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Moabit: Miet- und Eigentumswohnungen Berlin: Ein Ufo in der Lehrter Straße

Zickzack an der Lehrter Straße. Die Groth-Gruppe will gegenüber vom Poststadion für rund 250 Millionen Euro ein neues Wohnviertel errichten.

Zickzack an der Lehrter Straße. Die Groth-Gruppe will gegenüber vom Poststadion für rund 250 Millionen Euro ein neues Wohnviertel errichten.

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Groth Gruppe

Wolfram Liebchen hat an der Lehrter Straße in Moabit ein Gewerbe für antike Bauelemente. Er handelt dort schon lange mit alten Türen, mit Dielen und Parkett, auch mit Kachelöfen. Doch seine Fläche muss er – wie auch 45 Kleingärtner – demnächst räumen. Denn die Groth-Gruppe will auf dem früheren Bahngelände hinter der langen roten Backsteinmauer ein neues Wohnviertel errichten. „Es sieht aus, als ob hier ein Ufo landet. Groth drückt unserer Straße eine neue Philosophie auf“, sagt Liebchen.

Tatsächlich wurde jetzt für das fast vier Hektar große Gelände, das sich gegenüber vom Haupteingang zum Poststadion befindet und auf der anderen Seite von der Europacity begrenzt wird, ein Wettbewerb entschieden. Sieger ist das Architekturbüro Sauerbruch Hutton. Es hat an der Lehrter Straße seinen Sitz und damit praktisch ein Heimspiel.

600 neue Wohnungen

600 neue Wohnungen sind auf dem Areal geplant, je zur Hälfte Miet- und Eigentumswohnungen, wie Rainer Kieschke, Prokurist von Groth Development, sagt. Studentisches Wohnen ist vorgesehen, auch betreutes Wohnen für Senioren sowie caritative Einrichtungen und eine Kita. „Wir wollen eine gute Mischung“, sagt Kieschke. Die Kaltmieten werden 8,50 bis 11 Euro pro Quadratmeter betragen. Für die meisten Moabiter ist das unerschwinglich und etwa doppelt so hoch, wie die alteingesessenen Bewohner im Gebiet derzeit bezahlen.

Sauerbruch Hutten weichen von der üblichen Rechteck-Bebauung ab – sie ordnen die Häuser im Zickzack an. Das geschieht vor allem aus Lärmschutzgründen wegen der benachbarten Bahntrasse zum Hauptbahnhof. Deshalb sollen auch die zwei Meter breiten Lücken zwischen den Gebäuden mit Glaswänden geschlossen werden, so dass es in den Höfen ruhig wird. Vis-à-vis vom Poststadion ist ein dreieckiger Stadtplatz geplant, einen weiteren Platz gibt es zur anderen Seite, von dort führen Wege durch eine Grünanlage zu einer Brücke, die über die Bahnanlagen hinweg eine Verbindung zur Europacity herstellt.

Wie Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) sagt, bewerte der Bezirk das Vorhaben positiv. Im Bezirksparlament jedoch ist man skeptisch: So gebe es kein klares Vorn und Hinten, auch die Stadtplätze seien zu klein. Susanne Torka vom Betroffenenrat Lehrter Straße kritisiert, dass keine bezahlbaren Wohnungen entstehen; durch die hohen Preise werde das Gebiet weiter aufgewertet. „In jedem einzelnen Gebäude muss es auch eine soziale Mischung geben.“ Enttäuscht sei man auch, weil das Areal wenig durchgängig sein wird.