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Meine Woche: „Ich bin der vielleicht optimistischste Berliner“

Bo Le-Mentzel kennt keinen Feierabend. Und ist zufrieden damit.
Bo Le-Mentzel kennt keinen Feierabend. Und ist zufrieden damit.
Foto: Christian Schulz
Berlin –  

Van Bo Le-Mentzel ist Architekt - tagsüber. Abends verwandelt er sich in einen Karma-Ökonom und sorgt dafür, dass die Menschen nicht so viel konsumieren.

Van Bo Le-Mentzel bin ich, 35 Jahre alt und von Beruf Architekt. Ich arbeite für ein Innenarchitekturbüro, das Shops baut. Ich trage tagsüber also dazu bei, dass die Leute mehr shoppen. Abends verwandle ich mich in eine andere Person und kümmere mich darum, dass die Leute weniger konsumieren. Ich nenne mich dann Karma-Ökonom.

Als Karma-Ökonom habe ich die Baupläne für Hartz IV-Möbel entwickelt. Ich habe sie ins Internet gestellt und du lädst sie kostenlos runter und baust sie nach. Es gibt aber eine Bedingung. Es kostet Offenheit. Das ist meine Währung. Wenn du sie haben willst, musst du versichern, dass du etwas zurückgibst. Eine Geschichte, ein Foto, irgendwas. Du kannst auch deinem Nachbarn beim Bauen helfen. Das sind meine Karma-Bedingungen. Ich kann natürlich nicht überprüfen, ob du das auch wirklich machst. Aber mir geht es um die Idee. Und ich bekomme ja die Fotos von den Leuten. Ich glaube an Geben und Nehmen und ich glaube, dass es gut ist, etwas zu geben, bevor man nimmt.

Mein neues Experiment sind Karma-Chucks. Sie sehen genauso aus wie die Chucks von Converse. Ich will herausfinden, ob es möglich ist, Nike, die Converse aufgekauft haben, zu inspirieren, über ihre Produktionsbedingungen nachzudenken. Ich lasse 500 Chucks bei einer Fairtrade-Firma herstellen, dass heißt, ich brauche 499 Koproduzenten. Dank Crowdfunding ist das möglich, die Hälfte der Leute habe ich schon zusammen.

Das kann man Raubkopie nennen oder auch besetzen. Ich nehme es mir einfach. Mir geht es nicht darum, ein Geschäft zu machen. Mir geht es auch nicht um Schuhe. Mir geht es um den nächsten Schritt. Mir geht es darum, dass Konzerne nicht machen können, was sie wollen. Wenn du seit hundert Jahren eine Marke hast und Millionen Fans, dann kannst du nicht einfach die Produktion von Amerika in Niedriglohnländer verlagern, ohne die Fans zu fragen.

Denn gehört alles, was ich kaufe, mir? Gehört das Berliner Wasser, wenn ich es kaufe, dann mir? Kann ich den Mond kaufen? Wenn das so sein sollte, ist ja schon alles entschieden. Dann gehört die Welt den Banken und den Leuten, die am Finanzmarkt agieren. Die Antwort ist mir zu kurz.

Meine Mutter war Schneiderin und hatte in Laos keine andere Perspektive als am Fließband etwas herzustellen, damit andere Nationen billig ein T-Shirt kaufen können. Wir haben einen Wohlstand, der immer auf Kosten von jemand anderem da ist. Jetzt, wo ich selbst Teil der Wohlstandsnation bin, kann ich diese Produkte nicht noch unterstützen, weil das Dinge sind, weshalb meine Eltern geflohen sind.

Karma-Ökonom bin ich jeden Tag. Immer zwischen 13 und 14 Uhr in meiner Mittagspause und abends nach 17 Uhr. Ich habe ein Smartphone, da kann ich auch morgens viel erledigen, wenn ich am Hermannplatz auf den Bus warte. Ich bin total aktiv. Ich bin der vielleicht optimistische Berliner und sehe Berlin als eine Spielwiese, wo man total viel ausprobieren kann.

Ich will einfach herausfinden, was jeder Mensch braucht, um glücklich zu sein. Warum wünschen sich manche Menschen ein Leben, wie sie es nicht haben. Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen, deshalb beschäftigt mich das.
Notiert von Annett Heide.

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