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Mehr Sauberkeit an Schulen: Eltern putzen Dreck in Schulen weg

Überprüft wird die Leistung der Putzfirmen kaum.

Überprüft wird die Leistung der Putzfirmen kaum.

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dpa/Jens Büttner

Staub sammelt sich auf den Regalen im Klassenzimmer, Sand knirscht auf dem Fußboden, Kaugummis kleben an den Tischen und die Toiletten sind ekelhaft dreckig. An Schulen, vor allem in Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, wächst der Unmut über nicht gründlich genug gereinigte Schulgebäude. Ein Lehrer an der Adolf-Glaßbrenner-Grundschule in Kreuzberg hat nach der offiziellen Putzschicht in einer Klasse noch einmal den Boden gefegt.

Bald türmte sich ein großes Häuflein Staub und Dreck auf. Unter dem Motto „Reinigungsoffensive“ hat sich inzwischen im Bezirk eine Elterninitiative gegründet, die die Missstände angehen will. In Treptow-Köpenick war die Schulreinigung auch schon Thema im Bezirksparlament, und auch in andere Bezirken ist man unzufrieden.

„An unserer Schule haben jetzt schon Eltern regelmäßig die Klassenzimmer geputzt“, berichtet Swantje Kaposty, Gesamtelternvertreterin der Glaßbrenner-Schule. Vertreter von mehreren Schulen haben sich inzwischen auch mit Schulstadtrat Peter Beckers (SPD) getroffen. Und Beckers hat die Probleme sogleich eingeräumt. Derzeit würden im Bezirk mindestens fünf Abmahnverfahren gegen Reinigungsfirmen laufen. „Es ist aber schwer, Mängel nachzuweisen“, sagt Swantje Kaposty. Hausmeister und Schulleiter müssten detaillierte Mängellisten erstellen, nach jeder Putzschicht nachschauen. Eltern von der Bürgermeister-Herz-Grundschule in Kreuzberg sehen das Hauptproblem im Ausschreibungsverfahren.

Das gewinnt nämlich in der Regel die Putzfirma, die den günstigsten Preis anbietet. Im Preis inbegriffen ist aber nur eine Grundreinigung: Zweieinhalb Mal pro Woche muss in Friedrichshain-Kreuzberg der Klassenraum feucht gewischt und gekehrt werden. Tische und Regale werden aber nur einmal im Monat abgewischt, die Fenster einmal im Jahr gesäubert. Immerhin wird im Toilettenbereich täglich gewischt. Haben undisziplinierte Schüler aber mit viel Klopapier die Toiletten verstopft, gehört es nicht zur Aufgabe der Putzfirma, den Schaden zu beheben.

Hohe Fluktuation bei Putzkräften

Fakt aber ist, dass andere Bezirke die Klassenräume häufiger wischen lassen, in Neukölln etwa geschieht das immerhin dreimal die Woche. Der Betreiber einer Putzfirma, der anonym bleiben möchte, betont, dass für eine Grundschule ein Turnus von zweieinhalb Reinigungen pro Woche nicht ausreiche. „Die Schulhöfe dort sind anders als an den Oberschulen meist unversiegelt, die Kinder bringen also nach jeder Pause Sand und Matsch herein“, sagt er. Elternvertreter wie Swantje Kaposty kritisieren allerdings auch die Putzutensilien, selbst die machten oft nicht den hygienischsten Eindruck.

Tatsächlich ist auch die Fluktuation unter den Putzkräften recht hoch. Diese schaffen mitunter das kühn berechnete Arbeitspensum gar nicht. Ausgebildete Gebäudereiniger können die Firmen ohnehin kaum bezahlen. Schließlich sollen sie ja bei den Ausschreibungsverfahren einen möglichst günstigen Preis anbieten. Als in Friedrichshain-Kreuzberg vor gut zwei Jahren bei der Ausschreibung stärker auf Qualität geachtet wurde, habe eine Putzfirma vor Gericht geklagt, berichtet Beckers. Seitdem sei wieder der Preis maßgeblich.