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Leipziger Platz: Ein Buddelkasten in XXL

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Riesenbaustelle an  der Leipziger Straße.
Riesenbaustelle an der Leipziger Straße.
Foto: Christian Schulz
Berlin –  

Berlins größte Baugrube befindet sich am Leipziger Platz. Hier entsteht bis zum Jahr 2014 ein neues Stadtquartier. Dem Projekt kommt städtebaulich eine besondere Funktion zu, weil mit ihm eine attraktive Verbindung zwischen Potsdamer Platz und Friedrichstraße geschaffen wird.

Motoren dröhnen, Bagger schaufeln Sand aus der Erde, Arbeiter stapfen durch den Morast. Und mittendrin steht sichtlich zufrieden Andreas Fettchenhauer. Der 38-Jährige ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Leipziger Platz 12. Die Arge baut auf dem Grundstück des früheren Kaufhauses Wertheim ein neues Stadtquartier. Mit Shoppingcenter, einem Hotel, Restaurants, Wohnungen und Büros. 500 Millionen Euro lässt sich der Investor Harald G. Huth („Gropiuspassagen“, „Das Schloss“) das Ganze kosten. Es ist das größte private Bauvorhaben in der City.

Bevor aber der Beton fließen kann, muss zunächst die Baugrube ausgehoben werden. Und das ist eine gigantische Aufgabe. Denn das Baugrundstück ist 20.600 Quadratmeter groß. Das entspricht etwa der Fläche von drei Fußballfeldern. Entsprechend groß ist auch die Baugrube: rund 200 Meter lang, 100 Meter breit und 20 Meter tief. Ein gigantischer Buddelkasten mitten in Berlin, aus dem 280.000 Kubikmeter Erde gebaggert und abtransportiert werden müssen. „Das sind 28.000 Lkw-Ladungen“, sagt Fettchenhauer. Hintereinander aufgereiht würden die Lastkraftwagen ungefähr eine Strecke von Berlin bis München ergeben. Jeden Tag rollen etwa 200 Lkw von der Baustelle. Der Bodenaushub ist jetzt fast geschafft. „Wir stehen kurz vor Beendigung der Tiefbauarbeiten“, sagt Fettchenhauer.

Tunnel um den Tunnel

Historisches Achteck

Das Bauprojekt entsteht an der nordöstlichen Seite des Leipziger Platzes, der nach historischem Vorbild als Achteck wieder aufgebaut wird. Zwischen Bundesrat und Voßstraße ist eine Passage geplant.

Zum neuen Quartier gehören ein Shoppingcenter mit 50.000 Quadratmetern Fläche auf insgesamt vier Etagen. Außerdem entstehen ein Hotel, Wohnungen, Restaurants und Büros. Eine Tiefgarage bietet Platz für 800 Fahrzeuge.

Die Berliner können den Fortgang der Arbeiten verfolgen, vom Oberdeck der Buslinien M 48 und 200, die durch die Leipziger Straße fahren. Neben der Straße klafft gut sichtbar das riesige Loch.

Das neue Stadtquartier am Leipziger Platz wird in drei getrennten Baugruben errichtet. Das Problem: Das Grundwasser steht hier schon in einer Tiefe von drei Metern. Um zu verhindern, dass die Baugruben voll Wasser laufen, wird das Grundwasser während der Bauphase abgesenkt. Für festen Halt im Untergrund sorgen rund 2000 Stahlpfähle, auf denen die Neubauten errichtet werden. Zurzeit werden die Pfähle in den Baugrund eingebracht. Bis zu 16 Meter ragen sie in die Tiefe. Die Seitenwände der Baugrube werden mit 1260 schräg verlaufenden Ankern gesichert. Die meisten Pfähle und Anker sind bereits im Erdreich, sagt Fettchenhauer.

Das ist Andreas Fettchenhauer (38), der Arge-Chef.
Das ist Andreas Fettchenhauer (38), der Arge-Chef.
Foto: Christian Schulz

Eine der größten Herausforderungen für die Bauarbeiter ist, dass quer über das Grundstück ein 125 Meter langer Tunnel der U-Bahn-Linie 2 verläuft – und zwar die Röhre zwischen den Stationen Potsdamer Platz und Mohrenstraße. „Wir wollten den Tunnel ja abreißen und neu bauen“, sagt Fettchenhauer. Aber die Politik habe sich dagegen entschieden. So habe man den U-Bahn-Tunnel an Ort und Stelle belassen und mit einem weiteren Tunnel umbaut. Sollte die U-Bahn-Röhre später einmal saniert werden, müsste dies von innen passieren. Über einem Teil des U-Bahn-Tunnels werden künftig die Besucher des Shoppingcenters flanieren. Während der Bauarbeiten geht der Betrieb auf der U 2 weiter. Messgeräte wachen darüber, dass es zu keinen gefährlichen Erschütterungen kommt. „Wir setzen dabei Technik fast wie auf einer Intensivstation ein“, sagt Fettchenhauer.

"Viele alte Gemäuer vom Wertheim-Grundstück gefunden"

Beim Aushub der Baugrube seien „viele alte Gemäuer vom Wertheim-Grundstück“ gefunden worden, berichtet der Arge-Chef. Darunter viele Stahlträger. Die meisten habe man entfernen können, doch einige seien „unerbittlich“ gewesen, wie die Sprecherin der Arge, Ursula Pauen-Höppner sagt. Diese Träger werden nun in den Neubau integriert.

200 Bauleute sind zurzeit auf der Baustelle tätig. Später werden es bis zu 2000 sein. Die Arbeiten sind nach Angaben von Harald G. Huth im Zeitplan. Schon im kommenden Jahr soll das Shoppingcenter fertig werden. Die übrigen Bauten sollen dann bis zum Frühjahr 2014 folgen. Das ehemalige Wertheim-Grundstück ist die letzte große Brache am Leipziger Platz, die bebaut wird. Dem Projekt kommt städtebaulich eine besondere Funktion zu, weil mit ihm eine attraktive Verbindung zwischen Potsdamer Platz und Friedrichstraße geschaffen wird.

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