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Mellowpark an der Wuhlheide: Große Sprünge – unsichere Zukunft

Hoch hinaus geht’s im Mellowpark an der Wuhlheide. Ob das auch künftig noch möglich ist, wird demnächst geprüft.

Hoch hinaus geht’s im Mellowpark an der Wuhlheide. Ob das auch künftig noch möglich ist, wird demnächst geprüft.

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dpa/Britta Pedersen

Wer glaubt, dass Politik für Beständigkeit steht, kann irren. Manchmal kommen jähe Wendungen, wenn man gerade nicht damit rechnet. Zu beobachten ist dies derzeit in Köpenick. An der dortigen Wuhlheide liegt ein Grundstück, das zu Recht als Filetgrundstück gilt: 63 000 Quadratmeter in feinster Spreelage, geschätzter Wert: etwa sechs Millionen Euro. Auf diesem Areal bauen die Jugendlichen des Mellowparks an ihrem Traum. Langfristig wollen sie dort einen Olympiastützpunkt für die Trendsportart Bicycle Moto Cross, kurz BMX, entwickeln. Seit 2008 in Peking erstmals bei Olympia BMX-Wettkämpfe stattfanden, kommen immer mehr Jugendliche nach Köpenick, um dort auf kleinen Spezialrädern große Kunst auf Rampen, Hügeln und anderen Hindernissen zu üben. Bis zu 50 000 Sportbegeisterte zieht es jährlich dorthin.

Aber das Grundstück weckt Begehrlichkeiten. Vor Jahren wollte ein Investor dort Luxuswohnungen bauen. Der Bezirk blieb standhaft: Er gab seinem Jugend- und Sportprojekt einen Nutzungsvertrag bis 2020. Jetzt steht die Vertragsverlängerung an, weil die Aktiven für Investitionen und Bau-Gutachten langfristige Sicherheiten bei Banken vorlegen müssen. Ursprünglich war die Unterzeichnung für Dienstag dieser Woche vorgesehen, doch sie wurde abgesagt, weil man sich nicht über einige Vertragsklauseln einigen konnte. Beinahe zeitgleich traf ein Brief im Köpenicker Rathaus an, in dem Dirk Zingler, der Präsident des Fußballvereins 1. FC Union, sein Interesse am Mellowpark-Gelände formulierte. „Wir sind bereit“, heißt es in dem Schreiben, das der Berliner Zeitung vorliegt, „diese Fläche zum Beendigungstermin der jetzigen Mietverträge oder zu jedem früheren Zeitpunkt zu übernehmen.“

Dass der 1. FC Union das Areal schräg gegenüber seinem Stadion gern hätte, ist bekannt. Seit Jahren sucht der Verein ein Gelände für ein neues Nachwuchsleistungszentrum. Derzeit müssen die Kinder- und Jugendteams auf verschiedenen Plätzen im Bezirk trainieren, am Stadion ist kein Raum für Expansion. Fünf bis sechs Angebote hatte der Bezirk vorgelegt, alle seien nicht geeignet, heißt es bei Union. Weil hoffnungsvolle Talente immer wieder abwanderten, weil sie woanders bessere Bedingungen vorfänden, sei die Zukunftsfähigkeit des 1. FC Union gefährdet, so Zingler. Am Bruno-Bürgel-Weg in Treptow, wo der Nachwuchs derzeit trainiert, kann nicht ausgebaut werden. Und bei der Sportanlage am FEZ in der Wuhlheide handele es sich um ein Wald- und Naturschutzgebiet, wo es „sehr schwierig“ werden könne, teilt Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) mit. Umweltverbände hätten schon Klagen angedroht, Naturschutzbehörden ihr Veto eingelegt. Ausgerechnet dieses „schwierige“ Areal schlägt Zingler in seinem Brief für den Mellowpark vor, der dort mit seinen Spezialrampen wohl erst recht nicht zum Zuge käme.

Vertrag wird überprüft

Im Bezirksparlament waren sich am Donnerstagabend alle einig, dass man beide Vereine nicht gegeneinander ausspielen darf. Die Mehrheit aus Linken, Piraten, Grünen und CDU stimmte für die Verlängerung des Vertrags mit dem Mellowpark. Die SPD beklagte, dass der 1. FC Union wieder leer ausgehe.

Das Jugendprojekt muss aber noch mit weiteren Schwierigkeiten rechnen: Demnächst will sich der Vermögensausschuss des Abgeordnetenhauses mit dem Vertrag befassen, wie der SPD-Politiker Karlheinz Nolte sagt: „Wir wollen prüfen, ob die Vertragsverlängerung mit der neuen Liegenschaftspolitik übereinstimmt“. Auch Subventionstatbestände würden überprüft. Weil Jugendprojekte keine Miete bezahlen, entgingen dem Land hier Pachteinnahmen in Höhe von 400 000 Euro jährlich. Ob das so fortgeführt werden könne, müsse abgewogen werden. Nolte ist übrigens nicht nur Chef des mächtigen Ausschusses, sondern auch Mitglied im Aufsichtsrat des 1. FC Union.