03.02.2012

Minusgrade: "Dieter" lässt uns weiter bibbern

Von Claudia Fuchs
Eiszapfen am Spreeufer.
Eiszapfen am Spreeufer.
Foto: dpa
Berlin –  

Die gefühlte Temperatur liegt bei minus 20 Grad. Doch trotz dieser Kälte war der Januar insgesamt mild. Bis Mittwoch bleibt es eiskalt.

Knospen an den Zweigen und tagsüber zehn Grad: Das milde Wetter Anfang Januar dürfte manchem schon ein paar Frühlingsgefühle entlockt haben. Doch die Vorfreude war verfrüht – gegen Ende entpuppte sich der Januar als echter Wintermonat. Die Gesamtbilanz fällt aber mild aus: Durchschnittlich 2,3 Grad plus wurden im Januar gemessen – 2,5 Grad mehr im langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990.

„Ungewöhnlich waren weder das milde Anfangswetter noch das kalte Ende“, sagt Stefan Zender, Meteorologe beim privaten Wetterdienst Wetterkontor. Ungewöhnlich sei aber gewesen, dass der Januar zwei Wetterextreme vereinte. Extrem war auch der Sonnenschein: An 17 Tagen schien die Sonne gar nicht, an den anderen 14 Tagen so häufig, dass die Gesamtbilanz mit 48,2 Stunden sogar über dem Mittelwert von 43,8 Stunden lag.

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Viel Sonne wird es auch in den kommenden Tagen geben – dank Hoch „Dieter“. Wie festgenagelt hängt das Russlandhoch über Europa, es bringt weiterhin eisige Kälte und Sonne und ein Ende ist nicht in Sicht. „So einen extremen Kaltlufteinbruch hat Deutschland zuletzt im Februar 1986 erlebt“, sagt Dominik Jung, Meteorologe bei wetter.net. Die Auswirkungen seien derzeit bis an die Französische Riviera zu spüren, „und in Rimini in Italien schneit es die ganze Woche.“

Licht und Schatten: Die gefährliche Schönheit der Kälte

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In unseren Breiten wird Schnee allerdings die Ausnahme bleiben. „Nur in der Nacht zu Freitag kann es ein wenig schneien“, sagt Meteorologe Jung. Bei Hochdruckgebieten gebe es nicht so häufig Wolken und deshalb auch seltener Schnee.

Bis Mittwoch eiskalt

Die Temperaturen der kommenden Tage gleichen denen der vergangenen Tage: Der Freitagmorgen startet eisig bei Werten um minus 13 Grad, tagsüber werden minus 7 Grad erwartet. Ähnlich geht es am Wochenende weiter, der Sonntagmorgen startet sogar bei minus 15 Grad. Bis Mittwoch bleibt es eiskalt, „wie es danach weiter geht, müssen wir mal abwarten“, sagt Meteorologe Jung. So lange langanhaltendes, kaltes Wetter sei jedenfalls eine Seltenheit in unseren Breiten. Verstärkt wird die Eiszeit durch den heftigen Wind, der aus Osten bläst. „Gefühlt ist es dadurch noch viel kälter“, sagt Dominik Jung.

Acht Grad minus werden bei Windböen zwischen 40 und 50 Stundenkilometern schon mal wie minus 20 Grad empfunden. Der Begriff „gefühlte Temperatur“ ist allerdings irreführend: Es handelt sich dabei nicht um ein Gefühl, sondern um eine Berechnung. Dieser Formel liegt die Tatsache zugrunde, dass Wind ab einer bestimmten niedrigen Temperatur zum Verlust von Wärme führt. Genau dieser Wärmeverlust wird mit einer kompliziert wirkenden Formel berechnet.

Die Ermittlung dieser Windchilltemperatur hat ihren Ursprung im Zweiten Weltkrieg, als die US-Amerikaner versuchten, ihre Truppen für den europäischen Winter auszurüsten. Erst im Jahr 2001 und nach vielen Forschungen einigte man sich auf eine bis heute gültige Formel. In Regionen wie Skandinavien, in den USA, Kanada und Schottland, wo Minustemperaturen herrschen und oft auch erhebliche Winde, ist die Angabe des Windchill-Wertes zur Gefahreneinschätzung und bei Wettervorhersagen üblich. In unseren Breiten hingegen kennt man die „gefühlten Temperaturen“ nicht – es sei denn, so etwas wie Hoch „Dieter“ kommt öfter.

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