Berlin
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12.10.2012

Mediaspree: Yaam-Club: Schluss mit Reggae

Von Karin Schmidl
Das Yaam gilt als Hotspot der Reggea- und Black-Music-Szene, aber auch diverse Sportmöglichkeiten gibt es dort, so kann man u.a. Volleyball, Tischfußball, Basketball und Tischtennis, es gibt eine  Halfpipe und eine Fahrradwerkstatt. Und natürlich eine Strandbar am Wasser.
Das Yaam gilt als Hotspot der Reggea- und Black-Music-Szene, aber auch diverse Sportmöglichkeiten gibt es dort, so kann man u.a. Volleyball, Tischfußball, Basketball und Tischtennis, es gibt eine  Halfpipe und eine Fahrradwerkstatt. Und natürlich eine Strandbar am Wasser.
Foto: Berliner Zeitung
Berlin –  

Sechsmal musste der Kult-Club Yaam umziehen, immer wurde er von Investoren vertrieben, konnte aber an anderer Stelle regelmäßig weitermachen. Jetzt steht das nicht kommerzielle Kultur- und Sozialprojekt endgültig vor dem Aus.

Das Programm lockt mit Reggae, Afro und Tropical Beat, bis Ende November sind die Livemusik-Abende verplant. Doch möglicherweise ist schon vorher Schluss im Yaam. Der Club am Spreeufer gegenüber dem Ostbahnhof in Friedrichshain hat die Kündigung erhalten. Innerhalb von 60 Tagen, so will es der Grundstückseigentümer, das spanische Unternehmen Urnova, soll das 8900 Quadratmeter große Grundstück geräumt sein.

Man sei von der Kündigung völlig überrascht worden, sagte Yaam-Gründer und -Betreiber Ortwin Rau am Freitag. „Wir appellieren an Urnova, die Kündigung zu überdenken und das bislang gute Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter nicht einseitig zu beenden.“ Das Yaam, das als Berlins älteste Strandbar gilt, ist seit gut acht Jahren an diesem Ort und hat sich zu einem weltweit bekannten Hotspot für karibisches Lebensgefühl entwickelt. Falls der Club jetzt weg müsse, könnte es das Ende einer 18-jährigen Erfolgsgeschichte sein, so Rau.

Auf dem Grundstück, für das ein rechtskräftiger Bebauungsplan existiert, sollen drei Gebäude für Büro- und Hotelnutzung entstehen. Doch nach Baubeginn sieht es derzeit nicht aus, wie auch der Anwalt von Urnova, Cato Dill, bestätigte. Er sagte, die Kündigung richte sich nicht gegen das Yaam. Aber: „Der Eigentümer möchte über sein Grundstück frei disponieren können.“

Es gehe um eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung des Geländes. Mit anderen Worten: Ein freies Grundstück lässt sich besser verkaufen. Urnova will laut eigener Website 26 Millionen Euro für das Areal. Laut Anwalt Dill gibt es Gespräche mit Interessenten. Gerüchte, wonach das Unternehmen Hochtief die Fläche erwerben will, bestätigte er nicht. Allerdings waren Vertreter des Baukonzerns bereits im Stadtplanungsamt von Friedrichshain-Kreuzberg, aktuell gebe es aber keine Kontakte mehr, sagte Bürgermeister Franz Schulz.

Auch der Grünen-Politiker ist überrascht von der Kündigung. „Es gab die Abmachung, dass der Club so lange bleiben darf, bis die Bagger kommen.“ Urnova-Anwalt Dill sagte: „Das ist nicht richtig. Mit dem Yaam war eine Zwischennutzung vereinbart, die jederzeit, ohne dass dies im unmittelbaren Zusammenhang mit einem Baubeginn zu stehen hat, beendet werden kann.“

Ortwin Rau, dessen Verein Kult e.V. den Club ohne staatliche Zuschüsse betreibt, klang bitter: „Berlin wirbt mit uns als Ort für erfolgreiche Integration und gute Laune, aber wenn es um unsere Existenz geht, kommt kein Signal von der Politik.“ Er meinte damit den Senat, denn an Unterstützung vom Bezirk mangelt es nicht. Nur kann der Bezirk nicht viel tun. Bürgermeister Schulz will dennoch helfen. Er will mit Urnova über eine Verlängerung des Vertrages reden. Und mit dem Senat über einen langfristigen Standort, denn: „Das Yaam ist ein wichtiger kultureller und sozialer Ort für Berlin und darüber hinaus.“ Es gebe an diesem Spreeabschnitt Flächen von landeseigenen Unternehmen, die dafür geeignet wären.

Dass Not auch erfinderisch macht, bewies Yaam-Macher Rau. Vielleicht, sagte er, müsse man eine Genossenschaft gründen und das Grundstück einfach kaufen? Er habe jedenfalls Kontakt zu jener Schweizer Stiftung aufgenommen, die das BSR-Grundstück an der Holzmarktstraße gekauft hat, um es den Machern des Kater Holzig für ihr Kreativprojekt aus Künstlerdorf und Club zu überlassen.

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