09.02.2012

Musiksalon Szimpla: Zwischen Bar und Badewanne

Von Jakob Buhre
Mulatschag? Wie auch immer. Im Badehaus Szimpla geht's ungarisch zu.
Mulatschag? Wie auch immer. Im Badehaus Szimpla geht's ungarisch zu.
Foto: Benjamin Pritzkuleit
Berlin –  

So langsam entwickelt sich das RAW-Gelände an der Revaler Straße zur vielfältigen Ausgehmeile. Nun ist es um eine Attraktion reicher geworden: Der Musiksalon Szimpla verbindet Rustikales mit ungarischer Feierfreude.

In einem Gebäude, das einIn einem Gebäude, das einst ein Badehaus für die Arbeiter des Reichsbahnausbesserungswerks (kurz: RAW) beherbergte, ist der Musiksalon Szimpla eingezogen, ist ein Badehaus für die Arbeiter des Reichsbahnausbesserungswerks (kurz: RAW) beherbergte, ist der Musiksalon Szimpla eingezogen, der sich vor allem mit Livekonzerten hervortut – und schon wegen seiner liebevoll gestalteten Einrichtung sehenswert ist.

Club Badehaus Szimpla in der Revaler Straße

Bildergalerie ( 10 Bilder )

Die goldene Badewanne am Eingang des Backsteingebäudes ist ein echter Hingucker, ein paar Meter weiter betritt man den langen Bar-Bereich, der aufgrund der hohen Decke und den Holzbalken an eine Scheune erinnert. An der Wand hängen süße Schirmlämpchen, verschweißt mit alten Badezimmerarmaturen, in einer Ecke vergilbte Fotos alter Badeanstalten. Die Theke wurde aus alten Tür- und Fensterrahmen zusammengesetzt, daran angegliedert ist ein mit altmodischer Tapete verkleideter Küchenverschlag, das Rock’n’Roll-Büfett. Der große parallel zur Bar verlaufende Konzertraum ist dagegen eher nüchtern gehalten, getanzt wird auf Holzdielen.

Konzert und Partys im Badehaus Szimpla

Revaler Straße 99

Do. 9 Feb. Jam-Session „Rose & Roll“.

Fr. 10. Feb. „Mulatschag“ mit Live-Band Specko Jedno (Budapest) und DJ Podinski (Ostblock-Swing).

Sa. 11. Feb. Lord Mouse & The Kalypso Katz und DJ Christopher Rose.

Beginn jeweils 22 Uhr

Die Idee zum Szimpla Musiksalon hatte Attila Kiss, gebürtiger Ungar, der bereits in der Clubszene von Budapest mitmischte. Vor zehn Jahren gründete er dort in einer ehemaligen Ofenfabrik das Szimpla Kert. Mittlerweile ist die Mischung aus Bar und Club einer der beliebtesten Treffpunkte geworden: „Wer nach Budapest kommt und sich für Kultur und Nachtleben interessiert, der landet irgendwann automatisch im Szimpla, so wie man in Berlin früher immer im Tacheles gelandet ist“, erzählt Kiss.

Live-Musik statt Electro-Partys

Vor vier Jahren folgte er seiner Freundin nach Berlin, wo er zunächst am Boxhagener Platz das Szimpla Café eröffnete. Immer wieder holte er sich dorthin auch Live-Musiker, wofür die Eckkneipe an der Grünberger Straße aber bald zu klein wurde. Auf der Suche nach einem größeren Ort fand er schließlich das Badehaus, allerdings war er nicht der einzige Interessent. Kiss musste sich zunächst bei der Red Development GmbH, die das gesamte RAW-Gelände verwaltet, bewerben und hatte mit seinem Konzept gute Karten: „Die wollten hier keinen weiteren Techno-Club.“

Statt Electro-Partys stehen im Szimpla daher vor allem Live-Darbietungen im Vordergrund. Sonntags und donnerstags füllt sich das Haus zur Jam-Session mit Jazz- und Boogie-Woogie-Musikern, am Wochenende stehen Konzerte mit Swing-, Folk- und Balkan-Bands auf dem Programm, diesen Sonnabend ist die 17-köpfige Band Lord Mouse & The Kalypso Katz zu Gast.

Und natürlich wird man regelmäßig ungarische Musiker im Badehaus antreffen. „Ich kenne in Ungarn fast jeden, der mal ein Instrument in der Hand gehabt hat“, scherzt Kiss. Auch Alkoholisches bringt er aus seiner Heimat mit, in dem rustikalen Barschrank hinter der Theke steht eine ganze Reihe von Obst-Schnäpsen bereit. Den Import besorgt Kiss mit seinem Team selbst.

Transsylvanischer Tango im Badehaus

Doch eigentlich wolle er Ungarn nicht all zu plakativ zum Thema machen, sagt der Badehaus-Betreiber, schließlich sei der Kreis von Berliner Ungarn mit schätzungsweise 5.000 auch relativ überschaubar. Für die veranstaltet er einmal im Monat eine Mulatschag-Party („Budapester Musik, Budapester Preise“), auch wird im Badehaus an bestimmten Abenden transsylvanischer Tango getanzt. Für den könnten sich aber inzwischen auch die Berliner Gäste begeistern, sagt Kiss.

Nach drei Monaten findet das Szimpla nun immer größeren Zuspruch, ja, es passt mit seiner unkomplizierten Art und dem programmatischen Blick nach Osteuropa auch gut in den Bezirk. „Als ich 1995 das erste Mal nach Berlin kam, spielte sich sehr viel im Prenzlauer Berg ab, Friedrichshain war damals ein Schwarzes Loch. Heute ist das anders, im Prenzlauer Berg ist nicht mehr viel übrig geblieben, und bei Kreuzberg denke ich, dass der Bezirk irgendwie fertig ist. Mir würde nichts einfallen, womit ich Kreuzberg heute noch bereichern könnte.“

Für das RAW-Gelände ist das Szimpla in jedem Fall eine Bereicherung – und vielleicht auch ein Schritt, den immer mal wieder von Investorenplänen bedrohten Kulturstandort weiter zu festigen.

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