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Lernmittelbefreiung: Jeder dritte Berliner Schüler arm

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dpa

In Mitte und Neukölln stammt mehr als die Hälfte der Schüler aus Familien, die auf Sozialtransfers angewiesen sind. In ganz Berlin trifft das auf immerhin jeden dritten Schüler zu. Eltern dieser Schüler müssen die pro Schuljahr anfallenden 100 Euro für Schulbücher nicht zahlen. Das übernimmt der Bezirk, der sich das Geld dann vom Land Berlin wiederholt. Diese Zahlen teilte die Bildungsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Politikers Özcan Mutlu hin mit. Jene Zahlen werden jährlich am Anfang des Schuljahres von den Schulen selbst erfasst und dann ohne Namensnennung an die Verwaltung weitergeleitet. Von der Zuzahlung zu den Lernmitteln ist befreit, wenn die Eltern Hartz IV, Arbeitslosengeld, Wohngeld oder weitere Sozialtransfers beziehen. Die geringste Quote hat Steglitz-Zehlendorf, wo die Befreiung nur für gut 11 Prozent der Schüler gilt.

Besonders häufig sind Grundschüler von der Lernmittelzuzahlung befreit, denn dort sind die Eltern noch vergleichsweise jung und haben besonders oft noch keinen festen Beruf. Seit 2006 ist der Anteil dieser armen Familien um drei Prozentpunkte angestiegen. In den Jahresvergleichen zeigt sich klar, dass die Bezirke der Hauptstadt sozial auseinanderdriften. So stieg der Anteil der armen Schüler besonders in Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf, aber auch in Neukölln und Mitte deutlich an, wohingegen er andernorts stabil blieb und in Pankow sogar sank. In der Schulverwaltung spielt der Anteil der Lernmittelbefreiten – schulbürokratisches Kürzel „lmb“– eine wichtige Rolle. Liegt der Anteil dieser Schüler bei über 40 Prozent, erhält die Schule zusätzliche Lehrerstunden. Damit sollen die vermuteten Defizite des Elternhauses ein Stück weit ausgeglichen werden. Für Lernmittel, also für Schulbücher, Arbeitshefte und Lektüren stellte Berlin im vergangenen Schuljahr 11,7 Millionen Euro zur Verfügung – nach einer festen Quote.

Hinzu kamen 21,9 Millionen Euro für Lehrmittel. Das sind Materialien zur Vermittlung von Wissen, wie Whiteboards, PCs, Tafeln, Musik- und Sportgeräte oder naturwissenschaftliches Instrumente. Zuletzt gab es im Unterausschuss Bezirke des Abgeordnetenhauses Hinweise, dass das Geld nicht immer vor Ort an den Schulen ankommt. „Der Senat überlässt die Umsetzung einfach den Bezirken“, kritisiert Grünen-Politiker Mutlu.