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Mate-Bier aus Berlin: Das Spiel mit dem Kult

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Einfache Rechnung: Mate + Bier = Mier. Ob sie aufgeht, entscheidet weniger der Geschmack als das Image.
Einfache Rechnung: Mate + Bier = Mier. Ob sie aufgeht, entscheidet weniger der Geschmack als das Image.
Foto: dpa
Berlin –  

Ein Pankower Pirat aus Brasilien hat zusammen mit einem Berliner Braumeister ein Mate-Bier entwickelt.

Piraten machen aufregende Dinge: Manche rauben Schiffe aus, andere betreiben Politik und erfinden sonderbare Getränke. Zwar ist Fabricio do Canto (42) kein Seeräuber, doch das Mitglied der Piratenpartei vertreibt seit Ende Februar ein Getränk namens Mier. Es ist eine Mischung aus Bier und Mate – dem Kraut, dass aus der südamerikanischen Mate-Pflanze gewonnen wird. Unter Hackern hat Mate Kultstatus, es sei euphorisierend wie Schokolade, antioxidierend wie grüner Tee und dank des Koffein sehr belebend. „Bei den Piraten-Sitzungen haben die Leute immer Bier und Club Mate dabei. Da kam mir die Idee, beides miteinander zu kombinieren“, sagt Fabricio do Canto.

Nicht dem Reinheitsgebot entsprechend

Mier gibt es in 0,33- und 1-Liter -Flaschen, auf denen flotte Sprüche wie „Gib’s Mier, Baby“ stehen. Laut Deutschem Brauer-Bund entspricht es jedoch nicht dem Reinheitsgebot und gilt daher nur als „bierähnliches“ oder „bieriges Getränk“. Das bierige Etwas ist ein wenig trüb, hat einen malzigen, rauchigen und auch erdigen Geruch. „Ein interessanter Mix“, wie Braumeister Torsten Schoppe (40) findet. Er betreibt seit zehn Jahren Schoppe Bräu in der Nähe der Hasenheide in Neukölln und hat die ersten 40 Liter für do Canto gebraut. Seine eigene Kreation, das Schoppe Bräu, gibt es in Kreuzberger Kneipen wie Max und Moritz (Oranienstraße), dem Kuchenkaiser (Moritzplatz) oder dem Bierkombinat an der Manteuffelstraße. Mier, für das vom Berliner Piraten selbstgepflückte Mate-Blätter aus dem brasilianischen Urwald verwendet werden, war zunächst sehr dunkel und schmeckte recht stark. Erst wurde am Geschmack gefeilt, dann wurden weitere 400 Liter des koffeinhaltigen Bieres gebraut.

Fabricio do Canto (l.) und Torsten Schoppe in der Meta Mate Bar in Prenzlauer Berg.
Fabricio do Canto (l.) und Torsten Schoppe in der Meta Mate Bar in Prenzlauer Berg.
Foto: dpa

Es ist nach wie vor dunkel und ein wenig bitter. Doch Mier ist ganz nach dem Geschmack der Piraten, für die de Canto erfolglos bei der Pankower BVV-Wahl kandidierte. Denn es verfolgt, die politische Leitidee – das Prinzip der Transparenz: Auf jedem Mier ist ein Code abgedruckt, der via Smartphone eingelesen werden kann und die Verbindung zu einem Internetforum herstellt. Dort können Anregungen zu Farbe, Flaschengröße, Geschmack, Alkohol- und Mategehalt gegeben werden. Ebenso lässt sich die Produktionskette nachvollziehen, in Kürze wird die exakte Zutatenliste veröffentlicht. „Mehr Transparenz geht nicht“, sagt sehr Fabricio do Canto und lächelt breit.

Er zog 1994 aus Brasilien nach Hamburg und arbeitete sechs Jahre bei einem Konzern im internationalen Marketing. Der Deutsch-Brasilianer kündigte, bereiste zehn Jahre lang die Welt und lernte seine Frau Krithika (32) kennen.

Verbreitung in den üblichen Kiezen

Die beiden sind mit ihren drei Kindern 2010 nach Berlin gezogen und betreiben in der Straßburger Straße in Prenzlauer Berg ein Café: Die Meta Mate Bar ist ein kleiner Laden im Souterrain. Hier geben sie Ernährungsberatung und verkaufen allerlei Mate-Produkte sowie Honig, Kakaobohnen und Schokolade. In dem Café lagert auch das Mier in Kisten, und das hat sich herumgesprochen: Ein Einzelverkauf ist nicht geplant, doch immer mal kommen Passanten und möchten das sonderbare Gebräu probieren. Eine kleine Flasche kostet dann 3 Euro.

Fabricio do Canto will nicht den großen Reibach machen, er hat nicht einmal ein Patent. Stattdessen hofft er, dass sich die Idee verbreitet und es bald viele Sorten gibt.

Es spricht einiges dafür, dass sich Mier – losgelöst vom gewöhnungsbedürftigen Geschmack – schon bald in den üblichen Kiezen verbreitet. Das positive Image macht’s. Ein paar Gastronomen und Getränke-Großhändler haben schon Kisten gekauft, ebenso ein Händler, der Mier an Kioske verkaufen möchte. Es gibt Anfragen von Brasilianern und einem kleinen Laden aus Kalifornien. Schon werden bald weitere 800 Liter gebraut, darunter ein helles Mier mit mehr Kohlensäure. Und in den nächsten Wochen will Fabricio do Canto eine Meta Mate Limonade entwickeln.

Meta Mate Bar: Straßburger Str. 16, Prenzlauer Berg. Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr

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