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Berliner Zeitung | Mieten in Berlin: Singles sind am stärksten belastet
19. November 2012
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Mieten in Berlin: Singles sind am stärksten belastet

Blick aus dem Berliner Fernsehturm: Jeder Mieterhaushalt der Hauptstadt gibt im Schnitt 28,6 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete aus.

Blick aus dem Berliner Fernsehturm: Jeder Mieterhaushalt der Hauptstadt gibt im Schnitt 28,6 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete aus.

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dpa

Berlin -

Die Berliner müssen etwas mehr als ein Viertel ihres monatlichen Nettoeinkommens für die Miete ausgeben. Und dabei sind die Ausgaben für Heizung und Warmwasser noch nicht mal enthalten. Das geht aus den Ergebnissen des Mikrozensus zur Wohnsituation im Land Berlin 2010 hervor, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg jetzt veröffentlicht hat. Jeder Mieterhaushalt der Hauptstadt gibt danach im Schnitt 28,6 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete aus. Das ist die Miete ohne Kosten für Heizung und Warmwasser.

Besonders hoch ist die Mietbelastung für Singles, am geringsten ist sie für Haushalte mit zwei Personen. Größere Haushalte, also Familien mit Kindern, müssen ebenfalls einen höheren Anteil des Einkommens für die Miete aufbringen, aber nicht so viel wie Singles.



Der Blick auf die Bezirke zeigt, dass Menschen in Neukölln besonders hart betroffen sind. Dort müssen die Haushalte im Schnitt 30,7 Prozent ihres monatlichen Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete bezahlen. Und das, obwohl die durchschnittliche Miete in Neukölln mit 6,33 Euro je Quadratmeter fast am niedrigsten in Berlin ist. Die Einkommen sind es jedoch auch. 7,8 Prozent der Haushalte in Neukölln müssen von ihrem Einkommen sogar 50 Prozent und mehr für die Bruttokaltmiete aufbringen.

Zum Vergleich: In ganz Berlin sind es gerade mal 5,3 Prozent der Haushalte, die so viel für die Bruttokaltmiete berappen. Die geringste Mietbelastungsquote ermittelten die Statistiker mit 26,7 Prozent im Bezirk Lichtenberg.

„Die Ergebnisse des Mikrozensus zeigen, dass die Belastungsgrenze für Haushalte mit geringen Einkommen überschritten ist“, sagt der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild. „Das führt zu massiven Einschränkungen im Konsum bis hin zu prekären Lebensverhältnissen.“



Die höchsten Mieten müssen die Bewohner von Charlottenburg-Wilmersdorf mit durchschnittlich 7,21 Euro je Quadratmeter bezahlen. Danach folgen Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg. Die niedrigsten Mieten gibt es mit 6,20 Euro je Quadratmeter in Marzahn-Hellersdorf. Insgesamt ist die Bruttokaltmiete in Berlin von 1993 bis zum Jahr 2010 von 4,07 auf 6,74 Euro je Quadratmeter Wohnfläche gestiegen. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 50 Prozent.

Neubauwohnungen sind deutlich teurer als ältere Unterkünfte. Während in Wohnungen, die bis 1990 errichtet wurden, im Schnitt eine Miete von 6,69 Euro je Quadratmeter verlangt wird, müssen Bewohner in Häusern, die ab 1991 fertiggestellt wurden, eine Miete von 8,89 Euro je Quadratmeter zahlen. Auch der Einzugstermin wirkt sich auf die Miethöhe aus. Hier gilt fast ausnahmslos die Regel, dass die Mietbelastung umso geringer ist, je länger die Mieter in der Wohnung leben. Wer ab 2007 eine Wohnung bezog, muss im Schnitt 30 Prozent seines Einkommens für die Bruttokaltmiete bezahlen. Wer dagegen vor 1981 in seine Wohnung zog, der muss nur 26,8 Prozent des Einkommens für die Miete aufbringen.

Der Vergleich Berlins mit anderen Bundesländern in puncto Mietbelastung ist derzeit nicht möglich. Grund dafür sind unterschiedliche Erhebungsmethoden zwischen Bundes- und Landesämtern. So ermittelt das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg nach eigener Darstellung zuerst die Mietbelastung für jeden Haushalt aus seiner individuellen Bruttokaltmiete und seinem individuellen Haushaltseinkommen und berechnet danach den Durchschnitt der individuellen Belastungsquoten innerhalb der verschiedenen Haushaltsgrößen.

Das Statistische Bundesamt ermittelt die Mietbelastung hingegen aus der Summe aller Bruttokaltmieten geteilt durch die Summe der Haushaltseinkommen. Im Ergebnis führt die unterschiedliche Herangehensweise zu deutlich abweichenden Zahlen. So beläuft sich die Mietbelastungsquote in Berlin laut Statistischem Bundesamt nur auf 23,6 Prozent. Damit liegt sie also fünf Prozentpunkte unter der Zahl des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg. Zwar erscheinen die Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg näher an der Realität zu sein als die des Bundesamtes, doch stehen sie noch unter Vorbehalt. Es könne sein, dass die Ergebnisse noch einmal revidiert werden müssen, so das Amt, es müsse aber nicht sein.


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