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Meine Woche: Anja Kleye, Hospizhelferin

Anja Kleye ist Hospizhelferin.
Anja Kleye ist Hospizhelferin.
Foto: Markus Wächter / Waechter

Jeden Montag berichten hier Menschen, wie sie ihre Woche gestalten. Heute: Anja Kleye, Hospizhelferin.

Ich bin Anja Kleye, ich bin 50 und ich arbeite als ehrenamtliche Hospizhelferin. Wir sind für die Sterbenden da, die keinen Anhang haben, keine Freunde, keine Familie, und für Angehörige, die mal eine Pause brauchen.

Die meisten unserer Gäste, wie sie bei uns heißen, haben Krebs. Sie kommen in unterschiedlichsten Verfassungen ins Hospiz. Wir besuchen den Gast erstmal und stellen uns vor und gucken, was die Menschen gerne möchten. Menschen, die noch etwas lebendiger sind, möchten oft einfach auf den Kudamm oder ins KaDeWe. Im Sommer möchten viele noch mal eine Gartenparty feiern, die letzte in ihrem Leben. Andere wollen noch mal ein Bier trinken gehen.

Wir versuchen, solche Sachen zu ermöglichen. Die meisten Gäste liegen aber im Bett. Wir sitzen einfach bei ihnen und reden. Wenn es gewünscht wird, halten wir die Hand oder streicheln die Stirn, aber man muss erst ganz vorsichtig herausfinden, ob das gewollt wird.

Eigentlich gehe ich einmal in der Woche ins Hospiz, aber wenn Bedarf da ist, also jemand stirbt, kann es auch sein, dass ich mehrmals in der Woche hingehe. Es kann auch sein, dass ich eine ganze Nacht an einem Bett verbringe. Ich komme immer speziell für den Gast. Das Hospiz ruft mich an und fragt, ich kann auch Nein sagen, wenn mir das zu viel ist. In dem Moment, in dem der Gast stirbt, sitze ich einfach still da und warte dann noch ein bisschen. Dann rufe ich das Pflegepersonal.

Das Sterben verläuft in Phasen, die man erkennen kann. Sterbende haben einmal eine ganz besondere Atmung mit Aussetzern. Manche Gäste sind total weg und reagieren gar nicht mehr. Aber manche, bei denen wir denken, der überlebt die nächsten fünf Stunden nicht, lebt zwei Tage später immer noch. Das klingt jetzt ein bisschen hart, aber das tut mir immer so leid. Die können einfach nicht loslassen und sagen dann auch, dass sie nicht sterben wollen.

Gleichzeitig merken sie, wie schlecht es ihnen geht. Die quälen sich. Viele wollen noch etwas klären, meistens mit ihren Kindern. Sie können einfach nicht akzeptieren, dass es jetzt das Ende ist.

Ich habe mir oft die Frage gestellt, warum ich das mache. Ich bin Krankenschwester und habe lange auf einer Krebsstation gearbeitet. Da hatten wir nie Zeit für die Sterbenden. Wir hatten den Stationsablauf und die Chemotherapie, wir konnten uns nie zu jemandem, der im Sterben lag, einfach mal dazusetzen.

Das fand ich ganz furchtbar. Da habe ich schon gedacht, dass ich gerne mal Sterbende begleiten würde. Für mich gehört es im Leben auch dazu, anderen zu dienen. Deshalb bin ich Krankenschwester geworden.

Ich habe bestimmt schon zweihundert Leute sterben sehen. Eigentlich wüsste ich selbst gerne, wie es ist zu sterben. Aber da kann ich tausend Leuten beim Sterben zugucken und ich weiß es trotzdem nicht.

Notiert von Annett Heide

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Was in Berlin passiert, beschäftigt oft die ganze Republik. Wir schreiben Nachrichten, Reportagen und Analysen aus dem Herzen der Hauptstadt. Und sagen, was wo läuft.


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