blz_logo12,9

Mutter lesbisch, Vater schwul

Neuer Inhalt

Auf Familyship finden schwule oder lesbische Paare mit Kinderwunsch Hilfe.

Foto:

imago/Ralph Peters

Milla und ihre Eltern sehen zusammen aus wie eine Kleinfamilie aus dem Bilderbuch: eine süße Zweijährige, eine zierliche, hübsche Mutter und ein großer, dunkelhaariger Vater. Dass der Weg zur Familie lang  und oftmals frustrierend  war, sieht man den dreien  nicht an. Millas Eltern sind kein Liebespaar: Ihre Mutter ist lesbisch, und ihr Vater ist schwul. Gemeinsam haben sie sich den Traum vom Kind erfüllt und leben das, was man heute eine Regenbogenfamilie oder Co-Parenting, also gemeinsame Elternschaft, nennt.

Für Christine Wagner aus Berlin hatte schon lange festgestanden, dass sie ein Kind haben wollte. Gemeinsam mit ihrer damaligen Freundin machte sie sich vor sechs Jahren auf die Suche nach einem Vater. Im Bekanntenkreis gab es keinen, der als Kandidat infrage kam.

Also durchforsteten sie das Internet: „Wir fanden blinkende und flackernde ‚Bitte-hier-klicken-und-da-bezahlen-Seiten‘, mit klitzekleinen Spalten, in denen Haarfarbe, Größe, Gewicht und Schulabschluss standen, dazu irgendwelche Fotos mit Muskeln oder gerade gezogenen Scheiteln“, erzählt sie. Also auch hier: nichts. Ebenso wenig war  in der schwul-lesbischen Kinderwunschgruppe in der Hauptstadt ein passender Mann dabei. Es muss mehr stimmen als nur die Chemie, wenn es um den zukünftigen Vater des eigenen Kindes geht.

Registrierung gegen Anmeldegebühr

Christine Wagner,  von Beruf Ärztin, war frustriert. Gleichzeitig wollte sie nicht wahrhaben, dass in Deutschland keine Familienplanungsplattform für gleichgeschlechtliche Paare zu finden ist.  Innerhalb von vier Wochen gründete sie deshalb die Internetseite Familyship, auf der sich Homo-, Trans- und Heterosexuelle mit Kinderwunsch suchen und finden können. 

Ziel ist es, Leute miteinander in Kontakt zu bringen, die auf freundschaftlicher Basis eine Familie gründen wollen. Die Registrierten vernetzen sich untereinander, schreiben sich Nachrichten und lernen sich bei gegenseitiger Sympathie kennen. Anfangs lief alles ehrenamtlich, inzwischen beträgt die einmalige Anmeldegebühr 17,90 Euro. „Die Gebühr macht Sinn, denn so melden sich nur Leute mit ernsthaftem Interesse bei uns und nicht mehr die, die nur gucken wollen, ob ihr Nachbar vielleicht auch angemeldet ist“, sagt  die Gründerin.

Einer der ersten registrierten Nutzer war Gianni, der heutige Vater von Milla. Nach vielen Treffen und unzähligen Gesprächen über Kinder und Erziehung stand für beide  fest, dass sie das Abenteuer Kind gemeinsam wagen wollten. Und dieses Abenteuer ging sofort aufregend los: Da Gianni zur Zeit von Christines Eisprung beruflich in Moskau war, buchte sie kurzerhand einen Flug nach Russland. Beide hatten sich für die Bechermethode entschieden, bei der der Samen injiziert wird. In Russland hat es damals nicht geklappt –  aber dafür einige Zeit später zu Hause in Berlin.

Symbol von Akzeptanz und Toleranz

Heute ist Milla zwei Jahre alt und geht tagsüber zu einer Tagesmutter. Sie verbringt ihre Tage mal bei ihrem Vater, mal bei ihrer Mutter, die  nur  500 Meter voneinander entfernt wohnen. Oft unternehmen auch alle drei etwas zusammen. Christine und Gianni mögen sich. Aber sie zoffen sich manchmal auch, so wie alle Eltern auf dieser Welt.

Auf der Co-Eltern-Plattform sind inzwischen knapp 3000 Mitglieder registriert. Die meisten kommen aus Deutschland, aber auch Österreicher, Schweizer und US-Amerikaner sind darunter. Etwa zwei Drittel sind Frauen, die meisten von ihnen wünschen sich eine aktive Mutterrolle. Die Männer können auf der Seite ebenfalls angeben, was sie sein möchten: „Aktiver Vater, an Austausch mit dem Kind interessiert“ beispielsweise oder„Samenspender mit bekannter Identität“.

Auf der Homepage von Familyship sind dann Anzeigen zu lesen wie folgende: „Wir sind ein lesbisches Pärchen (28 und 33) und suchen hier den Spender für unser Wunschkind. Eine Onkelrolle mit gelegentlichem Kontakt können wir uns vorstellen, Hauptbezugspersonen möchten wir aber sein.“

Oder: „Ich bin eine alleinstehende Frau und auf der Suche nach einem Mann, der mir mittels einer Samenspende meinen Kinderwunsch erfüllt.“
Christine Wagner sagt ganz klar, dass sie mit Familyship auch einen gesellschaftspolitischen Beitrag leisten möchte. „Wir stehen für Akzeptanz und Toleranz. Unser Ziel ist es, das traditionelle Bild für neue Formen von Familie zu öffnen.“



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?