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Monokulturelle Maisfelder: „Biogas aus Mais gehört verboten“

Ulrich Eichelmann

Ulrich Eichelmann

Foto:

Miguel Dieterch

Kameraschwenk über Felder, die bis zum Horizont reichen, Maispflanzen dicht an dicht. Die Szene im Film „Climate Crimes“ spielt nicht im Mittleren Westen der USA, sondern in der Brandenburger Schorfheide. Der Regisseur und Naturschützer Ulrich Eichelmann hat sie für den nur durch Spenden finanzierten Film ausgewählt. Der 51-Jährige erklärt, warum die hiesigen monokulturellen Maisfelder zu „ökologischen Wüsten“ führen.

Herr Eichelmann, Ihr Film zeigt Umweltsünden vor allem in Brasilien und Indonesien. Warum zählt auch Brandenburg zu den Tatorten?

Die Umweltverbrechen im Namen grüner Energien finden nicht nur in fernen Ländern statt. Brandenburg ist ein Bundesland, das bis jetzt vor allem durch naturnahe Landschaften gepunktet hat. Das ändert sich nun dramatisch. Nicht nur durch Windräder. Der Maisanbau für Biogas nimmt dramatisch zu. Sogar mitten im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin wird die Natur zerstört, im Namen des Klimaschutzes. Das zeigt: Wir sind auch nicht besser. Mit unserem tadellosen Umweltbewusstsein gehen wir genauso fragwürdig mit der Natur um wie etwa Brasilien oder die Türkei. Selbst die letzten Reste an Kulturlandschaft werden vernichtet. Und das auch noch mit gutem Gewissem, mit grünem Zertifikat.

Gibt es dafür nicht viele Beispiele bundesweit?

Was in Brandenburg passiert, ist exemplarisch für viele Regionen. Die Hauptstadtnähe ist für Brandenburg eigentlich eine Chance, mit naturnahen Landschaften Tourismus zu generieren. Aber in Deutschland nahm zuletzt die Fläche für den Anbau von Energiepflanzen jährlich um 200.000 Hektar zu. 2011 war der Getreidebedarf in Deutschland erstmals nicht gedeckt. Auch, weil zu viele Landwirte auf Biogas umgestellt haben.

Was sollte auf Brandenburgs Maisfeldern stattdessen stehen?

Im Schutzgebiet Schorfheide-Chorin waren es vorher oft Weiden, Ackerbrachen und kleinteilige Getreideflächen. Das Schlimmste ist der Mais. Genau wie beim Palmöl in Indonesien sieht es schön grün aus, aber da ist nichts drin. Maismonokulturen zerstören die Artenvielfalt und es wird viel Pflanzengift eingesetzt. Es sind ökologische Wüsten. Es braucht eine vielfältigere Landschaft und kleinparzelligeren Anbau von Getreide.

Warum ist für Sie die Ausweitung der Bioenergieerzeugung kontraproduktiv für das Klima?

Die Energieressourcen, die wir zeigen – Wasserkraft, Biogas und Biosprit – zerstören nicht nur die Natur, sie leisten auch keinen Beitrag zum Klimaschutz. Im Gegenteil, sie tragen oft noch zur Erwärmung bei. Stauseen etwa emittieren gleich viel Klimagase wie der gesamte Flugverkehr weltweit. Biogasanlagen sind Landfresser, die größten überhaupt bei der Energieerzeugung. Um die gleiche Menge Strom zu produzieren, braucht die Windenergie nur vier Prozent der Fläche. Die Energiebilanz beim Biogas wird noch schlechter, wenn ich alles berücksichtige, was für die Maisproduktion nötig ist. Wenn ich dann auch noch einberechne, dass feuchtes Grünland umgepflügt wird, ist die Bilanz sogar negativ, das heißt klimaschädlich. Denn der Boden enthält Torf, also Pflanzenreste, die sehr viel Kohlendioxid speichern. Und das wird freigesetzt. Der Agrarbeirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums empfahl schon 2007 den Ausbau nicht zu forcieren. Doch die Regierung tat es trotzdem. Biogas fördert nur die industrielle Landwirtschaft – sonst nichts.

Wie sieht richtiger Klimaschutz für Sie aus?

Wirklicher Klimaschutz hätte als oberste Prämisse die Reduktion des Verbrauchs. Eine Reduktion unserer Ansprüche, unseres Konsums, unseres Energieverbrauchs. Wir müssen unser enorm beschleunigtes Leben reduzieren. Das ist das Wichtigste. Es müsste ein sofortiges Moratorium auf den Flächenverbrauch geben. Wind- und Solaranlagen auf ehemaligen Armeeflächen und Dächern sind sinnvoll. Aber wir brauchen auch Flächen, auf denen keine wirtschaftliche Entwicklung stattfinden darf. Biogas auf Maisbasis gehört verboten.

Interview: Sebastian Höhn