blz_logo12,9

Modemesse vor dem Rückzug aus der Hauptstadt: Bread&Butter geht Berlin fremd

Mann mit Mission: Karl-Heinz Müller ging, kam wieder und will nun wieder gehen. Teilweise jedenfalls.

Mann mit Mission: Karl-Heinz Müller ging, kam wieder und will nun wieder gehen. Teilweise jedenfalls.

Foto:

dpa/Britta Pedersen

Es ist gerade mal fünf Jahre her, da beteuerte der Messemanager Karl-Heinz Müller noch seine innige Liebe zu Berlin. Wie lange die von ihm geführte Bread&Butter denn in Berlin bleiben solle, wurde er gefragt, als die Streetwearmesse von Barcelona zurück nach Berlin zog und erstmals im Gebäude des Flughafens Tempelhof stattfand. „Von mir aus sind wir noch in zwanzig Jahren hier“, sagte Müller damals.

Inzwischen hat er offenbar umgedacht. Bei der Eröffnung der Bread&Butter sagte Müller am Dienstagabend, dass die Messe im Januar 2015 wieder in Barcelona stattfinden wird, im Sommer 2015 dann in Berlin, kurz darauf in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Was danach geschieht, ließ Müller offen. Es ist also durchaus möglich, dass eines der Aushängeschilder der Berliner Fashion Week die Stadt verlässt.

Die Reaktionen auf diese Nachricht waren am Mittwoch freilich verhalten. „Der Weggang der Bread&Butter wird das Business in Berlin nicht wesentlich berühren“, sagte Anita Tillmann, die Leiterin der Modemesse Premium. „Berlin ist etabliert. Es bringt Bewegung in den Markt und birgt vor allem viele neue Chancen. Seit gestern steht unser Telefon nicht mehr still.“

Auch in der Berliner Senatskanzlei gab man sich am Mittwoch gelassen. „Es wäre bedauerlich, wenn sich die Bread&Butter zurückzieht, aber Berlin wird das verkraften“, sagte Senatssprecher Richard Meng der Berliner Zeitung. Es habe sich als goldrichtig erwiesen, den Flughafen Tempelhof zum Veranstaltungsort für Konzerte und Messen zu machen, viele Interessenten müsse man abweisen.

Wowereit verhandelte persönlich

Die Bread&Butter ist freilich bislang die einzige regelmäßige Veranstaltung mit internationaler Strahlkraft, die in dem alten Terminalgebäude stattfindet. Zudem hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sie frühzeitig zur Chefsache erklärt. Den bis 2019 gültigen Mietvertrag handelte er persönlich mit Karl-Heinz Müller aus – was im damaligen rot-roten Senat Unmut erregte. Bis heute ist der Vertrag geheim, nur einige Eckpunkte sind bekannt: Die Jahresmiete beträgt demnach moderate 1,6 Millionen Euro, der Vertrag beinhaltet eine Verlängerungsoption um weitere zehn Jahre bis 2029. Seinen diesjährigen Messerundgang sagte Wowereit übrigens ab.

In Branchenkreisen spekuliert man nun, was Karl-Heinz Müller bewogen haben könnte, sich teilweise aus Berlin zurückzuziehen. Teilweise sind seine Pläne für Berlin offenbar nicht aufgegangen. In ihren besten Zeiten besuchten knapp 100.000 Besucher die Messe in Tempelhof, dieser Wert wurde zuletzt nicht mehr erreicht – auch wegen restriktiver Zugangsbeschränkungen. Der Plan, in diesem Sommer erstmals Publikumstage durchzuführen, wurde sang- und klanglos beerdigt. Offenbar gelang es nicht, die Aussteller von diesem Vorhaben zu überzeugen.

Wenn die Bread&Butter nun seltener oder womöglich gar nicht mehr in Tempelhof stattfindet, eröffnet das freilich auch Möglichkeiten für andere Nutzungen. „Der teilweise Rückzug ermöglicht eine flexiblere Nutzung des Flughafengebäudes“, sagte CDU-Fraktionschef Florian Graf. „Es ist einerseits prädestiniert für Großevents der kreativen Szene, andererseits durch den Umzug des Alliiertenmuseums 2017 als Museumsinsel geeignet, sich in eine Meile der Geschichte entlang der U6 über den Platz der Luftbrücke und den Checkpoint Charlie einzugliedern.“ Den Mode-Standort sieht Graf nicht gefährdet.

Auch die Fraktionschefin der Grünen, Antje Kapek, spricht sich für eine Nutzung beispielsweise durch Bundesmuseen aus. Diese Lösung hätte den Charme, dass das Land Berlin dann auch die Sanierung des riesigen Gebäudes nicht alleine finanzieren muss – und der Sanierungsbedarf ist immens. „Ein Drittel des Gebäudes ist derzeit nicht zu nutzen“, sagte Kapek.