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Mädchen zu Tode gequält: 27-Jähriger muss wegen Mord an Lilly lebenslang ins Gefängnis

Die kleine Lilly aus Strausberg wurde von ihrem Stiefvater Christian Ole E. im Dezember 2013 schwer misshandelt und starb kurz darauf im Krankenhaus.

Die kleine Lilly aus Strausberg wurde von ihrem Stiefvater Christian Ole E. im Dezember 2013 schwer misshandelt und starb kurz darauf im Krankenhaus.

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Privat

Frankfurt an der Oder -

Enrico Giese sagt an diesem Mittwochmittag, er fühle sich schlecht. Trotz des Sieges vor dem Landgericht in Frankfurt (Oder). „Das Urteil bringt mir meine Tochter nicht wieder“, sagt der 32-Jährige.

Giese ist Vater der kleinen Lilly aus Strausberg. Das Mädchen war noch nicht einmal zwei Jahre alt, als es von ihrem Stiefvater zu Tode misshandelt worden war. Und Giese ist Nebenkläger. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte auf seine Revision hin das erste Urteil wegen Totschlags gegen den Stiefvater aufgehoben, der Schuldspruch war dem BGH zu mild. Am Mittwoch erging nun das neue Urteil. Christian Ole E. muss wegen Mordes lebenslang hinter Gitter. Zudem erkannten die Richter die besondere Schwere der Schuld an.

Damit kann der 27-Jährige nach 15 Jahren nicht auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen werden. Lilly starb am Abend des 10. Dezember 2013. Ihr Stiefvater hatte das schlafende Kleinkind aus dem Bett gezerrt, weil es am Tag ohne seine Erlaubnis geweint hatte. Er hatte Lilly mit kurzen Unterbrechungen über eine Stunde lang geschüttelt, geprügelt, getreten, auf den Kopf fallen lassen und kalt abgeduscht.

Kind zum Objekt der Aggressionen gemacht

Der Vorsitzende Richter Frank Tscheslog sagte am Mittwoch in der Urteilsbegründung, es sei ohne Zweifel ein Mord aus niedrigen Beweggründen gewesen. Der Angeklagte habe das Mädchen zum bloßen Objekt seiner Aggressionen gemacht, ohne dass das Kind einen Anlass gegeben habe. „Außer dass es schlicht existierte“, sagte der Richter. Christian Ole E. sei ein herrschsüchtiger Mensch, und Lilly habe keine Chance gehabt, diesem Herrschaftswillen zu genügen. „Sie war einfach zu klein.“

Auch wenn das Gericht dem Angeklagten keine weiteren Mordmerkmale wie etwa Grausamkeit oder Mordlust im juristischen Sinne habe nachweisen können, so sehe das Gericht doch die besondere Schwere der Schuld. „Es ist besonders verachtenswert, ein knapp zwei Jahre altes Mädchen zu töten, das sich nicht wehren kann, aber auch schon alles mitbekommt“, erklärte Tscheslog. Zudem habe der Angeklagte außergewöhnlich brutal und menschenverachtend gehandelt. Lilly starb drei Tage nach ihrem Martyrium auf der Intensivstation einer Klinik.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kündigte an, in Revision zu gehen. „Das Gericht hat exakt dieselben Feststellungen getroffen, wie in der ersten Instanz“, sagte Anwalt Jens Mader. Es sei aber zu einem ganz anderen Urteil gekommen. Die Tat seines Mandanten sei keine geplante Tötung gewesen, sondern die Tat eines völlig überforderten jungen Mannes.

Rechtsanwalt Dierk Heyse, der im Prozess Lillys Vater vertritt, zeigte sich zuversichtlich. „Ich denke, das Urteil wird Bestand haben.“



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