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Mini-Apartments : Studenten-Containerdorf im Plänterwald wird fertig gebaut

Nelly (r.) heißt der zweite Baukomplex, der ab März bezugsfertig sein soll.

Nelly (r.) heißt der zweite Baukomplex, der ab März bezugsfertig sein soll.

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berliner zeitung/Gerd Engelsmann (2)

Endlich geht’s auch bei Nelly voran“, sagt Sina Eberhardt. Sie zeigt auf eine lange Reihe rostbrauner Container, die auf einer matschigen Brache in vier Etagen übereinandergestapelt stehen. Nelly heißt der zweite Bauabschnitt des Containerdorfs an der Eichbuschallee in Plänterwald. Noch ist dort alles abgesperrt, sind Bauleute mit einigen Arbeiten beschäftigt.

Ab Ende März sollen rund einhundert Studenten einziehen. „Dann sind wir hier nicht mehr so allein“, sagt Sina Eberhardt und lacht. Die 23-jährige angehende Regisseurin wohnt mit 14 weiteren Studenten seit fast zwei Jahren in einem für Berlin einzigartigen Projekt – in echten Übersee-Containern, die zu Apartments umgebaut, dann über- und nebeneinandergestapelt wurden. Jonny heißt ihr Zuhause, das erste fertige Gebäude des Dorfes.

Neue Container aus Belgrad

Mehrere Monate herrschte Stille auf der Baustelle, jetzt geht es dort weiter. Der Investor, die Berliner Presto 46. Vermögensverwaltung GmbH, habe lange nach geeigneten Containern gesucht, sagt Tina Sorgenlos. Sie kümmert sich um die Inneneinrichtung der Apartments und ist die Verwalterin des Studentendorfes. Übersee-Container, sagt sie, habe man für Nelly, den zweiten Bauabschnitt, nicht mehr gewollt. Der Umbau zum Wohnraum sei zu aufwendig gewesen.

„Wir haben lange gesucht, bis wir eine Firma bei Belgrad gefunden haben, die passgenaue Container aus recyceltem Stahl für uns herstellt.“ Man habe gemerkt, dass der Container-Markt ziemlich leer gefegt sei, seit diese Art von Unterkünften auch für Flüchtlinge stärker nachgefragt sei.

Bewohnerin Sina Eberhardt findet ihr Zuhause „cool“. „Es ist komplett anders als jede Wohnung, die man sonst kennt“, sagt sie. 26 Quadratmeter groß ist ihr Container: es ist ein zwölf Meter langer, 2,40 Meter breiter und 2,50 Meter hoher Raum. Die Möbel wurden extra für das schmale Zimmer entworfen und dann vor Ort in Treptow eingebaut. Alles ist weiß: die Einbauschränke, das vier Quadratmeter kleine Bad mit Dusche und WC, eine Mini-Küchenzeile mit zweiflammigem Elektroherd und Kühlschrank, der Schreibtisch und das Bett, das exakt quer unters Fenster passt. Von dort, sagt Sina Eberhardt, könne sie sogar den Fernsehturm sehen.

Die 23-Jährige hat außer Geschirr und Kleidung nur noch ein rotes Sofa mitgebracht. Es ist der Lieblingsplatz von Püppi, ihrer kleinen, schwarz-weiß-roten Sheperd-Hündin. Im nahen Plänterwald finden beide reichlich Platz zum Toben.

Das Schönste an ihrem Apartment, sagt Sina Eberhardt, sei die Vorstellung, dass es wirklich aus Containern bestehe, die mal um die Welt gereist sind. „Ich reise auch sehr gern und immer, wenn ich irgendwo am Meer ein Containerschiff sehe, denke ich, da fährt mein Zuhause“, sagt sie. Das Zimmer ist so gut gedämmt, dass man die S-Bahn, die draußen vorbeirattert, drinnen überhaupt nicht hört, und dass von den zwei Heizkörpern auch bei eisiger Winterkälte maximal einer gebraucht wird. Dies sind für sie Argumente, ihr Zuhause zu loben und natürlich den Preis: „389 Euro warm inklusive Highspeed-Internet, wo in Berlin findet man sonst Vergleichbares?“, sagt sie.

Doch nicht alles ist für die Bewohner von Jonny perfekt. Was fehle, kritisieren sie, seien die vom Investor versprochenen Gemeinschaftsräume. Ein Partyraum sollte längst entstanden sein, ein Waschsalon und eine große Küche, in der man sich treffen kann. Kommt alles noch, beschwichtigt die Verwalterin: „Wir bauen hinter Jonny noch mal hundert Container auf, dort kommen dann auch die Gemeinschaftsräume hin“, sagt Tina Sorgenlos.

Noch ist viel freier Platz auf dem 12000 Quadratmeter großen Gelände. Früher befand sich dort eine Außenstelle des DDR-Ministeriums für Leichtindustrie. Nach dem Mauerfall verfielen die Gebäude, mehrmals brannte es. Wenn Nelly, der zweite Baukomplex, im Sommer bezugsfertig ist, geht es auf der anderen Seite mit Frankie weiter. Bis zum Jahresende sollen bei Jonny, Nelly und Frankie rund 400 Studenten wohnen.

Anwohnerin Elisabeth S., die seit 40 Jahren am Eichbuschdamm lebt, freut sich über das neue Leben gleich nebenan. Nur an den Rost der Container, sagt sie, könne sie sich partout nicht gewöhnen. Sina Eberhardt erklärt: „Das wurde extra so gelassen, weil die Rostpatina als natürlicher Korrosionsschutz dient.“