Angekommen in Berlin: Der neue Hertha-Trainer Michael Skibbe. Foto: Reuters
Angekommen in Berlin: Der neue Hertha-Trainer Michael Skibbe. Foto: Reuters
Berlin –
Abheben in Schönefeld, Bewährungsprobe am 1. Mai, Hoffnung für Hertha und Rückkehr aufs S-Bahngleis: Wir zeigen Ihnen Menschen, die in diesem Jahr die Stadt verändern und bewegen werden.
Der mit einer Körperhöhe von 2,02 Metern vermutlich längste Hotelchef Berlins will ganz an die Spitze. Der Generaldirektor des ersten Waldorf Astoria in Deutschland, der nobelsten Marke des Hilton-Konzerns, ist überzeugt davon, dass sein Haus erste Wahl für prominente Berlin-Besucher aus aller Welt wird – und Stadtgespräch.
Wenn das Waldorf Astoria Berlin im Frühjahr im 118 Meter hohen „Zoofenster“ am Charlottenburger Breitscheidplatz eröffnet wird, bekommen das Adlon am Brandenburger Tor und das Hotel de Rome am Bebelplatz starke Konkurrenz. Als einziges Superluxus-Hotel in der City West zieht das Waldorf Astoria bereits Monate vor der Eröffnung Gäste an.
Der GD verspricht „true Waldorf Service“ wie im legendären Stammhaus an der Park Avenue in New York, zeitlose Eleganz und Noblesse. Ob die Präsidenten-Suite im 31. Stock mit 360-Grad-Rundumblick schon geordert ist, darüber schweigt Niemann, der sehr charmant plaudern kann, eisern – Diskretion gehört nun mal zum Geschäft.
Von Birgitt Eltzel
Foto: ddp
Der Boss hat was zu sagen
Bruce Springsteen: Zum ersten Mal seit 2005 ist der „Boss“ wieder in der Stadt zu sehen. Der Auftritt von Bruce Springsteen am 30. Mai im Olympiastadion zählt zweifellos zu den größten Konzertereignissen in diesem Jahr. Wahrscheinlich ist es die letzte Tour, die er mit seiner E-Street-Band unternimmt – ohne seinen langjährigen Wegbegleiter, den großen Saxofonisten Clarence Clemons, der im Juni 2011 im Alter von 69 Jahren verstorben ist. Für das Frühjahr ist auch ein neues Album angekündigt; nicht nur in musikalischer Hinsicht darf man darauf gespannt sein.
Denn Springsteen gilt schon seit langem als Gradmesser für die Stimmung in seinem Lande. Von der Euphorie und dem Optimismus, die er noch auf seinem 2009er Album „Working On A Dream“ verbreitete, ist inzwischen wenig übrig geblieben. Damals besang er die Aufbruchsstimmung unter dem neuen Präsidenten Obama; angesichts von Wirtschaftskrise und steigender Arbeitslosigkeit in den USA sieht auch er sich in seinen Hoffnungen enttäuscht. In einem viel zitierten Text, den Springsteen kurz vor Weihnachten in der Washington Post veröffentlichte, verglich er die Lage seines Landes mit der Großen Depression in den 1930er-Jahren.
Von Jens Balzer
Foto: imago
Olympische Alleskönnerin
Lena Schöneborn:
Stellt sich immer wieder die Frage, wie die 25-Jährige das alles packt. Wie sich so ein Leben als zielstrebige Studentin, erfolgreiche Hochleistungssportlerin und gefragte Werbefigur organisieren lässt. Lena Schöneborn hat auf diese Frage selbst noch keine schlüssige Antwort gefunden, sie weiß nur, dass die Leidenschaft für den Modernen Fünfkampf, diese Kombination aus Fechten, Schwimmen, Springreiten, Schießen und Laufen, die unabdingbare Voraussetzung für ein gelebtes Glück ist.
Bei den Olympischen Sommerspielen, die in diesem Jahr vom 27. Juli bis zum 12. August in London stattfinden werden, geht die im zwischen Bonn und Köln gelegenen Troisdorf geborene Wahlberlinerin als Titelverteidigerin an den Start. Als diejenige, die es beim Pentathlon zu schlagen gilt. Wobei sich im Vergleich zu den Spielen in Peking 2008 die Konkurrenz doch erheblich verschärft hat.
Die britischen Starterinnen gilt es zu beachten, die amtierende Weltmeisterin Victoria Tereschuk aus der Ukraine und natürlich die Französin Amélie Cazé, die in den vergangenen drei Jahren ihren hoch komplexen Sport dominierte. Lena Schöneborn, die das Jahr 2011 als Weltranglistenersten beendete, sagt: „Ich weiß wirklich nicht, ob ich jetzt die Topfavoritin für die Spiele in London bin. Das Ganze hat sich ein bisschen zugespitzt. Da hängt es wirklich von der Tagesform ab, wer das Rennen macht.“
Von Markus Lotter
Foto: dapd
Die Kindergärtnerin
Ramona Pop:
2012 wird ihr Jahr, wie auch immer. Die Grünen-Fraktionschefin muss dafür sorgen, dass aus dem „Kindergarten“, wie Wolfgang Wieland die Fraktion zutreffend nannte, wieder eine ernstzunehmende politische Kraft wird. Immerhin sind die Grünen die größte Oppositionsfraktion und für die grüne Partei in Berlin ist die Fraktion seit jeher das Kraftzentrum.
Eigentlich wird es laut Satzung von einer Doppelspitze geführt, auf die sich aber die „Linken“, die „Realos“ und die Flügelunabhängigen nicht einigen konnten. Zwar hat Pop ihren Anteil an dem grünen Wahl-Schlamassel, der mehr Stimmen, aber wieder nur die Oppositionsrolle brachte. Aber irgendwie hat sie es mit der ihr eigenen Beharrlichkeit geschafft, übrig zu bleiben.
Gelingt es ihr, mit zarter, aber fester Hand die verhaltensauffälligen Kreuzberg-Neuköllner Kids wieder in die Gruppe zu integrieren, die dominierenden Realos zu mehr Klugheit im Umgang mit abweichenden Positionen der „Linken“ anzuhalten und die vorhandenen Talente auf allen Flügeln zu entfalten, wäre das eine Empfehlung für höhere Führungsaufgaben.
Von Thomas Rogalla
Foto: Thomas Uhlemann
Bereit zum Start
Rainer Schwarz:
Wenn am frühen Morgen des 3. Juni die erste Maschine vom neuen Flughafen BER abhebt, ist das auch ein Symbol: Ab jetzt soll es nur noch aufwärts gehen mit der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg. Kein anderes Infrastrukturprojekt in Ostdeutschland weckt mehr Hoffnungen bei Politikern und Wirtschaftsvertretern. Dass sie nicht enttäuscht werden, dafür muss Flughafenchef Rainer Schwarz sorgen.
Schönefeld habe die besten Wachstumschancen – als einziger großer Flughafen in Deutschland, sagte der Manager schon bei seinem Amtsantritt 2006. Da hatte Schwarz schon viele Jahre Erfahrungen an den Flughäfen München, Nürnberg und Düsseldorf gesammelt und die höchstrichterliche Bestätigung für den Standort Schönefeld war gerade gefallen.
Am Erfolg des Berliner Flughafens, der bereits vor zwei Monaten öffnen sollte, lässt der 55-Jährige auch heute nicht rütteln. Auch nicht von den tausenden Protestierern, die sich durch den Fluglärm am wohl bald modernsten Airport Europas schlicht gestört fühlen.
Von Jürgen Schwenkenbecher
Foto: Thomas Uhlemann
Buhmann der Griller
Carsten Spallek:
Der Christdemokrat schätzt sich selbst als beharrlich und durchsetzungsstark ein. Diese Eigenschaften wird der 40-jährige Baustadtrat von Mitte wohl auch brauchen, denn er muss das von ihm und seiner Partei initiierte Grillverbot im Tiergarten nun durchsetzen. Das Grillverbot – von SPD und CDU beschlossen, um jährlich 300 000 Euro Reinigungskosten zu sparen – trat am gestrigen Sonntag in Kraft.
Die Berliner Grillgemeinde hat Spallek schon zum Buhmann auserkoren, türkische Verbände kündigen bereits ein Protestgrillen an. Trotzdem hält Spallek das Verbot für unvermeidlich: Viele Griller hätten sich wie Vandalen benommen, Müll hinterlassen und heiße Kohle in Büsche geworfen. Zum Start der Grillsaison will Spallek die 38 Mitarbeiter des Ordnungsamtes verstärkt im Tiergarten auf Streife schicken, unterstützt durch die Polizei. Alternativer Grillplatz: das Tempelhofer Feld.
Von Uwe Aulich
Foto: Reuters
Smart ins obere Drittel
Michael Skibbe:
Es gibt viele Gründe, warum der 46-Jährige in diesem Jahr ein ganz wichtiger Berliner werden wird. Der neue Cheftrainer von Hertha BSC ist zielorientiert. „Hertha besitzt einen großen Namen“, lobt Skibbe seinen Arbeitgeber, „langfristig muss die Mannschaft da spielen, wo der Klub hingehört – im oberen Drittel der Bundesliga.“
Skibbe ist Berlin-affin, taktisch klug verkündete er, sich sofort eine Wohnung zu suchen (keine Hotelsuite wie sein Vorgänger Markus Babbel). Bravo! Skibbe ist zudem ein smarter Typ, was den weiblichen Anteil der Stadionbesucher erneut ansteigen lassen wird. Und er weiß, wie es sich anfühlt, einen Pokal in den Himmel zu recken.
Mit Galatasaray Istanbul gewann er einst den türkischen Supercup. Nur noch drei Spiele (Viertel-, Halb-und Finale) trennen ihn mit Hertha vom langersehnten Triumph im DFB-Pokal. Sollte der am 12. Mai tatsächlich gelingen, wäre ihm die Ehrenbürgerschaft Berlins sicher. Da verzeihen ihm die Hertha-Fans, die dem FC Schalke in Abneigung verbunden sind, sogar seinen Geburtsort: Gelsenkirchen-Ückendorf. Er kann ja nichts dafür.
Von Michael Jahn
Foto: Berliner Kurier
Ordnung in den Laden
Peter Buchner:
Es gibt gewiss schönere Jobs als den von Peter Buchner. Seitdem er im Chaosjahr 2009 über Nacht zum S-Bahn-Chef ernannt worden ist, ist er in seinem Team mit Energie dabei, den heruntergewirtschafteten Laden wieder in Ordnung zu bringen. Dabei hatte er oft Pech, marode Technik und harte Winter machten ihm Striche durch seine schönen Rechnungen. Zuletzt legte ein Stromausfall bei DB Netz den Verkehr lahm. Doch trotz mancher Rückfälle hat sich die Berliner S-Bahn stabilisiert, heute rollen fast doppelt so viele Wagen wie vor einem Jahr.
Wenn das so weitergeht und bald auch endlich genug Fahrpersonal da ist, wird die Pannenfirma 2012 zu der von früher gewohnten Stabilität zurückfinden. Nicht ausgeschlossen, dass die Bahn Buchner irgendwann auf einen ruhigeren Posten im Konzern hochlobt. Das wäre verständlich, aber für die Berliner schade. Denn der gebürtige Niederbayer, der als Student als Liegewagenschaffner jobbte, ist ein echter Bahnfan, der sich für seine Fahrgäste einsetzt. Der 45-Jährige fährt selber tagtäglich mit der S 7 ins Büro.
Von Peter Neumann
Foto: dapd
Große Fußstapfen
Frank Henkel:
In der Landesregierung hat der CDU-Innensenator wahrscheinlich den schwersten Job. Der 48-Jährige muss beweisen, dass er genauso gut ist wie sein Vorgänger, der Sozialdemokrat Ehrhart Körting, der sich zehn Jahre lang um die Sicherheit in der Hauptstadt kümmerte.
Henkels Bewährungsprobe wird der 1. Mai 2012 sein. Als innenpolitischer Sprecher war Henkel für seine Hardliner-Rhetorik bekannt, muss man nun erwarten, dass er mit Wasserwerfern und brachialer Gewalt die Krawallmacher niedermachen wird? Nein. Rot-Schwarz will an der bewährten Deeskalationsstrategie der „ausgestreckten Hand“ festhalten. Einfach wird es trotzdem nicht. Ein schwarzer Innensenator dürfte für die Szene doch eine größere Provokation sein. Und Henkel hat fünf Monate vor dem Zitter-Tag noch nicht mal einen Polizeipräsidenten.
Von Sabine Rennefanz
Foto: dapd
Wandelndes Mysterium
Charlotte Gainsbourg:
Diese Frau kennt vermutlich keine Furcht. Und falls doch, weiß sie die gut zu beherrschen. Charlotte Gainsbourg hat zweimal mit dem Regisseur Lars von Trier zusammengearbeitet, der auch wegen seiner Bedenkenarmut berühmt ist. In „Antichrist“ hat sie sich, künstlerisch wertvoll natürlich, selbst verstümmeln müssen, und in „Melancholia“ stirbt sie am Ende gar.
Da wird sie sich wohl in der Berlinale-Jury behaupten können! Notfalls sogar gegen deren Präsidenten Mike Leigh, der auch nicht als überfreundlich bekannt ist – aber gewiss Respekt hat vor einer der interessantesten Schauspielerinnen der Welt. Denn das ist die Tochter von Jane Birkin und Serge Gainsbourg inzwischen. Und zudem ein wandelndes Mysterium von 40 Jahren: so unerklärlich wie ihre Behauptung, sie sei viel zu normal.
Von Anke Westphal
Foto: dpa
Höhepunkt mal ganz abstrakt
Gerhard Richter:
Mit spektakulärem Aufgebot zieht Deutschlands berühmtester lebender Maler und zugleich der derzeit teuerste moderne Bildermacher der Welt im Februar ein in die Neue Nationalgalerie am Kulturforum. Es ist der Ausstellungshöhepunkt 2012.
Der 1932 in Dresden geborene, an der dortigen Kunstakademie ausgebildete, 1961 aus der DDR geflohene und in Köln und Düsseldorf zu Erfolg und Rang gekommene Maler zeigt anlässlich seines 80. Geburtstages 150 der wichtigsten Gemälde aus allen Perioden, von der abstrakten Farbfeldmalerei bis zur mit dem Moment der Unschärfe arbeitenden fotografischen Stilistik, zu der auch die schon legendären Bilder zum Thema RAF zählen.
Die Schau (12. Februar-13. Mai) geht anschließend nach London und Paris.
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Kann Hertha BSC Berlin nach der Niederlage im ersten Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf den Klassenerhalt doch noch schaffen?