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Lollapalooza: Bezirk ignoriert Protest gegen Treptower Park

Open-Air-Rave im August 2010 im Treptower Park

Open-Air-Rave im August 2010 im Treptower Park.

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Benjamin Pritzkuleit

Berlin -

Es dauerte keinen Tag, da waren schon mehr als 1000 Protestunterschriften zusammen gekommen. Das Vorhaben, das diesjährige Lollapalooza-Festival im September im Treptower Park zu veranstalten, hat ganz offensichtlich viele Gegner. Auf der Internet-Plattform change.org protestieren sie gegen das Großevent im Park, zu dem der Veranstalter 45 000 Besucher erwartet.

Kartenverkauf hat schon begonnen

Das Festival, das es seit 25 Jahren gibt und das zu den populärsten Musik-Veranstaltungen in den USA zählt, hat voriges Jahr erstmals in Berlin stattgefunden, auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof tanzten Zehntausende. Weil in den Hangars jetzt aber Flüchtlinge wohnen, wurde ein Ausweichstandort gesucht. Man fand ihn im Treptower Park. Musikgrößen wie Radiohead, Kings of Leon oder New Order werden angekündigt. Der Kartenverkauf hat bereits begonnen.

Die meisten derer, die gegen das Rockevent im Park sind, befürchten nachhaltige Schäden für die dortige Tier- und Pflanzenwelt. „Wer auch immer das absegnen möchte, war noch nie bei einem Festival und wohnt vermutlich nicht so nah am Park, sonst würde er wissen, was das für den Ort bedeutet“, heißt es in einem Kommentar, der für viele steht.

Der internationale Easyjet-Set habe die Innenstadt schon zum Disneyland gemacht, es bedürfe nicht der Zerstörung weiterer öffentlicher Flächen, vor allen nicht von Naturflächen, die zudem denkmalgeschützt sind.

Seit Jahren wird im Park saniert

Seit Jahren schon wird das Gartendenkmal Treptower Park saniert. Die Anlage, die im 19. Jahrhundert als Naherholungsort für die Menschen in der auch damals wachsenden Stadt geschaffen wurde, wird restauriert. Historische Wegeverbindungen werden wieder hergestellt, Spezialgärten, in denen Rosen, Sommerblumen oder Heidepflanzen wachsen, neu gestaltet. Auch Liegeplätze für Sportboote entstehen. Insgesamt gut 13,5 Millionen Euro kosten die Arbeiten, die zum Jahresende abgeschlossen sein sollen. Weil der Park ein Denkmal ist, gelten Restriktionen. Feste werden kaum gestattet, und es gibt keine Grillwiese, die Verbote werden streng kontrolliert.

Nachbarschaftsverein gegen Festival

Auch der Nachbarschaftsverein aus dem nahe gelegenen Karl-Kunger-Kiez hat sich der Protest-Petition angeschlossen. „Es wird keine kleine Veranstaltung, und wer erlebt hat, was vor zehn Jahren los war, nach dem Popkick-Festival zur Fußball-WM, weiß, wovon die Rede ist“, sagt Katrin Wegner von der Karlkunger-Initiative. Vor zehn Jahren hatten insgesamt rund 200.000 Menschen vier Wochen auf der großen Wiese im Park gefeiert. Die Schäden hielten sich danach in Grenzen, wie es im Bezirksamt heißt. Ein kleiner Teil der Liegewiese musste aufgefräst und erneuert werden, der Rest wurde belüftet, das reichte.

„Alle zehn Jahre kann der Treptower Park ein Groß-Event verkraften“, sagt der Bürgermeister von Treptow-Köpenick Oliver Igel (SPD). Noch gebe es keinen Vertrag, aber: „Ich gehe aber davon aus, dass das Festival dort möglich ist.“ Der Bezirk helfe damit auch dem Senat aus der Patsche, denn der Veranstalter hatte einen Vertrag für sein Festival in Tempelhof. Um Schadensersatzklagen zu vermeiden, habe man nach Alternativflächen für das international bekannte Festival gesucht. Igel: „Wir werden den Veranstalter für alle Schäden haftbar machen, damit ist er auch einverstanden.“

Demnächst im Plänterwald?

Der Musikveranstalter Jacob Bilabel, der die Initiative Green Music gegründet hat, die Wert auf Nachhaltigkeit legt, hält den Park generell für geeignet. „Man muss aber dafür sorgen, dass es strenge Auflagen für den Naturschutz gibt“, sagt er. Bilabel selbst hat weniger gute Erfahrungen mit dem Treptower Park gemacht. Sein Open-Air-Rave, zu dem er im August 2010 dorthin eingeladen hatte, wurde abrupt vom Ordnungsamt beendet – die Veranstaltung war nicht angemeldet. Bilabel hofft, dass Events bald auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Treptower Park stattfinden können. Er sagt: „Was wäre besser als ein Rave unterm Riesenrad im Spreepark im Plänterwald!“