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Müggelsee: Streit um Naturschutzgebiet in Köpenick eskaliert

Müggelsee

Erholung und Wassersport - dafür steht der Müggelsee in Köpenick.

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imago stock&people

Die Kritik an der Senatsverwaltung klingt harsch: Hinterzimmerpolitik werde da betrieben, faktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit würden Wassersportler und Touristen vom Müggelsee vertrieben. Der seit Monaten schwelende Streit um eine geplante Verordnung für ein Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiet auf Berlins größtem Gewässer hat eine weitere Eskalationsstufe  erreicht. Wassersportvereine bereiten eine Klage gegen den Senat vor, sollte die Verordnung in Kraft treten. 

Das Thema wird eines der ersten sein, über das die neue Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) entscheiden muss. Im Landschaftsschutzgebiet sind zwar weiterhin Segel-, Ruder und Kanuregatten sowie Schwimmwettkämpfe und Angeln möglich – allerdings nur, wenn es „schutzzweckverträglich“ erfolge. „Keiner weiß, was der Begriff bedeutet, er könnte das Ende unserer Sportvereine  sein“, sagt Ralf Elsner vom Seglerverein Rahnsdorf 1926. Der bisherige Umweltsenator Andreas Geisel (SPD), der die Verordnung noch in Kraft setzen wollte, hatte darauf verzichtet. Zu groß war das Misstrauen der Sportverbände.

Eine "menschenfreie Zone"

„Wir glauben gar nichts mehr, was von der Politik versprochen wird“, sagt Ralf Elsner. Die Segler, aber auch die Kanuten und Ruderer, die den Müggelsee traditionell nutzen, fürchten, die neue Verordnung werde ihre sportlichen Aktivitäten erheblich beeinträchtigen. Große Teile des Sees würden damit zur „menschenfreien Zone“ gemacht.

Ex-Umweltsenator Geisel hatte  mehrfach versichert, dass muskel- und windbetriebener Sport wie bisher stattfinden könne. Doch die Skepsis bleibt. Zwar wurde die Naturschutzzone am Westufer um die Hälfte auf jetzt 150 Meter Breite geschrumpft. Aber, so Elsner, es sei jetzt ein Zusatz  eingefügt worden, der den Zorn  hochtreibe:   „Wenn es das Land beantragt,  kann der Bund eine Austonnung bestimmter Seebereiche anordnen, das heißt,  innerhalb dieser Begrenzungen dürfe  gar nicht mehr gefahren werden.“