Merhrfach demonstrierten Anwohner wie hier im Sommer 2010 gegen die Baupläne in der Mediaspree. Sie fürchten Monokultur und soziale Verdrängung. Foto: Reinhard Kaufhold
Merhrfach demonstrierten Anwohner wie hier im Sommer 2010 gegen die Baupläne in der Mediaspree. Sie fürchten Monokultur und soziale Verdrängung. Foto: Reinhard Kaufhold
Berlin –
Mit einem neuen Netzwerk will die Initiative „Mediaspree versenken!“ ein Volksbegehren gegen den Grundstücksverkauf am Spreeufer erreichen. Im Fokus der Kritik steht aktuell ein Grundstück an der Köpenicker Straße.
Die Forderung ist unmissverständlich: „Alle Grundstücksverkäufe müssen sofort gestoppt werden, damit der Ausverkauf der Stadt nicht weitergeht“, sagt Carsten Joost von der Initiative „Mediaspree versenken!“. Joost gehört einem neuen Netzwerk an, das bereits mehr als 350 Unterzeichner hat.
Vertreter von Projekten und Parteien gehören dazu, ebenso Künstler, Architekten und Stadtplaner. Das Netzwerk heißt „Stadt Neudenken“ und verlangt eine völlige Neuausrichtung der Liegenschaftspolitik in Berlin. „Grundstücke dürfen nicht länger nur an Investoren veräußert werden, die Höchstpreise bieten“, so Joost. Vielmehr müsse Stadtpolitik endlich im Interesse der Bürger gestaltet werden.
2. Maria/ADS – der Club schließt zum Jahresende, an seiner Stelle entstehen ab 2012 Büros, Wohnungen und ein Hotel.
3. Das Yaam, ein Kultur- und Sozialprojekt, darf solange bleiben, bis ein Investor für den Bürokomplex gefunden ist.
4. Das Postgelände soll erneut verkauft werden, nachdem ein dänischer Investor den Vertrag rückggängig gemacht hat. Gepant sind dort Kultur, Kunst und Wohnen.
5. Auf dem Anschutz-Areal entstehen derzeit die neue Mercedes-Benz-Vertriebszentrale und ab 2012 ein Büro-Campus. Mit weiteren Investoren ist man in Gesprächen.
6. An der Lehmbruckstraße wird im Frühjahr ein Selbstlager-Zentrum eröffnet. Dahinter entstehen Eigentumswohnungen.
7. Im Osthafen sind nur noch vier Grundstücke frei. Das Gelände war von 1913 bis Anfang der 1990er-Jahre ein Industriehafen.
8. Statt Carlofts werden dort Wohnungen und ein Hotel geplant. Auch ein Yachthafen könnte entstehen.
9. Auf der Lohmühleninsel sollen Wohnungen gebaut werden. Vorher muss ein Zementwerk verlagert werden. Ein weiteres Unternehmen, ein Kartonagewerk, schließt.
10. Der Umzugsunternehmer Zapft ist bereit, sein Grundstück für ein Wohngebiet zu verkaufen und woanders hinzuziehen.
11. Für die denkmalgeschützte Alte Heeresbäckerei wird ein Großmieter gesucht. Die Lagerhalle am Spreeufer soll weg, zwei Neubauten errichtet werden.
12. Die 41 Hektar rund um den Viktoriaspeicher werden gerade verkauft. Wie sich Mediaspree-Gegner die Entwicklung vorstellen, ist bis zum 27. 1. 2012 im Rathaus Kreuzberg, Yorckstraße 4–11, zu sehen.
13. Wo bis zum Herbst 2011 die Strandbar Kiki Blofeld war, entstehen ab Frühjahr 2012 Wohnungen.
Joost geht es aktuell um ein ganz spezielles Grundstück, um dessen Entwicklung er und weitere Aktivisten sich engagieren: das 41 Hektar große Gelände rund um den Viktoriaspeicher an der Köpenicker Straße in Kreuzberg. Die Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft Behala verkauft das Areal am Spreeufer gerade an einen Investor.
„Es ist ein Skandal, dass der Verkauf heimlich geschah“, kritisiert Joost. Tatsächlich wurde der Vertrag im Oktober unterzeichnet, kurz nach der Wahl, als der neue Senat noch nicht im Amt war. Aber heimlich war dabei nichts, sagt Behala-Manager Michael Reimann: „Wir handeln im Auftrag der Politik, der Senat wusste zu jeder Zeit Bescheid und hat dem Geschäft zugestimmt.“
Die Initiative "Mediaspree versenken!" beginnt ihren Wahlkampf für den Bürgerentscheid am 01.07.2008 mit einer Aktion zu Wasser und zu Lande. Man wolle, so hieß es, von Booten aus und auf der Michaelbrücke Investoren bejubeln, die sich auf einer Schiffstour am Nachmittag das Gelände anschauen.
Foto: dapd
Die Mediaspree-Versenker sorgen für eine Sperrung der Spree am 01.07.2008.
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Der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Grüne) beobachtet am Dienstag (01.07.08) auf der Spree in Berlin Aktivisten in Booten, die auf der Spree Schiffe blockierten, auf denen sie mögliche Investoren des Projekts Mediaspree vermuteten.
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11.07.09: Ein Jahr nach dem Bürgerentscheid zur Mediaspree, bei dem 87 Prozent der Wahlbeteiligten gegen die Mediaspree votierten, rufen mehr als 70 Initiativen, Klubbetreiber und politische Gruppen zu der Demonstration unter dem Motto "Megaspree. Die Zeit ist reif!!!" auf.
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Zwölf Trucks und Lastwagen, voll gestopft mit Musikanlagen fahren in drei Zügen vom Boxhagener Platz, vom Oranienplatz und vom S-Bahnhof Treptower Park zum Molkenmarkt am Roten Rathaus.
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Mit wummernden Bässen protestieren 3000 junge Leute für den Erhalt von Clubs und Strandbars im Bereich der Spree von Friedrichshain und Kreuzberg. Hinter den LKW wird zu elektronischer Musik getanzt.
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Mit ihrer Parade wehren sich die Demonstranten gegen eine drohende Vertreibung aus der Innenstadt durch Großinvestoren. Gefährdet sind etwa Clubs und Bars wie Yaam, Bar 25, Watergate, Cassiopeia oder SO 36.
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Aktionstag 5. Juni, Mediaspree entern: Zwei Jahre nach dem Bürgerbegehren gegen die geplante Spreeuferbebauung in Friedrichshain-Kreuzberg scheinen die Proteste gegen das Mediaspree-Investorenobjekt wieder zuzunehmen.
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Am 05.06.2010 demonstrieren mehr als 2000 Mediaspree-Gegner.
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Die vorwiegend jungen Demonstranten protestieren unter dem Motto "Mediaspree entern" dagegen, dass durch die geplanten Hotel- und Bürobauten und die damit verbundene Aufwertung Ärmere verdrängt und der Zugang zum Ufer beschränkt würde.
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16.07.2011: Gegen den Ausverkauf der Stadt gehen Mediaspree-Versenker wieder auf die Straße.
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Sie protestieren aber nicht nur auf der Straße: Die Wasserschutzpolizei stoppt am Samstag (16.07.2011) in Berlin auf der Spree ein Floß von Demonstranten.
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Etwa 30 Vereine und Initiativen haben zur Demonstration aufgerufen.
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Die rund 2.000 Teilnehmer fordern eine Umsetzung des - rechtlich nicht bindenden - Bürgerentscheids "Mediaspree versenken" von 2008. Bei dem Bürgerentscheid votierten 87 Prozent der Wahlbeteiligten gegen die Mediaspree. Gut 30000 Friedrichshainer und Kreuzberger folgten dem Aufruf "Mediaspree versenken!"
Das Grundstück um den denkmalgeschützten Speicher gehört zur Mediaspree, jenem Ufer zwischen Elsen- und Jannowitzbrücke, an dem sich vorrangig Medienunternehmen und andere kreative Firmen ansiedeln sollen. Nach knapp zwei Krisenjahren drängt es, wie berichtet, die Investoren wieder verstärkt dorthin.
Eine kiezverträgliche Entwicklung wird gefordert
An etlichen Stellen werden Bauprojekte neu geplant, Baukräne drehen sich. Der Neustart wird von der Initiative „Mediaspree versenken!“ mit Unbehagen beobachtet: Sollte der Aufschwung durch Maximal-Verwertung der Grundstücke und ohne Einbeziehung der Anwohner geschehen, wäre das ein „Schlag ins Gesicht der Bürgerschaft“, so Joost.
Denn die Anwohner der Mediaspree in Friedrichshain-Kreuzberg hatten 2008 mit einem Bürgerentscheid mehrheitlich gegen die Planungen votiert. Statt Bürotürme und Hotels wollen sie mehr Raum für Grünflächen, soziale Projekte und preisgünstige Wohnungen.
Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann
Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann
Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann
Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
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Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
Nach zwei Krisenjahren machen 2012 die Investoren Jagd auf das Beton-Gold am Spreeufer. Der Wandel im Mediaspree-Gebiet in Bildern. Fotos: Gerd Engelsmann
Die Mediaspree-Versenker fordern jetzt die Auflösung des Vertrages mit dem Kaufinteressenten des Viktoriaspeichers: „Eine kiezverträgliche Entwicklung mit neuem sozialen Wohnungsbau ist wichtiger als noch mehr Büros“, sagt Joost. Allerdings weiß derzeit noch niemand, was der potenzielle Käufer dort plant.
Das neue Netzwerk „Stadt Neudenken“ bezieht sich auch auf den Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU, wie der Mitunterzeichner Enrico Schönberg sagt: „Dort ist vereinbart, dass die Liegenschaftspolitik soziale, kulturelle und ökologische Ziele stärker verfolgen will.“ Deshalb sollte jetzt mit Grundstücksverkäufen erst mal innegehalten werden, Ziel ist ein Volksbegehren zum Thema.
Eine Möglichkeit zur Debatte ist am 12. Januar. Dann trifft sich das Netzwerk um 19 Uhr in der Forum Factory, Besselstraße 13, Kreuzberg.
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