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Berliner Zeitung | Lokführer-Streik in Berlin: Der nächste Streik soll noch länger dauern als vier Tage
05. November 2014
http://www.berliner-zeitung.de/523408
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Lokführer-Streik in Berlin: Der nächste Streik soll noch länger dauern als vier Tage

Nach dem Marathon-Streik der Bahn könnte noch ein längerer drohen.

Nach dem Marathon-Streik der Bahn könnte noch ein längerer drohen.

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dpa

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat Kritik an der Dauer des Streiks zurückgewiesen. "Wir müssen so reagieren, weil die bisherigen Aktionen nicht zum Erfolg geführt haben", sagte der Vorsitzende des GDL-Bezirks Berlin-Sachsen-Brandenburg, Frank Nachtigall, am Mittwochmorgen der Berliner Zeitung. "Wir haben stets angekündigt, dass jeder Streik länger dauern wird als der vorangegangene. In diesem Fall war allerdings die Ankündigungsfrist länger, damit sich die Fahrgäste besser vorbereiten können."

Auf die Frage, ob sich die GDL nicht zum Buhmann der Fahrgäste mache, sagte der GDL-Bezirksvorsitzende: "Das versucht man schon seit Beginn dieser Auseinandersetzung so darzustellen. Ich kann dazu nur sagen: Wenn ich mit Fahrgästen spreche, stellt sich das oft anders dar. Ich stelle fest, dass ein Großteil der Bahnkunden Verständnis für uns hat. Ich höre auch Lob wie 'Ihr seid eine Gewerkschaft, die sich ernsthaft für die Interessen ihrer Mitglieder einsetzt.'"

Die GDL-Ortsgruppe S-Bahn Berlin beklagt, dass Bekanntmachungen, die sie im Betrieb anbringt oder auslegt, verschwinden. Von anderen Anfeindungen habe er allerdings keine Kenntnis, sagte Nachtigall. "Es ist nicht akzeptabel, wenn Infoblätter verschwinden. Aber Anfeindungen von anderen Eisenbahnern gibt es nach meiner Kenntnis nicht, obwohl auch das immer von außen kolportiert wird. Wir sind für eine ernsthafte Auseinandersetzung und wir sind dafür, Regeln einzuhalten."

In letzter Zeit war zu hören, dass sich innerhalb der GDL eine Oppositionsgruppe gebildet hat, die den Bundesvorsitzenden Claus Weselsky offen kritisiert. Nachtigall sagte dazu: "Also, wenn ich das höre, kann ich nur müde lächeln. Wenn es eine Handvoll Funktionäre im Ruhestand gibt, die sich zu Wort melden wollen, dann sollen sie das tun. Wir streiken auch in Berlin und Brandenburg nicht deshalb, weil Herr Weselsky ein toller Typ ist, sondern weil unsere Anliegen berechtigt sind."

Wenn auch die nun beginnende Arbeitsniederlegung keinen Erfolg bringt, werde der nächste Streik aller Voraussicht nach noch länger sein. Der GDL-Bezirksvorsitzende: "Den Begriff Eskalation mag ich nicht, er ist auch nicht angebracht. Es ist allerdings im Bereich des Möglichen, dass die nächste Aktion für eine noch längere Zeit angesetzt wird."

Lokführerstreik könnte auch Bahn-Konkurrenten treffen

Unter dem viertägigen Streik der Lokführer bei der Deutschen Bahn leiden wahrscheinlich auch Kunden der Bahn-Konkurrenz in Berlin und Brandenburg. „Es kann nicht vermieden werden, dass bestreikte Züge der Deutschen Bahn Gleise blockieren“, hieß es am Mittwoch bei der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft in Berlin. Das könne zu Unregelmäßigkeiten führen, auch wenn die Odeg selbst nicht bestreikt wird. Ähnlich äußerte sich die Niederbarnimer Eisenbahn. (mit dpa)