landebahn des BER gebraucht wird, sollte dies bald passieren – noch bevor der neue Airport öffnet.

Baubeginn für April 2015 geplant

Darum sollen die sechsmonatigen Arbeiten im zweiten Quartal 2015 beginnen, voraussichtlich im April. So lange würden alle Flugzeuge die neu gebaute Südbahn des BER nutzen. Dies wiederum will die Oberste Luftfahrtbehörde aber erst dann genehmigen, wenn absehbar ist, dass die Südbahn-Anwohner vor Lärm geschützt sind – ob alle oder ein Großteil, ließ Schneider offen. Damit die Baufirmen genug Zeit für Ein- und Umbauten haben, wollte die FBB allen Antragstellern bis Ende September Anspruchsermittlungen senden. Darin steht, welcher Schallschutz den Anliegern zusteht.

Christine Dorn, die Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Umweltverträglichkeit des Verkehrs, sagte: „Vor einigen Tagen erfuhren wir, dass noch eine dreistellige Zahl abgearbeitet werden muss“ – knapp tausend. Allein bis Ende Juli gingen mehr als 4 500 Anträge ein, über ein Viertel der Antworten stünde aus. „Uns wurde gesagt, dass die Frist bis zur letzten Minute genutzt werden soll – bis 30. September, 24 Uhr.“

Als Dorn vor ein paar Tagen den BER-Schallschutz-Chef Ralf Wagner traf, wirkte dieser sehr angespannt. „Er sah sehr übermüdet aus“, berichtete die Bohnsdorferin. Dorn hatte den Eindruck, als ob Flughafenchef Hartmut Mehdorn seine Leute angewiesen hätte: Ihr müsst es unbedingt schaffen. „Sonst: Kopf ab!“ „Nach all dem, was wir wissen, ist die Flughafengesellschaft nah dran an ihrem Ziel“, sagte Rainer Bretschneider, Flughafenkoordinator der Brandenburger Landesregierung. Flughafensprecher Lars Wagner teilte lediglich mit: „Die FBB wird sich nach Ablauf der Frist zum Thema Schallschutz äußern.“ Mehdorn hat bereits vorsorglich eingeräumt, dass es länger dauern kann.

Für Christine Dorn ist inzwischen ein anderes Thema drängender: „Die Qualität der Anspruchsermittlungen ist in vielen Fällen eine Katastrophe.“ Obwohl das Dialogforum Airport Berlin Brandenburg die FBB 2012 aufgerufen habe, kulant zu sein, sei das Gegenteil der Fall.

Beispiele: Zimmer, die schon seit Langem bewohnt werden, würden nicht als Wohnräume eingestuft und bekämen keinen Lärmschutz – nur weil sie 2,47 Meter hoch seien und nicht 2,50 Meter, wie Normen fordern. Für Küchen, die kleiner als zehn Quadratmeter sind, gelte das gleiche. „In einem Fall war eine Küche 9,98 Quadratmeter groß, Lärmschutz wurde abgelehnt.“ Kein Geld gab es auch, wenn die Fenster nicht eine bestimmte Fläche umfassen. „Die FBB sucht ihr Heil offenbar in der Entmutigung der Anwohner. So macht sie sich keine Freunde“, lautete Dorns Bilanz. Der Streit um den Lärmschutz werde weitergehen.

Nachts ist Ruhe!

Ein weiteres Konfliktthema: Nachdem Flugrouten angepasst und Verkehrsbelastungen neu berechnet worden sind, wäre vielerorts das Lärmschutzniveau verringert worden, so Dorn. Betroffen seien auch Flächen, die Blankenfelde-Mahlow gehören – weshalb die Gemeinde vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) klagt. Ein Mitglied des Bürgervereins Brandenburg-Berlin ist ebenfalls vor das Gericht gezogen. „Die mündliche Verhandlung ist für den 8. und 9. Dezember angesetzt“, teilte eine OVG-Sprecherin mit.

Auch zwischen der Flughafengesellschaft und der Luftfahrtbehörde gibt es noch Differenzen. Die FBB fordert, dass auf der Südbahn ein Flugbetrieb rund um die Uhr möglich ist – wie am alten Schönefelder Flughafen. „Wir sind der Meinung, dass dort die Regeln für den BER gelten“, so Staatssekretärin Schneider. Und zwar: Nachts ist Ruhe!