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Monika Herrmann: Tief im grünen Milieu verwurzelt

Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg.

Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg.

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BLZ/Engelsmann

Auf die Frage, ob sie sich mal bei ihrem Vorgänger Franz Schulz darüber beschwert hat, was für einen Schlamassel er ihr mit dem Flüchtlingscamp am Oranienplatz hinterlassen hat, fängt Monika Herrmann, die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, am Telefon an zu lachen. Nein, sie habe sich nicht beschwert. Ihre Gelassenheit ist bemerkenswert.

Wegen des Chaos um die Unterbringung der Flüchtlinge hat sie die halbe Stadt gegen sich aufgebracht, die einen werfen ihr Tatenlosigkeit vor, die anderen „Gutsherren-Arroganz“, vor ihrem Büro war am Montagnachmittag eine Protest-Kundgebung geplant. Die Grüne blüht offenbar erst auf, wenn es knallt, insofern passt sie sehr gut zu Kreuzberg.

Herrmann ist tief in der Kreuzberger Szene verwurzelt, kam über die Frauenbewegung in die Politik, arbeitet seit vielen Jahren im Bezirksamt als Jugendstadträtin. Sie kennt seine Widersprüchlichkeiten und die Diskutierfreudigkeit seiner Bürger. Der Ton wird schnell rau, und das bekam nun auch Herrmann zu spüren.

Große Erwartungen geweckt

Am Wochenende zogen Flüchtlinge in ein Heim in Wedding um. Herrmann hatte das mit dem Senat geplant, es lief nicht perfekt ab, einige fanden keinen Platz. Die einen sagen, Herrmann habe schlecht geplant, sie behauptet, es seien unbekannte Gesichter aufgetaucht. Ihr Plan, schnellstens am Sonntag die Schlafzelte von der Polizei abbauen zu lassen, bevor neue Leute einziehen können, scheiterte, weil sie die Stimmung unter den linken Gruppen unterschätzt hatte. Bis zu 800 Menschen versammelten sich zur Demo.

Im Internet wurde Herrmann als Verräterin beschimpft. Herrmann zeigt sich am Montag betont locker. „Ist doch toll, wie schnell die Menschen sich in Kreuzberg mobilisieren lassen, hier ist der Protest eben zu Hause“ sagt Herrmann. Ihr Versuch, der Lage etwas Positives abzugewinnen, mag sympathisch wirken. Die Frage ist, ob ihre Lockerheit nicht genau das Problem ist, dass zu dem Chaos geführt hat. Sie hat große Erwartungen geweckt, als sie im Interview davon sprach, dass das „Camp ein politisches Mahnmal“ sei.

Verteidigung auf Twitter

Herrmann steckt in einer Zwickmühle: Sie sympathisiert mit den Forderungen der Flüchtlinge und deren Unterstützer, die dem grünen Milieu nahestehen, als Bezirksbürgermeisterin kann sie aber nicht die Asylpolitik der Bundesregierung ändern, sondern muss geltendes Recht durchsetzen, dazu gehört auch, dass sie illegale Camps nicht dauerhaft dulden kann.

Wegen der Temperaturen hat sie seit Wochen für einen Kompromiss geworben: Die Flüchtlinge ziehen in ein Haus, die Schlafzelte werden abgebaut, doch ein Infozelt als Zeichen des Protests soll bestehen bleiben. Den Protestgruppen reicht ein Infozelt aber nicht. Sie würden am liebsten halb Afrika auf dem Oranienplatz unterbringen, so scheint es.

Herrmann hofft noch, dass sie mit Reden einen Kompromiss erzielt. Sie kommuniziert selbst viel, benutzt gern Facebook und Twitter. Als sie nach der Demo am Sonntag angegriffen wird, twittert sie bis in die Nacht zurück. Sie hat schon als Kind diskutiert, mit ihren Eltern, die CDU-Abgeordnete waren.


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