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Mietwohnungen werden zu Eigentumswohnungen: Mietverein will Umwandlung stoppen

Immer mehr Mietwohnungen werden in Eigentumswohnungen umgewandelt (Archivbild).

Immer mehr Mietwohnungen werden in Eigentumswohnungen umgewandelt (Archivbild).

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Imago/Müller-Stauffenberg

Berlin -

In Berlin werden immer mehr Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt. Das geht aus Angaben des Gutachterausschusses für Grundstückswerte zum Berliner Immobilienmarkt 2013/2014 hervor. Waren es im Jahr 2010 noch 4535 Mietwohnungen, die in Eigentumswohnungen umgewandelt wurden, so stieg die Zahl im Jahr 2013 auf 9178 Wohnungen. Innerhalb von vier Jahren hat sich die Zahl der umgewandelten Wohnungen damit verdoppelt.

Der Berliner Mieterverein (BMV) schlägt Alarm. „Der Anstieg bei der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen ist besorgniserregend“, erklärte BMV-Geschäftsführer Reiner Wild am Donnerstag. Mit der Umwandlung seien für Mieter zwei große Risiken verbunden: Zum einen drohe ihnen der Verlust der Wohnung, wenn der neue Eigentümer Eigenbedarf anmelde, zum anderen sei ein rascherer Mietenanstieg zu befürchten.

Vor dem Verlust der Wohnung wegen Eigenbedarfs schütze zwar zunächst eine zehnjährige Frist für Kündigungen, so Wild. Gleichwohl werde auf die Mieter oft Druck ausgeübt, beispielsweise in dem ihnen der Auszug gegen eine Geldzahlung nahe gelegt wird. Zum Mietenanstieg gebe es Studien nach denen das Mietniveau in umgewandelten Wohnungen um bis zu 30 Prozent höher sei als das Niveau nicht umgewandelter Wohnungen im gleichen Quartier, so der BMV-Geschäftsführer.

„Berlin braucht daher dringend wie Hamburg und München einen Umwandlungsstopp in Milieuschutzgebieten“, fordert Wild. Für die Stadtteile Prenzlauer Berg und Kreuzberg wäre dies „eine erfolgversprechende Unterstützung“. Die CDU müsse „endlich ihre mieterfeindliche Blockade der Umwandlungsverordnung aufgeben“.

CDU lehnt Eingriffe bisher ab

Während sich die SPD seit Langem für eine Verordnung einsetzt, mit der die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen gestoppt werden kann, lehnt die CDU dies ab. Sie will nach zahlreichen Eingriffen des Senats auf dem Wohnungsmarkt, wie dem Verbot von Ferienwohnungen und der Begrenzung von Mieterhöhungsspielräumen, nicht noch mehr Beschränkungen durchsetzen.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bekräftigte am Donnerstag die Forderung nach einer Verordnung zum Stopp der Umwandlungen. Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup sagte, es wäre „wünschenswert, wenn die Koalition in Berlin sich entschließen könnte, eine Umwandlungsverordnung zu erlassen.“ Die gestiegenen Zahlen der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen belegten, dass es richtig gewesen sei, den Schutz vor Eigenbedarfskündigungen auf zehn Jahre in ganz Berlin auszudehnen. Dies hatten SPD und CDU beschlossen.

Wie aus dem Bericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte zum Berliner Immobilienmarkt hervor geht, wurden in der Hauptstadt im vergangenen Jahr so viele Transaktionen getätigt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Notare beurkundeten 35.215 Kaufverträge für Häuser, Wohnungen und Grundstücke. Damit stieg die Zahl der Transaktionen um fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2012. Der Gutachterausschuss ist ein unabhängiges Gremium aus rund 50 Immobilien-Experten. Aufgabe des Ausschusses ist es, Transparenz auf dem Grundstücksmarkt herzustellen. Die Angaben über Kaufpreise und Verträge basieren auf den notariell beurkundeten Geschäften.

Insgesamt wechselten im vergangenen Jahr in Berlin Häuser, Grundstücke und Wohnungen für 14,6 Milliarden Euro den Besitzer. Das entspricht einer Steigerung von 15 Prozent gegenüber 2012. Nur im Jahr 2006 war mit Verkäufen im Umfang von 14,8 Milliarden Euro noch mehr Geld auf dem Immobilienmarkt umgesetzt worden. Nahezu jeder siebte Kaufvertrag wurde über Immobilien in den Bezirken Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf abgeschlossen. Bei etwa jedem dreißigsten Geschäft fand eine Immobilie in Marzahn-Hellersdorf einen neuen Besitzer. Insgesamt wurden in Berlin 23.861 Eigentumswohnungen verkauft. Das entspricht einem Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2012.

Neubau überwiegend Eigentum

Zwar werden auch im Wohnungsneubau überwiegend Eigentumswohnungen errichtet, doch der Bau von Mietwohnungen kommt langsam in Gang. In Berlin sind derzeit 191 Projekte mit rund 13.900 Mietwohnungen in Bau oder geplant. Das geht aus einem Report der Wohnungsbaugesellschaft Howoge und des Immobilien-Analyse-Hauses BulwienGesa hervor.

Die Zahl der vom Senat angestrebten 10.000 Neubauwohnungen pro Jahr reicht laut Andreas Schulten, Vorstand von BulwienGesa, nicht aus. In den nächsten drei Jahren seien 20.000 neue Wohnungen pro Jahr nötig.