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Mevlana-Moschee in Berlin: Freitagsgebet gegen Rassismus und Terror

Friedensgebet auf der Skalitzer Straße. 1000 Muslime kamen zum Gebet. Der Imam predigte und sang auf Türkisch und Arabisch.

Friedensgebet auf der Skalitzer Straße. 1000 Muslime kamen zum Gebet. Der Imam predigte und sang auf Türkisch und Arabisch.

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Reuters

Berlin -

Mit einem öffentlichen Friedensgebet haben tausend Berliner Muslime am Freitag in Kreuzberg gegen Rassismus und Extremismus demonstriert. Die Muslime, überwiegend Männer, saßen beim Gottesdienst auf Teppichen und Matten auf der abgesperrten Skalitzer Straße vor der Mevlana-Moschee.

Dies geschah im Rahmen des bundesweiten Aktionstag, zu dem muslimische Verbände aufgerufen hatten. Sie wollten damit ein Zeichen setzen gegen den Missbrauch ihrer Religion zur Rechtfertigung terroristischer Gewalt. Damit reagierten sie auf den Feldzug der IS-Milizen in Irak und Syrien.

In Kreuzberg predigte der Imam Sezan Cakan und sang über Lautsprecher auf Türkisch und Arabisch. Auf Deutsch sagte er dann: „Wir, die Muslime in Deutschland, stellen uns klar und deutlich überall gegen jede Art von Hass, Ungerechtigkeit und Terror.“ Allah mache keinen Unterschied zwischen Herkunft und Nationalität von Menschen.

Anschlag auf Moschee

„Endlich setzen die Muslime hier ein Zeichen gegen den islamistischen Terror. Das ist wichtig“, sagte ein Passant. Aycan Demirel, Leiter der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, solidarisierte sich mit den Teilnehmern der Kundgebung: „Ich finde es wichtig, dass Muslime auf ihre Betroffenheit und auf ihren erlebten Rassismus aufmerksam machen. Und sich selber zu Wort melden gegen Terror, Hass und Ungerechtigkeit.“

Initiatoren der Aktion sind der Zentralrat der Muslime, die Türkisch-Islamische Union (Ditib), der Islamrat und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ). An der Kundgebung in ganz Deutschland nahmen auch die Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau (Linke), der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir und die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi teil.

Der Ort für das öffentliche Friedensgebet an der Mevlana-Moschee war nicht zufällig gewählt worden. Auf den noch nicht fertiggestellten Anbau der Moschee war in der Nacht zum 12. August ein Brandanschlag verübt worden. Zu diesem Schluss kamen Staatsschützer zwei Wochen nach der Tat.

Bei der Suche nach Spuren hatten Kriminaltechniker des Landeskriminalamtes Reste von einer brennbaren Flüssigkeit. Zuvor war die Polizei davon ausgegangen, dass das Feuer durch einen technischen Defekt ausgebrochen war. Dieser Verdacht erhärtete sich nicht, weil das Gebäude nicht an ein Stromnetz angeschlossen war. Zudem war das Feuer zwischen Isolierplatten ausgebrochen, die schwer entflammbar sind. Ein Tatverdächtiger, ein Mann aus Jordanien, sitzt in Untersuchungshaft.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, versicherte am Freitag in der Skalitzer Straße den Muslimen in Deutschland seine Solidarität. „Sie stehen nicht allein“, sagte Schneider. Er dankte den muslimischen Verbänden „für die Klarheit“, mit der sie sich von jeder Form des Antisemitismus, aber auch vom Terror des „Islamischen Staates“ (IS) distanziert hätten. Dafür erhielt dafür starkem Beifall.

Alle Muslime hätten in ihrem Protest gegen den Terror „unsere volle Unterstützung“, erklärte auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Freitag in Berlin. „Wenn wir die gewaltbereiten Extremisten isolieren wollen, müssen wir die übrigen Muslime stärken. Wir dürfen nicht zulassen, dass Muslime in Deutschland unter Generalverdacht geraten“, sagte Maas.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) war zu einer Veranstaltung nach Hannover gereist. Er nannte die Mahnwache eine „großartige Aktion“. „Wenn wir ehrlich sind, gab es bei einem beträchtlichen Teil der nicht-muslimischen Bevölkerung in Deutschland einen Generalverdacht“, sagte de Maizière. Es sei sehr überzeugend, wenn Muslime in diesem Land sich vom Terror distanzierten und die IS-Terrormiliz verurteilten, so der Bundesinnenminister.