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Linke in Berlin streitet über Olympia : Klaus Lederer: „Was Gregor Gysi will, ist unrealistisch“

Klaus Lederer ist gegen Olympia.

Klaus Lederer ist gegen Olympia.

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dpa/Britta Pedersen

Für Gregor Gysi kam die Belehrung zu spät. Gerade hat die Linksfraktion im Abgeordnetenhaus ein doppelseitig bedrucktes Flugblatt herausgegeben, auf dem sie ihre Argumente gegen eine mögliche Olympia-Bewerbung Berlins zusammengetragen hat – seltsamerweise mit einem sehr schönen Panoramabild des Olympiastadions illustriert. Dass Olympia fürchterlich teuer werden könnte, steht in dem Text, dass Berlin andere Dinge viel nötiger hätte, und dass der Senat mit der möglichen Bewerbung – am 21. März entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund, ob Berlin oder Hamburg deutsche Kandidatenstadt für die Sommerspiele 2024 wird – nur davon ablenken wolle, dass er schlecht regiert.

Aber all das erreichte Gysi nicht mehr. Am Freitag sprach sich der Vorsitzende der Linke-Bundestagsfraktion im Interview mit der Berliner Zeitung für Berlin als Olympia-Stadt aus – und stieß damit seine Parteifreunde vor den Kopf. Schließlich hat sich die Linke als einzige Fraktion im Abgeordnetenhaus klar gegen Olympia positioniert. Sie zählt sogar zu den Unterstützern des Nolympia-Bündnisses.

Linke-Landeschef Klaus Lederer warf Gysi mangelnden Realitätssinn vor. „Die Spiele, die er sich wünscht, sind nicht realisierbar“, sagte er der Berliner Zeitung. Gysi hatte sich für eine Bewerbung unter der Bedingung ausgesprochen, dass sie bescheidener als bisher ausfallen und entkommerzialisiert werde.

„Das Internationale Olympische Komitee hat eine kommerzielle Grundstruktur“, erklärt dagegen Lederer. Daran werde sich auch durch die Reformbemühungen von IOC-Präsident Thomas Bach nichts ändern, und Berlin müsse sich diesen Prinzipien unterwerfen, wenn es sich bewerbe. „Ich glaube nicht daran, dass Bewerberstädte die Reform des IOC beeinflussen können.“

Auch Gysis Argument, dass eine erneute Ausrichtung der Sommerspiele in Berlin die Bilder von Olympia 1936 mit Adolf Hitler auf der Tribüne verdrängen könne, zählt für Lederer nicht. Berlin solle sich lieber weiter darum bemühen, weltoffener zu werden und seinen Ruf zu verbessern.

Seinen prominenten Parteifreund rüffeln wollte Lederer aber nicht. „Wir leben in einem freien Land, und jeder soll sagen, was ihn bewegt“, sagte Lederer. Ihm sei bewusst, dass es in seiner Partei unterschiedliche Ansichten zu Olympia gebe. Auf dem vorigen Parteitag der Linken im vergangenen November war Olympia kein Thema, dementsprechend hat sich die Parteibasis auch noch nicht geäußert. Lediglich der Landesvorstand verabschiedete im September ein entsprechendes Positionspapier, das zuvor im rund 60-köpfigen Landesausschuss diskutiert worden war. Klickt man sich auf der Homepage des Landesverbands zu den „Positionen“ durch, taucht das Thema Olympia gar nicht auf.

Gregor Gysi zumindest weiß jetzt über die offizielle Position seines Landesverbands Bescheid. Am Freitag verbreitete die Linke Berlin über den Kurznachrichtendienst Twitter ein Foto von einem Brief, der an ihn adressiert war. Inhalt: ein großer Stapel der neuen Flugblätter.



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