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Lärmzuschläge: Fliegen ab Tegel wird billiger – für die Airlines

Diesen Anblick dürfen die Anwohner des Flughafens vermutlich bald noch öfter genießen.

Diesen Anblick dürfen die Anwohner des Flughafens vermutlich bald noch öfter genießen.

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dpa

Berlin -

Eine gute Nachricht für die Airlines, eine schlechte für die Anwohner: Für einen großen Teil der Flüge in Tegel sollen die Gebühren sinken. Nach Informationen der Berliner Zeitung plant die Flughafengesellschaft, die Lärmzuschläge für zahlreiche Flugzeuge zu verringern. Dabei wäre eine solche Verbilligung aus wirtschaftlicher Sicht nicht nötig, meinen die Grünen. Denn der innerstädtische Flughafen könne sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen, die Zahl der Flugbewegungen steige immer weiter an. „Die Änderung ist nicht erforderlich, die geplante neue Entgeltordnung ist kontraproduktiv“, sagte der Berliner Grünen-Abgeordnete Andreas Otto am Donnerstag. Sie könnte als Anreiz wirken, noch mehr Flüge in Tegel abzuwickeln.

Mehr Starts und Landungen

Anderswo steigen die Preise mit der Nachfrage. Doch auf dem Flughafen Tegel, der allein im ersten Quartal dieses Jahres rund 2,8 Prozent mehr Starts und Landungen im Passagierverkehr verzeichnete als im selben Zeitraum des Vorjahres, soll es umgekehrt sein. Andreas Deckert von der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH präsentierte der Tegeler Fluglärmkommission erste Einzelheiten, die im Januar des kommenden Jahres in Kraft treten sollen.

Danach soll der Lärmzuschlag für Flugzeuge der Lärmklassen 1 bis 3 in einem noch ungenannten Ausmaß sinken. Dazu zählen die Airbusse A 318, 319 und 320, die in Tegel stark vertreten sind. Für die etwas lauteren Maschinen der Klasse 4 soll dieser Zuschlag gleich bleiben, für laute Flugzeuge der Klassen 5 bis 7 sollen die Zuschläge steigen.

„Klar ist, dass wir Anreize für die Fluggesellschaften schaffen, lärmärmeres Fluggerät einzusetzen“, teilte der Flughafensprecher Ralf Kunkel dazu mit. Doch in der Realität werden nur wenige Flüge mit Mehrkosten belastet, entgegnete ein Mitglied der Fluglärmkommission. Die Klassen 6 und 7, zu denen die Boeing 707 und das Lastflugzeug Antonov An-124 gehören, seien in Tegel nicht vertreten. Kritisch sehen Beobachter auch, dass auch Flüge am Abend von der Verbilligung profitieren sollen – zu einer Zeit, wenn sich viele Anwohner in Reinickendorf, Pankow und Spandau ausruhen wollen.

Dem Vernehmen nach sollen die Spätzuschläge für Landungen zwischen 22 und 23.30 Uhr gleich bleiben. Die Aufpreise von 20 beziehungsweise 100 Prozent beziehen sich aber auf die Lärmzuschläge, deshalb schlägt die Verbilligung auf sie durch. Für noch spätere Landungen sollen diese Aufpreise allerdings deutlich steigen, berichtete Deckert. Bis Mitternacht werden statt 100 künftig 150 Prozent fällig, danach bis sechs Uhr in der Frühe sogar 400 Prozent – momentan sind es noch 250 Prozent.

Belohnung für die Airlines

Doch der Luftverkehrspolitiker Otto hält etwas anderes für wichtiger. „Am wirksamsten würden die Anwohner geschützt, wenn für Tegel endlich ein striktes Nachtflugverbot gelten würde.“ Derzeit gibt es nur Nachtflugbeschränkungen. So störten allein im April zwischen 23 Uhr und Mitternacht 18 Landungen und elf Starts die Ruhe. In den Nachtstunden bis sechs Uhr früh wurden in Tegel 27 Landungen und 24 Starts gezählt – Post- und Ambulanzflüge.

Die geplante neue Entgeltordnung passe auch nicht zu dem politischen Ziel, möglichst viel Verkehr von Tegel nach Schönefeld zu verlagern, so Otto. „Sie soll die Airlines, die schon so lange in Tegel aushalten, für ihren Verzicht auf BER offenbar entschädigen und belohnen“, sagte ein anderer Luftfahrtexperte. Und sie sei ein weiterer Beleg dafür, dass die Flughafengesellschaft Tegel noch lange offenhalten will: „Sonst würde sie sich doch nicht so viel Aufwand machen.“

Einige Bürger dürfte dies freuen. Am Donnerstag gründeten sie den Verein „Tegel bleibt offen“, teilte ihr Sprecher Marius Valentin mit.