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Mercedes-Benz Fashion Week 2016 in Berlin: Wo war die wahre Mode der Fashion Week?

Es wurde weggesteckt, glattgezogen und artig gescheitelt. Damenhafter waren die Frisuren bei der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin selten.

Es wurde weggesteckt, glattgezogen und artig gescheitelt. Damenhafter waren die Frisuren bei der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin selten.

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Getty Images Europe

Hinterher hat man immer einen Kater, und das liegt jetzt nicht am Sekt, den Modemenschen Gerüchten zufolge ja zu jeder Zeit des Tages in sich hineinschütten. Nein, der Kater besteht in dem ernüchternden Gefühl, dass es das jetzt schon wieder war; dass es zu viel gewesen ist und doch auch zu wenig auf der Fashion Week. Zu viele Rock-mit-Pulli-Kombinationen wurden da gezeigt und zu viele Jogginghosen-Varianten, die nicht auf Laufstegen als Vision präsentiert werden sollten.

Mehr Mut würde man sich wünschen von der Modewoche. Weil es zu wenig Experimentelles, Überraschendes und Eigensinniges zu sehen gab. Zumindest im Zelt am Brandenburger Tor haben sich die Designer dem Diktat des Tragbaren verschrieben. Zur Not wird der beige Sweater eben mit bunter Schminke im Gesicht im Schauwert erhöht.

Trotzdem muss man nicht jammern, dass bitte die großen Marken wie Hugo Boss zurückkehren sollten. Denn dann sieht man im Vergleich nur, wie klein die Berliner Label doch sind – und wie langsam sie wachsen. Es gibt Orte wie den Berliner Mode Salon im Kronprinzenpalais, an dem man die zarten Pflänzchen in Ruhe begutachten kann und endlich glücklich staunen darf. Diesmal wurden 40 Designer aus Deutschland ausgewählt, zehn weitere kamen beim Vogue Salon im selben Haus dazu – genug Talent ist also vorhanden.

Das Kronprinzenpalais ist der Ort, an dem man Hoffnung haben darf, weil es tatsächlich um Modedesign geht, nicht ums Drumherum mit Glamour-Effekt – in kultiviert gedämpfter Atmosphäre, ohne Promi-Alarm. Wenn Mode aus Berlin wieder eine Marke wird, dann hier.