Land stellt 450 neue Lehrer zum Schuljahresstart ein

Potsdam. Das Land Brandenburg stellt zum neuen Schuljahr 450 neue Lehrer ein. Das seien so viele wie noch nie, teilte Bildungsministerin Martina Münch (SPD) am Donnerstag in Potsdam mit. Davon entfielen allein gut 100 auf das jetzt beginnende Pilotprojekt «Inklusive Grundschule», demzufolge behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Besonders viele Pädagogen würden an Grund- und Oberschulen gebraucht und hier in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch oder auch Sport.

Zum neuen Schuljahr 2012/13 werden laut Ministerium rund 268 000 Schüler die Schulen des Landes besuchen, womit sich die Zahl weiter stabilisiere. Auch das Schulnetz bleibe weitgehend in seinem Bestand gesichert.

Es gebe keinen Mangel an Bewerbern, sagte Münch mit Blick auf den Lehrernachwuchs, für den Brandenburg offensichtlich attraktiv sei. Den Pädagogen werde auch künftig die Verbeamtung angeboten. Der Bedarf an frischen Lehrkräften sei regional sehr unterschiedlich. Mehr als die Hälfte der unbefristeten Einstellungen fielen in die Schulamtsbereiche Perleberg (Prignitz) und Brandenburg/Havel, während der Bereich Cottbus nur zehn neue Lehrkräfte verzeichne. Im Süden - vor allem in den Landkreisen Spree-Neiße und Elbe-Elster - muss Münch zufolge mit weiteren Schulschließungen gerechnet werden. Betroffen seien unter anderem Einrichtungen in Guben und Forst.

Landesweit kamen den Angaben zufolge an sechs Grundschulen keine Eingangsklassen zustande; drei Grundschulen wurden Ende des abgelaufenen Schuljahres wegen zu niedriger Schülerzahlen aufgelöst. Mit rund 19 500 bewegt sich die Zahl der Einschulungen etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Die ABC-Schützen starten nach dem Ende der Sommerferien nächste Woche in ihren neuen Lebensabschnitt. Von 412 neuen Lehrern mit bereits unterschriebenen Verträgen erhielten 265 eine unbefristete Einstellung; in 147 Fällen wurden laufende Verträge entfristet. Münch erhofft sich eine Verjüngung der Kollegen: Während das Durchschnittsalter jetzt bei 50 Jahren liege, betrage es bei den Neuzugängen 34,4 Jahre.

Nachdrücklich warb die Ministerin für das an 85 Grundschulen anlaufende Pilotprojekt zur Inklusion - 74 Einrichtungen seien in öffentlicher und 11 in freier Trägerschaft. Es gehe um eine «Schule für alle», in der Kinder mit- und voneinander lernen würden, bemerkte Münch. Davon profitierten durchaus auch leistungsstarke Schüler und das Lernniveau sinke nicht ab - im Gegenteil. «Jedes Kind lernt mit seinem Tempo.» Die Lehrkräfte setzten sich aus Sonderpädagogen und weiterqualifizierten Grundschullehrern zusammen. Ein von der Landesregierung geplantes Lehrerbildungsgesetz werde Anforderungen inklusiver Schulen zum Bestandteil des Studiums machen. Das Gesetz könnte im Sommer 2013 in Kraft treten.

Für die Zeit nach 2017 rechnet die Regierung mit weiter fallenden Schülerzahlen, zunächst in ländlichen Regionen und ab 2020 im ganzen Land. Gemäß der jüngsten Bevölkerungsprognose werde sich die Zahl der Geburten zwischen 2011 und 2030 von rund 19 000 auf etwa 9900 halbieren. Um auch in Zukunft ein stabiles Schulnetz zu sichern, soll eine «Demografie-Kommission» bis August 2013 Empfehlungen erarbeiten. Sie wird laut Münch im September eingesetzt. (dpa/bb)