Die Karlshorster müssen sich möglicherweise auf anhaltende Verkehrs-Strapazen einrichten. Die Großbaustelle am S-Bahnhof Karlshorst könnte deutlich länger bestehen bleiben als bislang geplant. Der Grund: Mit einem Gutachten lässt die Senatsverkehrsverwaltung die schon vor einem Jahr beschlossenen Pläne der BVG zur Führung der Straßenbahntrasse unter der Brücke überprüfen. Sollten die ursprünglichen Pläne verworfen werden, müssten mehrere Einzelvorhaben völlig neu geplant werden – was zu Verzögerungen beim Bau führen könnte.
Am S-Bahnhof Karlshorst bauen gleich mehrere Beteiligte. Seit Anfang 2012 errichtet die Deutsche Bahn eine neue Brücke für die Züge, und bei dieser Gelegenheit wird auch gleich die Brückendurchfahrt verbreitet. Dadurch verschwindet das Nadelöhr, das Autos und Straßenbahnen auf der stark befahrenen Strecke bislang auf zwei Spuren unter der Brücke hindurch zwang. Nun erhält die Tram unter der Brücke ein eigenes Gleisbett, die Fahrzeuge erhalten zwei Fahrspuren in jede Richtung. Und die Wasserbetriebe nutzen die Bauarbeiten, um diverse Leitungen zu erneuern. Bis 2016 sollte das Mammutprojekt fertig sein – wenn nichts dazwischen kommt.
Doch das ist nun geschehen – und der Bezirk Lichtenberg ist sauer auf den Senat. Der Verlauf der Straßenbahngleise unter der Brücke habe die BVG bereits 2011 mit Anwohnern und Bezirk abgestimmt, kritisiert Lichtenbergs Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU): „Um festzustellen, dass das noch einmal überprüft werden muss, hätte nicht so viel Zeit vergehen müssen.“ Sollte das neuerliche Gutachten zu dem Schluss kommen, dass umgeplant werden muss, würden sich die Bauarbeiten um mehr als ein Jahr verzögern. „Das ist wirklich ärgerlich“, sagt Nünthel. „Das kann ich den Anwohnern nicht plausibel erklären.“ Die Treskowallee ist eine der meistbefahrenen Verbindungen im Ostteil der Stadt von Nord nach Süd, täglich passieren mehr als 39 000 Fahrzeuge die Straße.
Daniela Augenstein, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, verteidigt die Entscheidung, die Pläne noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. „Wir haben den Eindruck, dass die jetzt favorisierte Lösung sehr kompliziert ist.“ Die Bauarbeiten seien sehr komplex, darum sei es sinnvoll, alles nochmals abzustimmen. Die Ergebnisse sollen noch im Januar dem Bezirk Lichtenberg zur Kenntnis gegeben werden.
Geplant wird seit 2004
Von einer möglichen Umplanung der Gleisführung wären auch die Wasserbetriebe betroffen – sie wollen auf etwa 300 Meter Länge einen Regenwasserkanal erneuern, der unter der Treskowallee verläuft. „Wir warten auf den Startschuss“, sagt Unternehmenssprecher Stephan Natz. Loslegen könne man aber erst dann, wenn der genaue Verlauf der Straßenbahntrasse feststehe. „Der Kanal darf nicht unter den Straßenbahngleisen verlaufen, um im Notfall besser an sie herankommen zu können“, so Natz. Etwa ein Jahr sollen die Bauarbeiten der Wasserbetriebe dauern, eine mögliche Verzögerung wäre laut Natz „verschmerzbar“: „Wir sind froh, dass es überhaupt losgegangen ist.“ Schließlich habe die Planung für die Großbaustelle 2004 begonnen.
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