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Lehrermangel: Berlin sucht Grundschullehrer – auch in Österreich und den Niederlanden

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In Berlin fehlen Grundschullehrer.

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imago/Stefan Noebel-Heise

Wegen des eklatanten Mangels an Grundschullehrern will Berlin künftig auch in Österreich und in der niederländischen Grenzregion um Nachwuchs-Pädagogen werben. „Ja, es gibt solche Überlegungen, wir wollen über den Tellerrand hinausschauen“, bestätigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) auf Anfrage. Gedacht sei etwa an Anzeigen in regionalen Print- oder Onlinemedien, hieß es weiter.

Jeder vierte ein Quereinsteiger

Scheeres reagiert damit auf den Lehrermangel, der gerade bei der Einstellungsrunde für das zweite Schulhalbjahr Anfang Februar offenkundig geworden ist. Von den 344 neu eingestellten Grundschullehrern war laut Verwaltung fast jeder vierte ein sogenannter Quereinsteiger, genauer gesagt: 23 Prozent der frisch eingestellten Grundschullehrer haben keine volle pädagogische Ausbildung, sondern müssen erst noch berufsbegleitend studieren, während sie schon unterrichten. Darüber hinaus wurden viele Studienräte, die für das Gymnasium ausgebildet worden sind, nun als Grundschullehrer engagiert. Personalräte berichten, dass unter den Neuen nur etwa jeder Dritte ein ausgebildeter Grundschullehrer sei.

In den nächsten Jahren wird das Personalproblem noch größer: Angesichts steigender Schülerzahlen, vieler Pensionierungen und der hohen Zahl von Flüchtlingskindern werden mehr Lehrer und Erzieher benötigt als ursprünglich berechnet. Im März will die Bildungsverwaltung den überarbeiteten Lehrerbedarf vorlegen. Gerade Grundschullehrer gibt es zu wenig, weil Berlin über Jahre nicht genug Studienplätze bereit stellte und Grundschullehrer monatlich 500 Euro brutto weniger verdienen als Studienräte an Gymnasien. Zudem verbeamtet Berlin anders als die meisten anderen Bundesländer Lehrer nicht mehr.

„Revierwechsel gefällig? Kohle gibt’s auch bei uns“

Bereits im vergangenen Jahr warb Berlin gezielt in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg um Nachwuchslehrer. „Revierwechsel gefällig? Kohle gibt’s auch bei uns“, so warb der Senat etwa auf Plakaten um Lehrer-Nachwuchs aus dem Ruhrgebiet. Nun wolle man das Rekrutierungsgebiet auf ganz Deutschland, Österreich und die niederländische Grenzregion ausweiten, wo viele auch gut Deutsch sprechen. Überlegungen, auch in der Schweiz um Lehrer zu werben, habe man aber verworfen, hieß es in der Verwaltung. Schweizer seien einfach ein höheres Lohnniveau gewohnt.

Senatorin Scheeres plant noch weitere Maßnahmen, gerade an Grundschulen, wo sogar viele Schulleitungsstellen unbesetzt sind. So sollen künftig auch Quereinsteiger, die kein Mangelfach studiert haben, unbefristet übernommen werden. Voraussetzung: Sie müssen ein halbes Jahr als Vertretungslehrer und in einer Willkommensklasse erfolgreich gearbeitet haben. Widerspruch kommt vom Koalitionspartner CDU: „Es ist fatal, jeden Quereinsteiger unbefristet zu übernehmen“, sagte CDU-Schulpolitikerin Hildegard Bentele. Nicht jeder bewähre sich.

Scheeres will zudem auch Pensionäre reaktivieren und Teilzeitkräfte bewegen, mehr zu arbeiten. Gymnasiallehrer sollen verstärkt in Kooperationsstunden an Grundschulen unterrichten. Die Anzahl der Studienplätze für Grundschulpädagogik soll auf 600 verdoppelt, die Studienabbrecherquote hingegen verringert werden.

Auch Brandenburg wirbt inzwischen gezielt um in Polen ausgebildete Lehrkräfte. Da dort wie auch in Österreich Lehrer nur ein Fach studieren, müssen die Polen als Seiteneinsteiger berufsbegleitend noch ein Zusatzstudium machen. Bereits mehr als 40 aus Polen stammende Lehrer habe man gewinnen können, hieß es im Potsdamer Bildungsministerium.


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