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Medizinhauptstadt Berlin: So will Berlin noch mehr Touristen anlocken

Am Brandenburger Tor ist man selten so allein.

Am Brandenburger Tor ist man selten so allein.

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dpa/Felix Zahn

Deutlich mehr als zwölf Millionen Gäste haben im vergangenen Jahr Berlin besucht, rund 30 Millionen Übernachtungen verbuchten die Hotels und Pensionen. Der Tourismus ist ein Motor des wirtschaftlichen Wachstums in der Stadt: Jährlich geben die Gäste hier über zehn Milliarden Euro aus, die vor allem in den Dienstleistungsbranchen für höhere Umsätze und mehr Beschäftigung sorgen. Und auch für ein höheres Steueraufkommen, in diesem Fall direkt über die Bettensteuer, die City Tax. Die brachte 2015 Einnahmen für die öffentliche Hand von rund 42,5 Millionen Euro. Der überwiegende Teil geht direkt an die Landeskasse, von den weiteren Einnahmen werden je ein Drittel Wirtschaft, Sport und Kultur zugeschlagen.

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft hatte 3,5 Millionen Euro zu verteilen. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer und der Geschäftsführer von visitBerlin, Burkhard Kieker, stellten am Mittwoch die Projekte vor, die noch mehr Touristen für die Stadt begeistern und das Angebot vor Ort verbessern sollen.

Patienten-Zielort: Hervorragende medizinische Betreuung ist ein Standort-Vorteil, mit dem man zahlungskräftige Patienten aus dem Ausland anlocken kann. Deshalb soll Berlin als Zielort für diese Klientel ausgebaut werden, was sich die Wirtschaftsverwaltung eine Million Euro und damit fast ein Drittel der zu verteilenden Gelder kosten lässt. Derzeit kommen jährlich zwischen 17 000 und 21 000 Menschen aus gesundheitlichen Gründen – im weiten Sinn – nach Berlin und lassen 100 Millionen bis 150 Millionen Euro hier. Durch Messe-Auftritte, Roadshows unter anderem in den Golfstaaten und in den GUS-Ländern und gezieltem Marketing hofft man, schon 2017 rund 30 000 ausländische Gäste nach Berlin zu holen, die sich hier behandeln lassen wollen.

Erklärtes Ziel ist, Standort Nummer eins in diesem Bereich in Deutschland zu werden und München vom Spitzenplatz zu verdrängen. Senatorin Yzer sagte: „Berlin bringt mit seinen exzellenten Kliniken und Krankenhäusern so wie Top-Medizinern und renommierten Forschungseinrichtungen alle Voraussetzungen dafür mit.“ Sie betonte zugleich, dass damit keine Einschränkungen für Berliner verbunden seien, sondern vielmehr durch die neuen Einnahmen die medizinische Betreuung verbessert werde.

Barriere-Freiheit: Die Geldverteiler glauben, dass die Bedeutung des barrierefreien Tourismus zunehmen wird – also der freie Zugang von Menschen mit Beeinträchtigungen zum öffentlichen Nahverkehr, zu Museen, Theatern und anderen Einrichtungen. Für zehn Prozent der Bevölkerung seien barrierefreie Angebote schon jetzt zwingend notwendig. Es soll eine digitale Lösung für eine geografische Modellroute erarbeitet werden, anhand derer sich die Gäste mit eingeschränkter Mobilität vom Flughafen über die U- oder S-Bahn ins Hotel bewegen können, Museen inklusive. Dafür gibt es aus dem City-Tax-Topf 350 000 Euro.

WLAN-Zugriff: Auch das leidige Thema öffentliches WLAN wurde bedacht. Gerade in der Stadt, die sich gern als europäische Start-up-Metropole feiert, ärgern sich viele darüber, dass es nicht wenigstens in der Innenstadt flächendeckende Verbindungen ins Netz gibt. Zwar soll in diesem Frühjahr mit dem Aufbau von 650 Hotspots für Gratis-Zugang ins Internet begonnen werden, aber „ausreichend ist das nicht“, befand Wirtschaftssenatorin Yzer. Mit den Mitteln aus der Bettensteuer sollen nun an „touristisch besonders frequentierten“ U-Bahnhöfen wie Brandenburger Tor, Stadtmitte, Potsdamer Platz oder Wittenbergplatz WLAN für alle ermöglicht werden. Kostenpunkt: 190 000 Euro.

Strom-Station: Von Elektromobilität wird viel geredet, allein es fehlt an Fahrzeugen – und an Ladestationen. Dagegen wird jetzt etwas getan: Hotels wird die Möglichkeit eröffnet, E-Autos an neuen Stationen zu laden. Dazu sollen bis zu 50 Ladestationen eingerichtet werden. Dafür werden 175 000 Euro ausgegeben.

Marketing-Maßnahmen: Die schon 2015 erfolgreich getesteten Pop-up Stores sollen in weiteren Städten aufgestellt werden. Zeitlich begrenzt wurde damit in europäischen Metropolen wie London, Paris und Amsterdam mit Firmen und Produkten für das Reiseziel Berlin geworben. 2016 sollen unter anderem Pop-up Stores in Istanbul und Tel Aviv hinzukommen. 600 000 Euro sind dafür veranschlagt.

Die gleiche Summe gibt visitBerlin für Marketing-Kampagnen im Bereich der Kongressanbieter und in Wachstumsmärkten der Welt aus, um neues Publikum zu gewinnen.

Noch einmal 650 000 Euro sollen für die verstärkte lokale Vermarktung der Berliner Bezirke ausgegeben werden.