Ich heiße Volker Homes und bin beim WWF Leiter Artenschutz und Traffic, wo ich mich mit dem Handel von Pflanzen- und Tierarten beschäftige. Ich bin Biologe, aber im Naturschutz sind nicht alle Biologen, wir haben auch eine ganze Menge Landschaftspfleger, Förster und Politologen, die Vielfalt macht es bei uns aus. Ich komme gerade aus dem Krüger Nationalpark in Südafrika. Einmal im Jahr treffen sich die Kollegen aus aller Welt, vierzig Leute, um über das Programm zu sprechen. Das ist sozusagen unsere Bibel. Wir sprechen dann über die einzelnen Einheiten, die Elefanten Afrikas, die Orang Utans, die Tiger oder die Wale.
Unser Ziel ist der Erhalt von Arten. Bei den Tigern zum Beispiel ist unser Ziel die Verdoppelung der Tiger in den nächsten zehn Jahren. Aber wir haben uns in Südafrika getroffen und nicht in Indien, weil da gerade die Wilderei auf Nashörner tobt. Es gibt ungefähr noch 25.000 Nashörner, und die meisten Breitmaulnashörner, die momentan gewildert werden, werden im Krüger Nationalpark geschossen. Der wird zwar bewacht, ist aber so groß, dass man nicht alles auf einmal bewachen kann. Er grenzt an Mosambique, von wo die Wilderer kommen. Der Anreiz, ein Nashorn zu wildern, das im Endverbrauch mehrere tausend Euro wert ist, ist ein ganz, ganz hoher, solange der Preis so hoch ist. Das funktioniert wie im Drogenhandel.
Es herrscht Krieg zwischen denen, die das Nashorn bewachen, und denen, die das Nashorn haben wollen. Es herrscht Angst. Wir haben mit den Rangern gesprochen, deren Job vor zehn Jahren als Traumberuf galt, die haben jetzt Angst um ihr Leben.
Die Wilderer sind paramilitärische Einheiten mit Maschinengewehren und Nachtsichtgeräten. Es geht nur um Profit. Das Nashorn wird vor allem nach Vietnam verkauft. Früher war China der Hauptabnehmer, da ging es um Medizin. In Vietnam will es die Elite der Neureichen, die es zur Entgiftung von Alkohol- und Drogenexzessen einsetzt. Das ist ein neues Phänomen, wir nennen es den Ferrari-Faktor. Deren Motto ist: Ich habe die Verbindungen und das Geld, mir das Nashorn zur Bekämpfung meiner Kopfschmerzen zu leisten.
Wir sind Ideengeber, ein Motor von Sachen, die nicht bekannt würden, wenn es uns nicht gäbe. Wir können keine Entscheidungen treffen, die treffen die Politiker. Aber wenn wir jetzt nicht aufpassen, werden wir bald alle Nashörner verlieren. Meine Woche verbringe ich jetzt wieder am Schreibtisch, das ist mein Hauptarbeitsplatz. Ich telefoniere, bespreche Modellprojekte, gehe in Meetings, viele, viele Meetings. Wir versuchen andere davon zu überzeugen, dass sie mit unserer Idee loslaufen und die Entscheidung dazu treffen.
Notiert von Annett Heide.
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