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Mit der Bahn nach Thorn und Breslau: Berlin bekommt zwei neue Direktverbindungen nach Polen

Eine Direktverbindung nach Polen: der Warschau-Express.

Eine Direktverbindung nach Polen: der Warschau-Express.

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imago/Rüdiger Wölk

Berlin und Brandenburg bekommen in diesem Frühjahr neue Bahnverbindungen nach Polen. Torun (Thorn) an der Weichsel, dessen Altstadt von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde, ist künftig von Deutschland aus direkt erreichbar. Nach Breslau, das heute Wroc?aw heißt und in diesem Jahr Europäische Kulturhauptstadt ist, fährt an Wochenenden ein „Kulturzug“.

Damit ist ein Trend, der seit Langem andauert, erst einmal gestoppt. Zwar verkehren zwischen Berlin, Warschau und Danzig bequeme Eurocity-Züge, deren Speisewagenangebot von Fans gerühmt wird. Doch andere Direktverbindungen, zum Beispiel nach Krakau und Masuren, sowie alle Nachtzüge sind eingestellt worden, auch einige Regionalzüge. Den Polen fehlt Geld, dem Fernverkehr macht die Konkurrenz durch Autos und Busse zu schaffen.

Trotzdem wagt das polnische Bahnunternehmen Arriva RP, das zum Konzern der Deutschen Bahn (DB) gehört, nun etwas Neues: eine Verbindung zwischen Torun, Bydgoszcz (Bromberg), Gorzów (Landsberg) und Berlin. Der Zug soll frühmorgens starten und gegen 10.30 Uhr in Lichtenberg eintreffen, kurz nach 18.30 Uhr fährt er nach Polen zurück. Eingesetzt werden Dieseltriebwagen aus den 1990er-Jahren, die einst als Baureihe 628 durch Deutschland fuhren und Sitzplätze für 120 Fahrgäste haben. Über die Fahrpreise ist noch nichts bekannt.

Lesungen während der Fahrt

Zwischen Kostrzyn, das einst Küstrin hieß, und Berlin stellt die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) das Personal. Sie ist dort heute schon unterwegs. „Der neue Zug verkehrt in unseren Fahrplanlagen, er ersetzt also unsere Fahrzeuge“, sagte Detlef Bröcker, der Geschäftsführer des Unternehmens. Die betrieblichen Absprachen hätten begonnen. „Eine Betriebsaufnahme Mitte April oder im Mai halte ich für realistisch?– vorher nicht“, sagte Bröcker.

In dieser Zeit kommt auch der „Kulturzug“ ins Rollen. „Er soll vom 30. April bis in den September hinein an Wochenenden fahren“, hieß es bei der DB. In Berlin geht es voraussichtlich zwischen 8 und 8.30 Uhr los, die Rückfahrt von Breslau soll sonnabends nach 19 Uhr und sonntags zwischen 16 und 17 Uhr beginnen. Die Fahrt dauert viereinhalb Stunden. Damit sie den Reisenden nicht zu lang wird, gibt es Kultur im Zug: Lesungen, Musik, Theater.

Auch auf dieser Verbindung nach Polen, die seit Ende 2014 brachliegt, soll die ältere Baureihe 628 fahren. Zunächst wird ein Triebwagen eingesetzt, so die DB. „Wenn sich Gruppen anmelden, können wir im Doppelpack fahren.“ Die Länder geben Geld. Das hält die Preise niedrig: Eine einfache Fahrt kostet 19 Euro.