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Legaler Cannabis-Konsum: Bezirk will Antrag auf Coffeeshop dieses Jahr abgeben

Die Kreuzberger Grünen verfolgen schon seit einigen Jahren das Ziel, einen sogenannten Coffeeshop einzurichten, eine legale und staatlich kontrollierte Verkaufsstelle für die Drogen Haschisch und Marihuana.

Die Kreuzberger Grünen verfolgen schon seit einigen Jahren das Ziel, einen sogenannten Coffeeshop einzurichten, eine legale und staatlich kontrollierte Verkaufsstelle für die Drogen Haschisch und Marihuana.

Der Plan des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg für eine legale Verkaufsstelle von Cannabis nimmt konkrete Gestalt an. „Ich erwarte, dass der Antrag dieses Jahr rausgeht“, sagte Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Gestellt werden muss dieser Antrag für einen entsprechenden Modellversuch beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn. Derzeit formuliert ein Institut im Auftrag des Bezirks den Schriftsatz für die „kontrollierte und lizensierte Abgabe von Cannabisprodukten“. „Das müssen Fachleute machen, die das Know-How haben“, sagte Herrmann.

Die Kreuzberger Grünen verfolgen schon seit einigen Jahren das Ziel, einen sogenannten Coffeeshop einzurichten, eine legale und staatlich kontrollierte Verkaufsstelle für die Drogen Haschisch und Marihuana. Damit soll rund um den Görlitzer Park der Drogenhandel zurückgedrängt und die damit zusammenhängende Kriminalität vermindert werden. Der Grünen-Innenpolitiker Benedikt Lux verspricht sich davon zumindest in der Gegend eine Entlastung.

Mehrjähriger Modellversuch geplant

Auch die Berliner SPD ist laut den Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“ (Samstag) für eine Reform der Drogenpolitik. „Wir empfehlen, dass der dubiose Schwarzmarkt ausgetrocknet wird, bei gleichzeitiger Stärkung der Konsumentensicherheit, beispielsweise durch zugelassene und kontrollierte Produktion, reglementierte und lizenzierte Abgabe an Erwachsene in kontrollierten Shops und in bestimmten Fällen in Apotheken“, wird der gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Isenberg, zitiert.

Herrmann wandte sich gegen den Begriff Coffeeshop, mit dem eigentlich die holländischen Cannabis-Läden bezeichnet werden. Es gehe eher um ein Fachgeschäft mit strenger Kontrolle durch die Behörden. Die Ausarbeitung des Modellprojekts und das Antragsverfahren seien sehr aufwendig, sagte Herrmann. Daher dauere das auch so lange. Zum Projekt werde dann auch eine Kontrollgruppe von 500 oder 1000 Probanden und eine entsprechende Evaluation gehören. Ausgelegt sei so ein Modellversuch auf mehrere Jahre.

Schon jetzt hätten sich Brandenburger Bauern mit der Frage gemeldet, ob sie für Kreuzberg dann Marihuana anbauen könnten, berichtete Herrmann. „Wir müssten das Cannabis ja dann beziehen. Ich hätte mir auch vorstellen können, dass es die Bezirksgärtnerei macht.“

Cannabis Nummer eins der illegalen Drogen

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte muss eigentlich entscheiden, wer etwa im Rahmen einer Schmerztherapie Cannabis nehmen darf. Derzeit dürfen das in Deutschland nur 382 Patienten. Dass das Institut den Antrag von Kreuzberg genehmigt, halten viele Experten für unwahrscheinlich.

Insgesamt greifen aber 2,9 Millionen Menschen laut Drogenbericht der Bundesregierung gelegentlich zu Joints. Cannabis ist damit die Nummer eins unter den verbotenen Drogen im Land.

In Deutschland erlaubte ein Verwaltungsgericht jüngst drei Patienten den Anbau von Cannabis zur Schmerzbekämpfung. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet derzeit an einer Regelung, Cannabis als Schmerzmittel für Patienten zuzulassen, die etwa Multiple Sklerose haben.

Die Grünen bringen in wenigen Tagen den Entwurf eines „Cannabiskontrollgesetzes“ in den Bundestag ein. Ziel ist die Freigabe von Cannabis unter strengen Auflagen und nur für Erwachsene.
In den US-Bundesstaaten Colorado und Washington dürfen Menschen ab 21 Jahren seit vergangenem Jahr Marihuana kaufen und konsumieren. (dpa)