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Berliner Zeitung | Medizinische Versorgung in Berlin: Gesundheitssenator will Kapazitäten der Berliner Kliniken aufstocken
04. February 2016
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Medizinische Versorgung in Berlin: Gesundheitssenator will Kapazitäten der Berliner Kliniken aufstocken

Krankenhausbetten in Berlin: Davon soll es bald mehr geben.

Krankenhausbetten in Berlin: Davon soll es bald mehr geben.

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Markus Wächter

Jahrelang wurden in den Krankenhäusern Betten abgebaut, doch angesichts des Bevölkerungszuwachses werden sie wieder gebraucht. Daher soll in den 62 Berliner Kliniken bis zum Jahr 2020 die Zahl der Betten auf knapp 22.000 steigen. Das sei ein Plus von rund 1300 Betten im Vergleich zur Planung von 2010, sagte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU).

Er stellte am Donnerstag den neuen Krankenhausplan des Senats vor, der für die kommenden fünf Jahre die Kapazitäten der medizinischen Versorgung festlegt. „Damit tragen wir einer wachsenden und älter werdenden Stadt Rechnung“, sagte Czaja.

Altersmedizin wird wichtiger

Die Zahl der Menschen, die über 80 Jahre alt sind, wird sich nach einer Prognose des Senats bis zum Jahr 2030 verdoppeln. Das erfordert einen Ausbau der Angebote in der Altersmedizin. So sollen die geriatrischen Abteilungen in den Kliniken insgesamt 312 zusätzliche Betten erhalten. 501 weitere Betten gibt es für Psychiatrie und psychosomatische Abteilungen sowie 180 Plätze für die Neurologie. Die Charité darf in ihren drei Unikliniken 301 neue Betten aufstellen und kommt damit wieder auf eine Zahl von knapp über 3000.

Czaja will auch die Qualität der Versorgung verbessern. Vorgaben gebe es etwa zu Mindestbesetzungen bei Fachärzten in Fachabteilungen und bei Pflegern auf Intensivstationen. Für die Intensivmedizin gelte künftig, dass mindestens 30 Prozent qualifizierte Kräfte eingesetzt werden sollen. Das verteuere die Versorgung zwar. „Aber das können wir uns leisten.“

Die Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) begrüßte den Plan im Kern, betonte aber, dass die Kliniken auch mehr Investitionsmittel erhalten müssten, um den Qualitätsvorgaben und der demografischen Entwicklung gerecht werden zu können. Vorgesehen sind im Doppelhaushalt 2016/2017 für Baumaßnahmen und Instandhaltung rund 107 und 109 Millionen Euro pro Jahr. Benötigt würden laut BKG aber rund 240 Millionen Euro jährlich.

Linke übt Kritik

„Viel Lyrik, wenig Substanz“, so kommentierte der Linke-Politiker Wolfgang Albers den Plan. Er sieht Rückschritte bei Qualitätsvorgaben und Mindestbesetzungen, die Czaja als Fortschritte einordnete und sprach von Nullnummern. „Teilweise fallen die qualitätssichernden Anforderungen in diesem Krankenhausplan hinter erreichte Standards zurück“, sagte Albers. So müsse eine Abteilung nur mit zwei Fachärzten inklusive ihrer Leitung besetzt sein, um den Qualitätskriterien des Senators zu entsprechen.

Umstritten ist auch die Entscheidung, ein neues geriatrisches Fachkrankenhaus in den Plan aufzunehmen. Die 65 Betten sollen in Marzahn entstehen. Albers zufolge ließen sich ausreichend Kapazitäten in bestehenden Kliniken aufbauen.

Die Techniker Krankenkasse erklärte: Es mache „keinen Sinn, ein weiteres Krankenhaus einzurichten, das ausschließlich für die geriatrische Versorgung“ zuständig sei. Mit Blick auf die Qualitätsvorgaben sei wichtig, dass festgelegt werde, „wer die Einhaltung dieser Parameter überprüft und welche Konsequenzen folgen, wenn dies nicht passiert“, so die TK. (mit dpa)