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Berliner Zeitung | Mieten in Berlin: In Moabit wird es teurer, am Görlitzer Park günstiger
27. January 2016
http://www.berliner-zeitung.de/23554270
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Mieten in Berlin: In Moabit wird es teurer, am Görlitzer Park günstiger

Begehrt trotz Drogenkriminalität, Partytourismus und exorbitanter Mieten: die Gegend rund um den Görlitzer Park in Kreuzberg.

Begehrt trotz Drogenkriminalität, Partytourismus und exorbitanter Mieten: die Gegend rund um den Görlitzer Park in Kreuzberg.

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Markus Wächter

Eben noch gehörte der Szenekiez am Görlitzer Park in Kreuzberg zu den Vierteln, in denen die Mieten rasant stiegen. Doch das hat sich geändert. Im Gebiet westlich und südwestlich des Parks sind die Angebotsmieten für freie Wohnungen im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent zurückgegangen – auf 11,50 Euro je Quadratmeter (kalt).

Das geht aus dem Wohnmarktreport Berlin 2016 hervor, der am Mittwoch vom Immobiliendienstleister CBRE und der Bank Berlin Hyp präsentiert wurde. In den Report flossen fast 50.000 Mietangebote sowie rund 31.000 Kaufangebote für Wohnungen ein, die in den ersten drei Quartalen 2015 veröffentlicht wurden. Das Besondere: Der Report gibt über die Preise bis auf Ebene der 190 Postleitzahlengebiete Auskunft.

An Attraktivität verloren

Nicht nur am Görlitzer Park, auch rund um den Mehringdamm in Kreuzberg bröckelten die Angebotsmieten – um 2,1 Prozent. Die Entwicklung zeigt, dass die Zahlungsbereitschaft in Gebieten mit überhitzten Preisen an ihre Grenzen stößt. Beim Görlitzer Park könnten allerdings auch die Probleme mit Drogendealern dazu geführt haben, dass das Wohngebiet an Attraktivität verliert. Trotz einzelner Gebiete, in denen die Mieten bröckeln, ist Friedrichshain-Kreuzberg mit einer durchschnittlichen Angebotsmiete von 11 Euro je Quadratmeter das teuerste Pflaster Berlins. Gefolgt von Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf.

Der Durchschnitt liegt sehr viel niedriger: Wer in der Hauptstadt eine Wohnung mieten wollte, sollte dafür im vergangenen Jahr im Schnitt 8,99 Euro je Quadratmeter kalt zahlen. Das waren 5,1 Prozent mehr als 2014. Der Auftrieb der Mieten hat sich damit erneut abgeschwächt. Auf die Mietpreisbremse, die seit Juni 2015 in Berlin gilt, ist das nach Ansicht des CBRE-Experten Henrik Baumunk aber nicht zurückzuführen. „Ich glaube, die Entwicklungen wären auch ohne Mietpreisbremse eingetreten“, sagt Baumunk.

So seien im unteren Preissegment, den zehn Prozent der günstigsten Angebote, die Mieten im Schnitt nur um zwei Prozent gestiegen. Das sei darauf zurückzuführen, dass die Grenzen der Zahlungsfähigkeit erreicht seien. „Offenbar ist der Gesamtdruck auf dem Berliner Wohnungsmarkt nach wie vor nicht so hoch, dass Einkommensstärkere in dieses unterste Segment drängen und höhere Angebotsmieten durchsetzbar machen“, so Baumunk.

Auffällig ist, dass in der Nähe des S-Bahnrings die bislang eher niedrigen Mieten überdurchschnittlich stark anziehen. Dazu gehören beispielsweise der Humboldthain und der Nauener Platz in Wedding, Tempelhof-Ost sowie das Gebiet um die Beusselstraße und den Großmarkt in Moabit. Offenbar weichen die Wohnungssuchenden, die innerhalb des S-Bahnrings keine Wohnung zu ihren Preisvorstellungen finden, dorthin aus.

Handel mit Bauflächen

Um ausreichend Wohnungen für Berliner und Flüchtlinge zu errichten, sollte künftig stärker in die Höhe gebaut werden, schlägt Berlin Hyp-Vorstandsmitglied Gero Bergmann vor. „Wir brauchen einen Hochhaus-Rahmenplan.“ Diskutiert werden sollte, ob Flüchtlingsfamilien nicht stärker in Regionen mit hohem Wohnungsleerstand untergebracht werden können.

Nicht nur die Mieten steigen, auch die Preise für Eigentumswohnungen verteuern sich. In den ersten drei Quartalen 2015 wurden Eigentumswohnungen in Berlin im Schnitt für 3 000 Euro je Quadratmeter angeboten. Besonders teuer sind Eigentumswohnungen in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg-Wilmersdorf. Das Problem: Der Handel mit Grundstücken verteuert das Bauen, wie Michael Schlatterer von CBRE berichtet. So habe zum Beispiel im vergangenen Jahr der Käufer eines Baugrundstücks zunächst nur eine Bodenplatte errichtet – und die Fläche sechs Monate später für 50 Prozent mehr verkauft.

Der Wohnmarktreport im Internet unter: www.berlinhyp.de


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