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Maison de France: Ein Stück Frankreich verschwindet

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Das Maison de France am Kurfürstendamm soll bis 2015 schließen. Gegen den Plan gibt es Proteste: Das Maison de France gilt als d i e Kulturadresse Frankreichs in der deutschen Hauptstadt.

Erst im Januar wurde groß gefeiert anlässlich des 50. Jahrestages des Élysée-Vertrages, nun soll das Maison de France am Kurfürstendamm 211 geschlossen werden. „Damit würde ein Stück Frankreich in Berlin verschwinden“, befürchtet Sonia Simmenauer. Die Französin unterhält in dem geschichtsträchtigen Haus am Boulevard eine Künstleragentur, seit 2012 ist sie dort Mieterin. Am Montagnachmittag wurde sie von der Leitung des Hauses von den Plänen unterrichtet.

Nach Mitteilung der französischen Botschaft in Berlin verkauft Frankreich im Zuge der Haushaltssanierung einen beträchtlichen Teil seines Immobilienbesitzes im In- und Ausland. „In den großen Städten wird Frankreich die Präsenz seiner diplomatischen und kulturellen Vertretungen auf einen Standort konzentrieren“, schreibt Presseattaché Christelle Goarnisson. In Berlin solle das Haus am Kurfürstendamm verkauft werden, das dort angesiedelte Institut Français 2015 nach Mitte ziehen und teilweise in der Botschaft am Pariser Platz sowie im Botschaftsgebäude an der Wilhelmstraße untergebracht werden. Der Senat sei über die Entscheidung in Kenntnis gesetzt worden.

Die Kulturadresse

Das Maison de France, in dem auch das Institut Français und das Cinema Paris ansässig sind, gilt als d i e Kulturadresse Frankreichs in der deutschen Hauptstadt. Dort gibt es nicht nur Sprachkurse, sondern auch Ausstellungen, Theateraufführungen und Konzerte. Am 21. April 1950 wurde es eröffnet. Das Gebäude an der Ecke Uhlandstraße/Kurfürstendamm war 1897 als Haus Scharlachberg erbaut worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde es teilweise zerstört, ab 1948 wurde es vom Architekten Hans Semrau als französisches Kulturzentrum neu konzipiert. Auch das gehört zur Geschichte: Bei einem Sprengstoffanschlag auf das im Gebäude untergebrachte französische Generalkonsulat 1983 wurden ein Mann getötet und 23 Personen verletzt. Jahrzehntelang nur Mieter, kaufte der französische Staat 1991 das Haus. In Ost-Berlin wurde 1984 ein französisches Kulturzentrum Unter den Linden eröffnet, das jährlich Zehntausende Besucher zählte. Nach dem Fall der Mauer ging es im Haus am Kurfürstendamm auf.

Am heutigen Mittwoch hat Botschafter Maurice Gourdault-Montagne zu einer Pressekonferenz zum Thema eingeladen. Die Mitarbeiter des Maison de France haben bereits am Dienstag ihren Unmut in einem offenen Brief geäußert. „Keine Schließung des Hauses“ heißt es da. Das sei ein Symbol der deutsch-französischen Freundschaft, ein Aushängeschild der französischen Kultur in Berlin. Ein Umzug in die Botschaft, schreiben die Mitarbeiter, würde „den Verlust unseres Publikums bedeuten, den Verlust unserer Identität und mittelfristig die endgültige Schließung“.

Aushängeschild der französischen Kultur

Denn schon einmal ist so etwas passiert – beim Amerika-Haus an der Hardenbergstraße. Nach dem Umzug der US-Botschaft von Bonn nach Berlin wurde es 1999 der Botschaft angegliedert. Viele Veranstaltungen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur waren nicht mehr öffentlich, nach den Terroranschlägen 2001 wurde das Haus mit großem Polizeiaufwand geschützt. Fünf Jahre später gaben die Amerikaner das Haus an Berlin zurück.


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Charlottenburg-Wilmersdorfs Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) ist bestürzt: „Das wäre ein großer Verlust für den Bezirk und für Berlin insgesamt.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass Deutschland das Goethe-Institut in Paris schließe. Er hoffe, dass die Entscheidung von französischer Seite nochmals überdacht werde. Naumann, der Französisch als erste Fremdsprache gelernt hat, fügte hinzu: „Une mauvaise idée“ (eine schlechte Idee).

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