image001
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

Mitarbeiterin deckt Missstände an Volkshochschule auf – und wird suspendiert

Volkshochschule Lichtenberg

Außen hui, innen pfui? In der VHS Lichtenberg ist offensichtlich einiges im Argen.

Foto:

Paulus Ponizak

Noch ist unklar, ob die weitreichenden Mauscheleien an der Volkshochschule Lichtenberg – von einer Ausnahme abgesehen – personelle Konsequenzen hatten. Für eine Mitarbeiterin des Bezirksamtes Lichtenberg hatte die Aufdeckung der mangelhaften Abrechnung allerdings schwerwiegende  negative Auswirkungen. Es handelt sich dabei um die Angestellte, die mit ihren Hinweisen an die Vorgesetzten die Affäre in Gang brachte. Der Berliner Zeitung liegen interne Vermerke des Bezirkamtes vor, die schlussfolgern lassen, dass die Mitarbeiterin zunächst massiven Vorhaltungen ihrer VHS-Kollegen ausgesetzt war. Schließlich soll sie sogar vom Dienst suspendiert worden sein.

Vom Bezirksamt selbst gibt es keine Bestätigung zu diesem Vorgang. Dass es Differenzen an der VHS gab, ist aber auch den Wirtschaftsprüfern Beil, Baumgart & Kollegen aufgefallen, die – wie berichtet – die Vorgänge an der VHS untersuchten und auf teilweise haarsträubende Missstände bei der Durchführung und Abrechnung von Kursen hinwiesen. „Eine Koordination der einzelnen Bereiche der VHS können wir nicht erkennen“, heißt es in dem Bericht. „Die für die Programmbereichskoordination zuständige Mitarbeiterin wird von der Direktion ausgegrenzt. Ein aus unserer Sicht nur schwer nachvollziehbarer Sachverhalt.“

Suspendierung wegen vermeintlichem Selbstmordversuch

In einem internen Vermerk über eine Mitarbeiterbesprechung im August 2014, bemängelt eine Teilnehmerin, „dass sich das Arbeitsklima deutlich verschlechtert hat.“ Als Verursacherin wird besagte Mitarbeiterin genannt. Die Missstände  waren in dieser Zeit bereits bekannt, der Antikorruptionsbeauftragte des Bezirkes war involviert. Eine andere Teilnehmerin des Gesprächs äußerte, dass es für die unliebsame Kollegein „… doch sicher z. B. in einem Archiv oder anderswo irgend eine Arbeit ohne Menschen geben wird.“ Die Kollegin war bei diesem Gespräch nicht anwesend. Es handelt sich dabei um eine zu 100 Prozent schwerbehinderte Frau, deren Handicap sich vor allem auf den Bereich der sozialen Interaktion und Kommunikation auswirkt. Im Klartext: eine Mitarbeiterin, die auf  besondere Fürsorge durch ihre Vorgesetzten angewiesen ist.

Am 10. Dezember 2015 gab es dann einen Vorfall, der tagelang Gesprächsthema im Bezirksamt war. Die Frau hatte sich den Vorwürfen ihrer Kollegen entzogen und war dann am Fenster des Dachgeschosses entdeckt worden. Die Vorgesetzten unterstellten dies als Selbstmordversuch und suspendierten sie als dienstuntauglich. Dies soll über Wochen angedauert haben.

Unklar blieb am Mittwoch, gegen wen die Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit den Vorfällen ermittelt. In einer Pressemitteilung des  Bezirksamtes Lichtenberg heißt es, es werde gegen vier Personen ermittelt. Ob es über den Führungswechsel hinaus weitere personelle Veränderungen gegeben hat, konnte das Bezirksamt gestern nicht sagen.

Wie berichtet, war die Leiterin der VHS versetzt worden. Die Berliner Zeitung erfuhr, dass gegen sie ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde. Außerdem wurde angeregt, ein  Arbeitsrechtsverfahren gegen eine weitere VHS-Mitarbeiterin wegen grober Pflichtverletzungen anzustrengen. Ob die Verfahren tatsächlich eingeleitet wurden und wie sie ausgingen, lässt sich derzeit nicht sagen. Die VHS-Mitarbeiterin ist laut Webseite der VHS  weiterhin mit ihren bisherigen Aufgaben betraut. In den internen Vermerken des  Bezirksamts wird von einer Schadenssumme von über  70.000 Euro für den untersuchten Zeitraum von 1. Januar 2013 bis 30. Juni 2014 ausgegangen. Ob es Rückforderungen gegeben hat, ist nicht bekannt.

Wer wurde informiert?

Unterschiedliche Darstellungen gibt es auch, ob und wie der Kulturausschuss von den Vorgängen um die Volkshochschule unterrichtet wurde. In der Pressemitteilung des Bezirksamtes, der bisher einzigen Stellungnahme zu diesem Thema, heißt es, dass Bezirksstadträtin Kerstin Beurich den Ausschuss für Kultur am 24. März 2015 unterrichtet habe.  Dem widersprach der Vorsitzende der Linken-Fraktion, Daniel Tietze. „Wir sind von Frau Beurich nicht informiert worden“, sagte er am Mittwoch.

Im Protokoll des Kulturausschusses vom 24. März 2015 findet sich lediglich der Vermerk, dass die Bezirksstadträtin einen Wechsel an der Spitze der Volkshochschule bekanntgegeben hat. Danach berichtete sie ausführlich von ihrer Dienstreise nach Istanbul im Rahmen eines EU-Erasmus-Projekts und von ihrer Dienstreise nach Brüssel zum  Europäischen Parlament.