blz_logo12,9

Mercedes Benz Straßenname wird enthüllt: Mercedes bekommt Edith-Kiss-Straße

Edith Kiss bei der Arbeit an der Büste von ihrer Schwester Alice, 1943.

Edith Kiss bei der Arbeit an der Büste von ihrer Schwester Alice, 1943.

Foto:

Dr. Helmuth Bauer/3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)

Eines stand von Anfang an fest: Es musste eine Frau sein. So wie alle anderen Straßen rings um die Mehrzweck-Arena am Ostbahnhof sollte auch die östlich der Mercedes-Benz-Vertriebszentrale nach einer Frau benannt werden. Am heutigen Donnerstagabend werden die neuen Straßenschilder enthüllt – und Mercedes-Benz wird mit einem Teil seiner dunklen Geschichte konfrontiert.

Edith Kiss, eine ungarische Jüdin, die 1944 als KZ-Häftling in Genshagen für Daimler-Benz Zwangsarbeit leisten musste, wird mit der neuen Straße geehrt.

Das hatte man sich bei Mercedes zunächst ganz anders vorgestellt. Das Unternehmen, das sich gegenüber der East Side Gallery mehrere Neubauten für 1 200 Mitarbeiter bauen ließ, hätte dort gern eine repräsentative Adresse gehabt. Es schlug daher vor eineinhalb Jahren Bertha Benz vor, die Ehefrau des Firmengründers Carl Benz. Wahlweise wäre auch Baronin Mercedes Jellinek, die Namenspatronin der Automarke, recht gewesen.

Anhängerin Hitlers

Doch im Bezirksparlament von Friedrichshain-Kreuzberg, das letztlich über Straßennamen entscheidet, fielen beide Offerten durch. Im grün-rot regierten Szenebezirk, wo man ohnehin skeptisch auf Symbole des Kapitalismus wie den weithin sichtbaren Mercedes-Stern blickt, hieß es nahezu unisono: „Die können ja gerne hier ihre Zentrale bauen, aber wir sehen unsere Aufgabe nicht darin, Öffentlichkeitsarbeit für Mercedes zu machen.“ Zumal Bertha Benz im hohen Alter als Anhängerin Adolf Hitlers galt. Für ein Schreiben des „Führers“ zu ihrem 90. Geburtstag hatte sich die Patriarchin auf handgeschöpftem Büttenpapier „tief bewegt und in aufrichtiger Verehrung“ bedankt. Bertha Benz wurde also auch aus historischen Gründen zurückgewiesen.

Nun suchte man selbst nach einem Straßennamen. Das Bezirksmuseum brachte Ernes Merck ins Spiel, eine Fabrikantengattin und Rennfahrerin, die in den 1920er-Jahren als einzige Frau Profi-Autorennen fuhr. Aber auch diese nachweislich emanzipierte Frau erhielt keine Mehrheit.

Die Piraten fanden schließlich Edith Kiss, der Rest ist schnell erzählt. Bis auf die CDU, die in Friedrichshain-Kreuzberg ohnehin kaum eine Rolle spielt, waren alle Fraktionen im Bezirksparlament begeistert. „Wir finden es wichtig, Daimler mit den dunklen Seiten seiner Geschichte zu konfrontieren“, hieß es.

Adresse wird nicht geändert

Bei Mercedes-Benz wahrte man Gelassenheit. Es sei wichtig und richtig, hieß es, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Daher unterstütze man auch die Entscheidung des Bezirks. Doch auch wenn die neuen Straßenschilder hängen, seine offizielle Adresse ändert Mercedes nicht. Sie lautet weiterhin Mühlenstraße 30, obwohl an der Mühlenstraße kein Eingang ist.

Firmensprecherin Konstanze Fiola begründete dies so: Man wolle die bewährte Anschrift behalten. An der Edith-Kiss-Straße sei zudem nur ein Nebeneingang. Eine Ausrede, meint der Pirat Ralf Gerlich: „Hätten wir Bertha Benz genommen, wäre die Adresse sofort geändert worden.“


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?