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Leihladen: Teil dich glücklich

Nikolai Wolfert ist stolz auf seinen Leihladen Leila. Diesen Sonnabend steigt eine Party zum ersten Geburtstag.

Nikolai Wolfert ist stolz auf seinen Leihladen Leila. Diesen Sonnabend steigt eine Party zum ersten Geburtstag.

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Paulus Ponizak

Berlin -

Teilen macht glücklich“, sagt Nikolai Wolfert. Wenn das stimmt, müsste Nikolai Wolfert der glücklichste Mensch Berlins sein, denn er teilt nicht nur selbst, sondern regt viele Menschen dazu an, es ihm gleich zu tun. Wolfert ist der Erfinder des ersten Leihladen Berlins, dem „Leila“ in Prenzlauer Berg. Hier können Mitglieder ihr Hab und Gut teilen – vom Reiskocher übers Puppenhaus bis zum Rasenmäher.

Die Idee zum Leihladen kam Wolfert während seines Soziologiestudiums, als er noch im Umsonstladen der Technischen Universität arbeitete: „Die besten Sachen sind dort schnell wieder weg. Ich wollte aber, dass die besten Sachen allen zur Verfügung stehen“, sagt er.

Das „Leila“-Prinzip ist einfach erklärt: Um die 14.000 Dinge sind im Umlauf. Wer nur einen einzigen Gegenstand zum Verleihen vorbeibringt, kann Mitglied werden und so viel mit nach Hause nehmen, wie er will; ein Lastenfahrrad steht für den Transport zur Verfügung. Nur bei besonders teuren Gegenständen wird ein Pfand verlangt.

Die Leihfrist hängt vom Gegenstand ab. Teller werden nur für kurze Zeit verliehen, zum Beispiel für eine Party am Wochenende. Ein Wickeltisch darf auch schon mal ein Jahr oder länger beim Zwischennutzer bleiben. Der Mitgliedsbeitrag ist freiwillig und kann zwischen 50 Cent und ein paar Euro liegen. Bei aktuell 300 Mitgliedern kriegt der Leihladen die Miete so gerade wieder rein.

Weg von der Wegwerfgesellschaft

Außerdem wünscht sich das ehrenamtliche Organisationsteam, dass die Mitglieder zwei Stunden im Jahr im Laden helfen: Gegenstände sortieren, beschriften und fotografieren, um sie ins Netz zu stellen. Auf der Internetseite kann man von zu Hause aus sehen, ob das Mikroskop zur Verfügung steht oder dass der Kleingarten mit Kartoffelacker immer noch verliehen ist. Selbst eine Wunschliste ist online. Wer noch einen Raumtrenner oder ein Playstation-Kabel übrig hat, darf diese Dinge auch gerne spenden.

„Die Leute können hier einen Smoothie-Mixer leihen und dann erstmal herausfinden, ob sie ihn tatsächlich so viel nutzen, wie sie denken“, sagt Maike Majewski, die den Laden zusammen mit Nikolai Wolfert gegründet hat. Den beiden geht es darum, von der Wegwerfgesellschaft wegzukommen und im Hinblick auf Ressourcenknappheit und den Umwelt-Gedanken einen kleinen Schritt in Richtung anderes Miteinander zu gehen.

„Ich habe einen 14-jährigen Sohn und konnte mitverfolgen, aus wie viel Spielzeug Kinder herauswachsen. Da kommt man mit dem Verschenken gar nicht hinterher,“ sagt Majewski. Tatsächlich kommen auch öfter Kinder in den Laden, bringen Hockeyschläger vom Bruder oder holen sich selbst ein Paar Inline-Skates. Wenn es gut läuft, gehen hier 30 bis 40 Leute an einem Nachmittag ein und aus.

Wieso Teilen nachhaltig ist, zeigt sich besonders gut am Bohrmaschinen-Beispiel: Obwohl eine Bohrmaschine stundenlang Löcher bohren könnte, wird sie im Schnitt nur 13 Minuten genutzt, bevor sie kaputt geht. Durch die lange Lagerzeit verschleißen ihre Bestandteile. Statt dabei zu helfen, Bilder anzubringen, liegt sie umsonst in der Garage oder im Keller. „Wenn mehrere Menschen eine Bohrmaschine teilen, geht sie natürlich auch irgendwann kaputt, kommt aber mehr zum Einsatz. Das schont sowohl die Ressourcen als auch den Geldbeutel“, sagt Wolfert.

Die Idee zum Leihladen entspringt dem aktuellen Zeitgeist. Shareconomy ist nicht erst sein der diesjährigen Messe Cebit ein Trend. Nutzen statt besitzen heißt das neue ökonomische Prinzip. Autos, Wohnungen, Gärten, selbst Haustiere wechseln zwischen den gemeinschaftlichen Besitzern hin und her.

Im Leihladen sind es die alltäglichen Dinge des Lebens, die geteilt werden können. Als besonders geeignet haben sich Werkzeuge, Spielsachen, Babyzubehör und Küchengeräte herausgestellt. „Im Schnitt besitzen wir 10 000 Dinge pro Haushalt. Es sollte sich jeder fragen: Wie viele davon benutze ich täglich, wöchentlich, monatlich“, sagt Wolfert und rät den Berlinern zum Entrümpeln. Auf keinen Fall sollten „Leila“-Interessenten mit dem Auto anreisen: „Das wäre aus ökologischer Sicht sinnlos. Deswegen wünsche ich mir auch, dass Leila Nachahmer in anderen Kiezen Berlins findet.“

Eine Wiener „Leila“ gibt es schon durch seine Unterstützung. Vielleicht finden sich am Samstag noch Interessenten zur Gründung eines zweiten Berliner Ladens. Denn „Leila“ wird ein Jahr alt und feiert das ab 14 Uhr mit bosnisch-brasilianischem Essen, Tanz und Gesang.

Leila:

Fehrbelliner Str. 92,

Mo-Do 15-19, Fr 15-18 Uhr, Jubiläum Sa 8.6., 14 Uhr

Mehr Informationen finden Sie unterwww.leila-berlin.de


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