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Molkenmarkt in Berlin-Mitte: Verkehrsknotenpunkt am Roten Rathaus wird umgestaltet

Am Molkenmarkt sollen neue Häuser entstehen, zu Lasten der Autofahrer.

Am Molkenmarkt sollen neue Häuser entstehen, zu Lasten der Autofahrer.

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Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Es ist ein Projekt, das noch für viel Streit sorgen wird. Eine der wichtigsten Verkehrsachsen in Mitte soll verschmälert und in einen Zickzackkurs für Autofahrer verwandelt werden. Am Montag stellte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) den aktuellen Zeitplan für die Umgestaltung und die Neubebauung des Molkenmarkts vor.

„Das Bebauungsplanverfahren ist weit vorangeschritten“, berichtete der Senatspolitiker. Er rechnet damit, dass das Abgeordnetenhaus den Plan 1–14 im zweiten Vierteljahr 2016 beschließt. „Ich erwarte einen Baubeginn für 2021 oder 2022“, sagte Geisel. So lange die Bauarbeiten für die neue U-Bahn-Linie U 5 benachbarte Straßen einschränken, soll der Molkenmarkt so bleiben wie er ist. Der Senator rechnet damit, dass die neue U-Bahnstrecke in Mitte bis Anfang 2020 fertig wird.

Aus dem Molkenmarkt, der Kreuzung hinterm Roten Rathaus, sollen zwei Knotenpunkte werden. Wo die Autos seit DDR-Zeiten auf einer breiten Verkehrsschneise geradeaus fahren dürfen, müssen sie künftig abbiegen. Durch die Verlegung und Verkleinerung der Fahrbahnen wird Platz für das geplante „Klosterviertel“ gewonnen – für Neubauten mit Wohnungen, Büros sowie Läden.

Drei Fahrstreifen pro Richtung

Zudem wird dort die Straßenbahn verkehren – auf der Fahrt vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz und zum Kulturforum. Auf dem Straßenzug Mühlendamm – Grunerstraße bleiben den Autos drei Fahrstreifen pro Richtung – wovon je eine Fahrspur zeitweilig als Parkstreifen genutzt werden können.

Über dieses Stadtentwicklungsprojekt wird schon lange diskutiert. Im Planwerk Innenstadt, das 1999 erschien, ist es eines der zentralen Vorhaben. Eine Zeit lang hieß es, dass der Bebauungsplan 2008 festgesetzt und die Bauarbeiten 2013 später beendet werden. Doch weil die Teilbebauung der heutigen Asphaltschneise den Durchgangsverkehr zwischen dem Alexander- und dem Potsdamer Platz einschränken würde, gab es immer Diskussionen.

So warnte die CDU-Fraktion 2008 in einem Antrag an das Abgeordnetenhaus davor, dass die Umgestaltung zu einem Verkehrsinfarkt führen würde. Anstelle der rechtwinkligen Kreuzungen, die Abbiegen erfordern, forderten die Christdemokraten eine geschwungene durchgehende Straßenführung – so wie es die Industrie- und Handelskammer (IHK) vorgeschlagen hat.

Heute scheint das Projekt zumindest in der Großen Koalition kein Streitthema mehr zu sein. „Beide Fraktionen sind drauf und dran, den Bebauungsplan festzusetzen“, teilte Senator Geisel mit.