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Markthalle in Kreuzberg: Immer proppenvoll

Die Markthalle zieht im Kiez wieder Besucher an.

Die Markthalle zieht im Kiez wieder Besucher an.

Foto:

Gerd Engelsmann

Berlin -

Florian Niedermeier stemmt die Hände in die Hüfte, lässt seinen Blick durch die Markthalle IV kreisen und lächelt voller Stolz. „Ist ja mal wieder proppenvoll hier“, sagt der Betreiber der Markthalle. Bevor er und seine Mitstreiter Bernd Maier und Nikolaus Driessen die altehrwürdige Halle in der Eisenbahnstraße in Kreuzberg übernommen haben, war sie ein trister Ort. Dabei ist das 2 850 Quadratmeter große, lichtdurchflutete Bauwerk mit seiner schmucken Backstein-Architektur, das 1891 eröffnet wurde, eigentlich ein echter Hingucker. Doch in den letzten Jahren bot die denkmalgeschützte Markthalle ein trostloses Bild.

Denn kleine Händler mussten Platz machen für Discounter wie Aldi, Drospa und KiK. Ehemals wurde die Halle von der stadteigenen Berliner Großmarkt GmbH betrieben. Aber da der Bau heruntergewirtschaftet war, sollte er 2009 verkauft werden. Und es gab durchaus Interesse, so von einem Investor, der dort einen Supermarkt samt Tiefgarage bauen wollte. Doch Niedermeier, Maier und Driessen wollten die Markthalle wieder für kleine Händler öffnen, die Gemüse, Käse, Fleisch und Brot aus der Region sowie Köstlichkeiten aus ganz Europa verkaufen. Ein ähnliches Konzept haben Meier und Niedermeier in der „Meierei“ in der Kollwitzstraße umgesetzt, wo sie alpenländische Spezialitäten verkaufen.

Erfolgreiche Bürgerinitiative

Finanziell konnten die drei mit dem Investor nicht mithalten. Doch sie hatten die Anwohner auf ihre Seite gezogen, eine Bürgerinitiative gründete sich. Es wurden 500 Unterschriften gesammelt und schließlich bekamen die Drei für satte 1,1 Millionen Euro den Zuschlag. In der vergangenen Woche wurde der Kaufvertrag notariell besiegelt.

Schon seit Oktober 2010 veranstalten sie her jeden Freitag und Sonnabend einen Wochenmarkt mit saisonalen und regionalen Lebensmitteln. Daneben finden viele weitere Veranstaltungen statt, die sich meist um hochwertige Lebensmittel drehen. Der im Kiez aufgewachsene Sternekoch Tim Raue hat hier gekocht, es gab einen Vintage- Modemarkt, eine Käse-Messe oder eine Veranstaltung zur Agrarpolitik namens Bauer trifft Kiez. Ebenso bezieht hier der Prinzessinnengarten, der ökologische und soziale Landwirtschaft betreibt und sonst in der Nähe vom Moritzplatz beheimatet ist, sein Winterquartier.

Zu einem Zuschauermagneten hat sich der Naschmarkt entwickelt, bei dem es allerhand süße Sünden gibt. Alle Erzeugnisse sind in Handarbeit produziert, bevorzugt mit Zutaten aus Bio-Anbau und fairem Handel. Am vergangenen Sonntag fand er zum dritten Mal statt und hat 3 000 Menschen angelockt. In diesem Jahr wird es den Naschmarkt viermal geben, der nächste Termin ist der 17. Juni.

Für Gutmenschen und Besserverdienende

Ein weiterer Fixpunkt ist der handmade supermarket – eine Plattform für Designer, Künstler und kleine Labels, die ihre handgemachten Produkte vorstellen. Hier gibt es Mode, Schmuck, Spielsachen, Kosmetik, Keramik, Möbel, Illustration, Fotografie und Kunst. Er ist ein „Einkaufsforum für Produkte jenseits von Massenproduktion“, sagen die Veranstalter Nici Jäckle und Ben Irion. Die beiden betreiben einen Laden für handgemachte und fair gehandelte Produkte am Lausitzer Platz. Am Sonntag findet der handmade supermarket zum zweiten Mal statt, ab März dann an jedem zweiten Sonntag im Monat.

Mit diesen Veranstaltungen hat sich die Markthalle zu einem Ort für Gutmenschen und Besserverdienende entwickelt. Die hier angebotenen Produkte sind qualitativ hochwertig und fair gehandelt. Doch Spitzenqualität, artgerechte Tierhaltung und nachhaltige Herstellung haben ihren Preis – und das kann sich längst nicht jeder leisten. „Viele finden, dass Lebensmittel und Textilien in erster Linie billig sein müssen. Wer so denkt, wird bei uns nicht fündig. Aber es gibt um uns herum ja noch genügend Discounter“, findet Florian Niedermeier. Aldi, Drospa und KiK sind immer noch in der Markthalle, können jedoch von den Betreibern gekündigt werden. Dies ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Weitere Informationen unter www.markthalle9.de.


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