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Mediaspree: Tower statt Mauer

... und nicht nur für Wohlhabende. Das fordern die Protestierer.

... und nicht nur für Wohlhabende. Das fordern die Protestierer.

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dpa

Berlin -

Das ist, als würde eine Tankstelle auf der Museumsinsel eröffnen.“ „Was hier passiert, ist die Schändung eines zentralen Symbols des Kalten Krieges. Millionäre auf dem Todesstreifen – das geht nicht.“ „Geschichte wird weggewischt und zerstört. Das ist ein Skandal.“ Große Worte um 20 Meter Beton, ausgesprochen am Dienstagvormittag bei einem Pressetermin an der Mühlenstraße in Friedrichshain von – der Reihe der Zitate nach – den Herren Sascha Disselkamp (Chef des Sage-Clubs und Gründer der Club Commission), Robert Muschinski (Sprecher der Initiative „Mediaspree versenken!“), Kani Alavi (Künstler und Kämpfer für den Erhalt der East Side Gallery).

Angst vor Neubau

Es geht um die geplante Bebauung von zwei Grundstücken zwischen dem 1,2 Kilometer langen bunt bemalten Stück Hinterlandmauer, also der East Side Gallery, und der Spree. Dort sollen, wie berichtet, zwei Neubauten entstehen: Ein 63 Meter hoher 14-Geschosser mit Eigentumswohnungen, für die Quadratmeterpreise von 2 750 bis 7 800 Euro kursieren; sowie ein 120 Meter langer Riegelbau mit Wohnungen, über deren Preise bisher nichts bekannt ist. Dafür müsste ein bis zu 20 Meter breites Stück der East Side Gallery entfernt werden, um Zugang und Fluchtwege zu schaffen. Die Empörung ist groß.

Einig darin sind sich Akteure aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Ecken – und sie alle fühlen sich von einem Neubau an dieser Stelle, nun ja, bedroht. Der Club-Mann Sascha Disselkamp etwa sieht in Wohnbebauung generell eine Gefahr für die Branche. Bisher können Clubs wie Tresor, Watergate oder Spindler & Klatt – allesamt auf der anderen Spreeseite gelegen – relativ unbehelligt von Lärmklagen Partys machen. Das könnte nach Einzug der Bewohner anders werden. Wie immer in großen Zusammenhängen argumentiert Robert Muschinski von „Mediaspree versenken!“, der Verdrängung im Spiel sieht und die Vernichtung eines Stück Parks kritisiert. Und der Kani Alavi will sein Lebenswerk schützen.

„Leider können wir daran nichts ändern“

Zumindest für den Bau des Hochhauses (Arbeitstitel: East Side Tower) wird aller Protest wohl zu spät kommen. Seit den 90er-Jahren besteht an dieser Stelle Baurecht. Nach jahrzehntelangem Stillstand soll es bereits erste Bohrungen im Erdreich gegeben haben. Noch im März soll mit dem Bau begonnen werden.

Den Tower wird wohl auch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg nicht mehr verhindern können. Bürgermeister Franz Schulz (Grüne): „So ärgerlich es ist: Leider können wir daran nichts ändern.“ Zuletzt hatte Schulz versucht, die Senatsfinanzverwaltung für einen möglichen Geländetausch zu gewinnen. Vergeblich.